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Nach US-Schulmassaker

21.02.2018

Emma Gonzalez gibt dem Protest gegen Waffengewalt ein Gesicht

Nach der Schießerei an ihrer Schule in Florida hat Emma Gonzalez genug. Die Schülerin fordert schärfere Waffengesetze.
Bild: John Mccall/Sun Sentinel/ZUMA/dpa

Nach der Schießerei an ihrer Schule in Florida hat Emma Gonzalez genug. Die Schülerin fordert schärfere Waffengesetze und erhält dabei viel Unterstützung über soziale Netzwerke.

Emma Gonzalez' Stimme zittert. Immer wieder wischt sich die junge Frau mit den raspelkurzen Haaren die Tränen aus dem Gesicht. Sie steht vor einem Pult bei einer Gedenkveranstaltung in Fort Lauderdale. Sie spricht in Gedenken an die Opfer des tödlichen Schulmassakers an ihrer Highschool in Parkland, Florida, bei dem 17 Menschen starben.

"Wir Schüler verstehen nicht, warum es in Florida komplizierter ist, Pläne mit Freunden für das Wochenende zu schmieden, als eine vollautomatische Waffe zu kaufen", spricht sie mit deutlicher Stimme ins Mikrofon. Das Publikum applaudiert. Mit Sätzen wie diesen ist die selbstbewusste 18-Jährige über Nacht zu einem Gesicht der Protestbewegung gegen die ihrer Ansicht nach zu laschen amerikanischen Waffengesetze geworden.

Emma Gonzalez scheut sich nicht, Donald Trump zu kritisieren

Die Art und Weise, wie Emma Gonzalez öffentlichkeitswirksam direkt Politiker und die Waffenlobby angreift, scheint gerade bei jungen Amerikanern einen Nerv zu treffen. Unter dem Hashtag #EmmaGonzalez solidarisieren sich Menschen aus aller Welt mit der entschlossenen Schülerin. Gonzalez schreckt nicht davor zurück, den amerikanischen Präsidenten Donald Trump direkt anzugreifen: "Ich würde ihn gerne fragen, wie viel Geld er von der NRA bekommt. Schämen Sie sich."

Die NRA (National Rifle Association) gilt als einflussreichste Waffenlobby in den USA, die Bande zwischen Donald Trump und der Organisation sind eng. Genau dagegen möchten Emma Gonzalez und ihre Mitstreiter vorgehen: Gemeinsam mit Eltern und Mitschülern organisiert sie am 24. März in der Hauptstadt Washington D.C. den "March for our lives", den "Marsch für unser Leben".

Die Verantwortlichen wollen damit Druck auf die Politiker ausüben, die Waffengesetze zu verschärfen, um weitere tödliche Schießereien zu verhindern. "Wir werden die Jugendlichen sein, von denen ihr später in Büchern lesen werdet. Und zwar, weil wir das letzte Schulmassaker sein werden", sagte sie in ihrer Rede in Fort Lauderdale.  Deswegen gaben die Schüler aus Parkland ihrer Gruppe den Titel "never again" (dt.: "nie wieder"). Sie können die Worte von Politikern nicht mehr hören, die zwar ihr Mitgefühl ausdrücken, aber keine klaren Ansagen für mehr Sicherheit in Schulen treffen.

Emma Gonzalez' Rede in Fort Lauderdale, Florida, ging um die Welt. Sie erhält viel Zuspruch für ihre Forderung nach schärferen Waffengesetzen in den USA.
Bild: Rhona Wise, afp

An ihrer Schule gilt Emma Gonzalez als engagierte Schülerin: Sie setzt sich für die Rechte Schwuler und Lesben ein, ihr Schulleiter lobt sie auf Twitter für ihre Intelligenz und ihren Mut. Gonzalez gehört zu der Generation junger Amerikaner, bei denen die Angst vor Massakern wie an der Columbine Highschool 1999 im Schulalltag präsent ist.  Diese Angst möchten die engagierten Schüler nun in Hoffnung umwandeln. Hoffnung, dass sie sich eines Tages so sicher fühlen können wie etwa in Australien, wo es  laut Gonzalez zuletzt 1996 eine Massenschießerei gegeben habe. Danach sei der Waffengebrauch dort reguliert worden.

George Clooney spendet 500.000 Dollar für die Demonstration

Unterstützung für ihre Kritik an Donald Trump und der Waffenlobby bekommen die jungen Anti-Waffen-Aktivisten auch von der Prominenz. George Clooney und seine Frau Amal kündigten gegenüber der Zeitung USA Today  an, den geplanten "Marsch für unser Leben" in Washington D.C. mit einer halben Millionen Dollar zu unterstützen. Außerdem wollen die beiden persönlich an der Demonstration teilnehmen: "Das Leben unserer Kinder hängt davon ab", erklärte George Clooney am Dienstag. Kurze Zeit später zogen TV-Moderatorin Oprah Winfrey und  Regisseur Steven Spielberg nach. Sie wollen jeweils 500.000 Dollar für die Demonstration spenden. Sänger Justin Bieber und Sängerin und Schauspielerin Demi Lovato solidarisierten sich auf Twitter mit den Schülern.

Der Druck auf Donald Trump ist groß: Er muss reagieren, möchte sich am Donnerstag mit Schülern und Lehrern, auch aus der Parkland Highschool, treffen. Außerdem zeigt sich Trump bereit, Aufsatzvorrichtungen, die halbautomatische Waffen in vollautomatische umfunktionieren, verbieten zu lassen. Einen ersten herben Rückschlag mussten die Schüler der Marjory Stoneman Douglas High School am Mittwoch allerdings hinnehmen: Das Parlament in Florida stimmte mit 71 zu 36 Stimmen gegen ein schärferes Waffengesetz in dem US-Bundesstaat.

Emma Gonzalez Reaktion auf Twitter kam prompt: "Die Wut, die ich gerade empfinde, ist nicht zu beschreiben." Doch die Wut ist es auch, die sie weiterkämpfen lässt. Für ein Leben ohne Angst vor Schießereien. Und dafür, dass Politiker jungen Menschen wie ihr nicht nur zuhören, sondern auch Taten folgen lassen.

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