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Epidemie
03.07.2014

Ist das Ebola-Virus eine Gefahr für Deutschland?

Der gefürchtete Ebola-Virus ist in Teilen von Westafrika mit voller Wucht zurückgekehrt. Dortige Helfer sind völlig überfordert mit der Epidemie.
Foto: Agus Morales/Msf/Archiv (dpa)

Dem außer Kontrolle geratenen Ebola-Virus sind in Westafrika hunderte Menschen zum Opfer gefallen. Können Flugreisende das Virus auch nach Deutschland einschleppen?

Im westafrikanischen Land Guinea ist im Frühjahr das Ebola-Virus ausgebrochen. Inzwischen sind auch Nachbarländer betroffen und fast 500 Menschen gestorben. Nun warnt die Weltgesundheitsorganisation WHO: Das Virus ist außer Kontrolle geraten und könnte sich weiter ausbreiten.

Das Robert-Koch-Institut, als zentrale Überwachungs- und Forschungseinrichtung der Bundesrepublik für Infektionskrankheiten zuständig, rechnet nicht mit einer Gefahr für Deutschland. Ausschließen kann es sie aber nicht.

Problematisch sind insbesondere Flugreisende, die die Krankheit einschleppen könnten. Im Jahr 2008 war eine Niederländerin nach einer Afrika-Reise am verwandten Marburg-Virus gestorben. Es war damals das erste Mal, dass es einen solchen Fall in Europa gegeben hatte.

Ebola ist bislang noch nie außerhalb Afrikas festgestellt worden. Wenn jemand noch zwischen der Infektion und dem Auftreten der ersten Symptome reist, wäre es nach Angaben des Instituts aber möglich, dass ein Infizierter zunächst unbemerkt auch nach Deutschland kommen kann. Diese Inkubationszeit läuft bis zu 21 Tage.

Symptome sind leicht mit einer Grippe zu verwechseln

Für die Mitreisenden wäre das allerdings nicht gefährlich, betont Instituts-Sprecherin Susanne Glasmacher. Denn nur wer engen Körperkontakt zu Infizierten hat und mit deren Blut oder anderen Körperflüssigkeiten in Kontakt kommt, kann sich anstecken. Und das auch nur nach Ablauf der Inkubationszeit. Eine Übertragung durch die Luft ist bislang nicht nachgewiesen.

Problematisch ist nach Glasmachers Worten aber, dass bei Symptomen wie Fieber oder Kopf- und Muskelschmerzen das Virus mit einer Grippe verwechselt werden kann. Wer sich nicht gut fühlt und dann einen Arzt aufsucht, sollte aber schnell als Infizierter identifiziert und unter Quarantäne gestellt werden können. In Deutschland gibt es für solche Fälle neun über die Republik verteilte Behandlungszentren, die sich auf Infektionskrankheiten spezialisiert haben. Eines befindet sich am Klinikum Schwabing in München.

Am Flughafen können Passagiere mit Wärmebildkamera überprüft werden

Zwar sind die von Ebola betroffenen Regionen in Guinea, Liberia und Sierra Leone keine typischen Touristenziele. Die deutschen Flughäfen haben sich trotzdem vorbereitet. Wird vom Flugkapitän ein Verdachtsfall gemeldet, kann beispielsweise in Frankfurt der Passagier mit einer Wärmebildkamera auf Fieber untersucht werden. Für den Münchner Flughafen ist sogar eine Art schnelle Eingreiftruppe geplant, die am Landesamt für Gesundheit in Oberschleißheim eingerichtet wird und ständig alarmbereit ist.

Schon im Mai hatte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml das so begründet: "Infektionskrankheiten kennen keine Grenzen. Wir haben zwar ein funktionierendes Schutzsystem, müssen es aber weiter ausbauen." Mit der sogenannten "Task-Force Infektiologie" soll das für den Flughafen zuständige Gesundheitsamt Erding unterstützt werden.

Mehrere Organisationen wie Feuerwehr und Rettungsdienst hatten erst vor wenigen Monaten am Flughafen für einen solchen Fall geübt, erklärt Christina Centner vom Landratsamt Erding. Ohnehin gebe es Notfallpläne, die auch die Behandlung Infizierter abdecken.

Ebola kann in den meisten Fällen nicht behandelt werden

Wie aber können sich Menschen überhaupt mit dem Virus anstecken? Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts geschieht dies durch den Kontakt zu bereits infizierten Tieren. Vor allem in Flughunden soll die Krankheit schlummern. Überträger sind aber auch Nagetiere und Affen.

Im Laufe der Krankheit breitet sich das Virus auf den ganzen Körper aus. Dabei können lebenswichtige Organe versagen. Behandelt werden kann Ebola in den meisten Fällen nicht, und auch eine Impfung ist nicht möglich. Die einzige Möglichkeit, die Krankheit zu bekämpfen, ist die Behandlung mit Antikörpern von Personen, die überlebt haben. Davon gibt es aber nicht viele. (mit dpa)

Sie stehen auf der Liste der Todesursachen ganz oben. An Pneumonie sterben jährlich nahezu 4 Millionen Menschen, vorwiegend Kinder. Die Lungenentzündung ist damit trauriger Spitzenreiter der Krankheiten, die die meisten Todesopfer fordern.
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Die gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt
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