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Ansteckungsgefahr

28.01.2020

Erster Fall in Deutschland: Wie ansteckend ist das neue Coronavirus?

Das Coronavirus ist nach akutellen Schätzungen der WHO weniger ansteckend als eine Grippe. Doch noch fehlen den Experten Informationen.
Bild: Christophe Gateau, dpa (Symbol)

Das Coronavirus hat Deutschland erreicht, in China gibt es Tausende Infizierte und mehr als 100 Tote. Wie die Weltgesundheitsorganisation die Ansteckungsgefahr einschätzt.

Wie gefährlich ist das neue Coronavirus, der nach dem Ausbruch in China nun auch zum ersten Mal in Deutschland nachgewiesen wurde? Vieles ist bisher noch nicht erforscht, doch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat inzwischen einen Kennwert zur Ansteckungsgefahr veröffentlicht. Den Schätzungen der WHO zufolge liegt die Ansteckungsgefahr bei einem Wert von 1,4 bis 2,5.

Diese sogenannte Basisreproduktionszahl gibt an, wie viele Menschen eine infizierte Person im Schnitt ihrerseits infiziert. Der von der WHO geschätzte Wert liegt unter dem einer Influenzaerkrankung (2 bis 3) und auch deutlich unter dem Wert für Masern (12 bis 18). Andere Studien gehen beim neuen Coronavirus von einer Basisreproduktionszahl von knapp über 3 aus.

Coronavirus: Menschen sind wohl erst ansteckend, wenn sie Symptome zeigen

Allerdings warnt der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité: "Solche Zahlen sind extrem unzuverlässig." Die Übertragungsrate hänge von vielen Faktoren ab, darunter auch vom menschlichen Verhalten. So ist der Wert höher, wenn infizierte Menschen sozial aktiv sind und sich in der Öffentlichkeit bewegen, als wenn sie zu Hause bleiben. Genau darauf zielen laut Drostens die Maßnahmen in China ab. "Ich denke, diese Maßnahmen bringen etwas."

Erster Fall in Deutschland: Wie ansteckend ist das neue Coronavirus?

Positiv sei, dass infizierte Menschen meist erst dann ansteckend sind, wenn sie Symptome zeigen – anders als etwa bei der Grippe, bei der Menschen schon ansteckend sind, bevor sie erkranken. Allerdings vermuten die Experten bei dem Fall des Infizierten im Kreis Landsberg nun, dass er sich bei einer Chinesin angesteckt hat, die noch keine Symptome zeigte.

Experten des Robert Koch Instituts gehen derzeit davon aus, dass die Inkubationszeit des neuen Coronavirus, also die Zeit zwischen einer Infektion und dem Ausbruch der Krankheit, zwischen zwei und 14 Tagen beträgt. Dann zeigen die Infizierten Symptome wie Fieber, trockenen Husten und Atemnot. Schnupfen haben sie nicht, da die Krankheit die unteren Atemwege angreift. Bei etwa einem Viertel der Infizierten verläuft die Krankheit laut WHO schwer.

Unklar ist, wie gefährlich das Virus für Erkrankte ist

Schwer abzuschätzen ist auch, wie aggressiv das Virus ist. Es sind bereits mehr als 100 Todesfälle in Zusammenhang mit dem Virus bekannt. Bei 4500 Infizierten entspräche das einer Sterberate von rund zwei Prozent. Weil aber am Anfang eines Ausbruchs vor allem die schweren Fälle bekannt werden, dürfte diese Zahl laut Experten täuschen.

Eine Sterberate um drei Prozent wäre nach Ansicht Drostens sehr viel. Der Experte geht davon aus, dass auch die für Sars gewöhnlich angegebenen zehn Prozent ein viel zu hoher Wert sind. "Vermutlich gab es damals viel mehr als die bekannten 8000 Sars-Fälle", erläutert er. (AZ mit dpa)

Weitere Informationen zum Coronavirus finden Sie hier:

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