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Corona-Pandemie

02.06.2020

Erste Details bekannt: So funktioniert die Corona-Warn-App

Die Entwickler der Corona-Warn-App, der Softwarekonzern SAP und die Deutsche Telekom, haben erste Screenshots der Software veröffentlicht.
Bild: SAP/t-systems

Die Handy-Software zur Eindämmung des Coronavirus in Deutschland soll Mitte Juni erscheinen. Erste konkrete Details zu Aussehen und Funktion sind jetzt bekannt.

Ist der Handybildschirm grün, ist mit der Gesundheit alles in Ordnung. Rot bedeutet hingegen: Vorsicht, es droht eine Ansteckung mit dem Coronavirus. „Mit der Corona-Warn-App durchbrechen wir Infektionsketten schneller“, versprechen Politiker. Seit rund einem Monat arbeiten der Software-Riese SAP und ein Team der Deutschen Telekom an einem solchen Programm. Transparent und für jedermann kinderleicht zu bedienen soll die geplante Tracing-App sein. Die finale Version soll Mitte Juni zum Download für Googles Android und Apples iOS bereitstehen. Nun haben die Entwickler erste konkrete Details zum Aussehen und der Funktionsweise veröffentlicht.

An erster Stelle stehe die Bedienbarkeit. Eine „uneingeschränkte Inklusion“ soll sichergestellt sein, schreibt Jürgen Müller, Chef der Technologie-Abteilung bei SAP, in einer Mitteilung. Das bedeutet, dass die App von allen Menschen unabhängig von Alter, körperlicher Verfassung oder Bildungsstand genutzt werden könne. Dabei helfen sollen zum Beispiel vergrößerter Text oder spezielle Farbkontraste, einfache Sprache und selbsterklärende Abbildungen. SAP habe bereits erfolgreich Tests mit Menschen im Alter zwischen 19 und 74 Jahren durchgeführt. Die App soll es zunächst auf Deutsch und Englisch geben, weitere Sprachen wie Türkisch seien geplant.

Die Corona-Warn-App informiert Nutzer über das Ansteckungsrisiko

Vier zentrale Abläufe im Kampf gegen die Corona-Pandemie deckt die geplante App grundsätzlich ab: Registrierung, Kontaktverfolgung, Kontaktbenachrichtigung und verifizierte Fallmeldung. Nutzer, die die App ab Mitte Juni im jeweiligen Appstore herunterladen, stimmen dem Tracing – also der Kontaktverfolgung – explizit zu. Die App sammelt anschließend auf dem Smartphone via Bluetooth Daten von Geräten in der unmittelbaren Nähe. Sollte eine Kontaktperson in unmittelbarer Nähe in den vergangenen 14 Tagen positiv auf das Coronavirus getestet worden sein, wird der Nutzer benachrichtigt.

Die App informiert ihre Nutzer demnach laufend darüber, wie hoch das eigene Ansteckungsrisiko ist. Und das soll so funktionieren: Nutzer, die positiv getestet werden, können auf ihrem Smartphone den Status in der App auf „Infiziert“ stellen. Das funktioniere erst nach Eingabe eines von den Gesundheitsämtern bereitgestellten Codes, der den Status als „Infiziert“ verifiziert. Dann sollen alle Personen, mit denen der Betroffene in den vergangenen Tagen in Kontakt war, eine Warnung bekommen, dass sie sich möglicherweise ebenfalls angesteckt haben könnten. Um das abzuklären, so die Entwickler, könnten sie sich bei den Gesundheitsämtern melden, untersuchen und testen lassen.

Kampf gegen das Coronavirus: Entwickler der Corona-App legen Programmcodes offen

Eine vergleichbare App ist in Frankreich seit Dienstag im Einsatz, die App „StopCovid“. Anders als es für die deutsche App geplant ist, werden die gesammelten Daten hier allerdings zentral auf einem Server gespeichert. Das wird immer wieder kritisiert. Bei diesem Modell schickt die App bei einer Infektion zusätzlich die Daten der Kontakte auf einen Server. Dort liegt dann neben den eigenen Daten ein Kontaktnetz mit sensiblen Informationen, die geschützt werden müssen.

In Deutschland soll der gesamte Tracing-Prozess deshalb dezentral und anonym ablaufen, versprechen die Entwickler. Die eigentliche Prüfung, ob es einen Kontakt gab, finde nur lokal auf dem eigenen Smartphone statt. Anstelle von Namen oder Mobilfunknummer erfolge die Kontaktverfolgung über Schlüssel, die im Hintergrund regelmäßig aktualisiert werden. Um dem Versprechen der Transparenz nachzukommen, haben die Entwickler zudem den kompletten Programmcode offengelegt. Die geplante Corona-App ist nun eine sogenannte Open-Source-Software. Das bedeutet, jeder kann sich die Quellcodes kostenlos im Internet ansehen. Das hat neben der Transparenz auch den Vorteil der Schwarmintelligenz: Über 65.000 Software-Experten haben sich die veröffentlichten Programmzeilen nach Angaben der Entwickler bereits angesehen und Verbesserungsvorschläge gemacht. Und viele sollen in die finale Version aufgenommen werden.

Ähnliches ist auch in Österreich angedacht. Die App „Stopp Corona“ ist dort bereits seit Ende März im Einsatz. Der Start der App wurde von großer Euphorie begleitet – doch die ist mittlerweile etwas abgeflaut. Rund 600.000 Mal wurde die Software bislang heruntergeladen. Deshalb legten die Österreicher die Programmzeilen kürzlich ebenfalls offen, um weitere Verbesserungen voranzutreiben. Eine zweite Version der App ist ebenfalls für Mitte Juni geplant. Denn, da sind sich alle einig, eine Corona-Warn-App funktioniert nur dann, wenn sie von mindestens der Hälfte der Bevölkerung genutzt wird. (mit dpa)

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