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Ex-Tennisstar
25.06.2018

Diplomatenpass-Posse: Was hat Boris Becker nur vor?

Die Zentralafrikanische Republik ist eines der ärmsten Länder der Welt.
Foto: Jürgen Bätz, dpa

Der Ex-Tennisstar behauptet weiter, ein Diplomat der Zentralafrikanischen Republik zu sein, was deren Regierung dementiert. Wie diese nun vorgeht.

Die Anschuldigung, er habe mit einem falschen Diplomatenstatus ein britisches Gericht um diplomatische Immunität gebeten, versuchte Boris Becker zuletzt ins Lächerliche zu ziehen. Seit ein paar Tagen verbreitet der ehemalige Tennisstar gastweise Tweets für den Twitter-Account des Wochenblatts Die Zeit. Dort verkündete er am Samstag nach dem späten Siegtor von Toni Kroos beim WM-Spiel von Deutschland gegen Schweden: „Wir müssen @Kroos dringend einen Diplomatenpass geben.“

Boris Becker-Insolvenz: 3,9 Millionen Euro Schulden anerkannt

Man kann davon ausgehen, dass der 50-Jährigen weit weniger zu Späßen aufgelegt ist, als er vorgibt. Denn die Hoffnung auf diplomatische Immunität bei seinem Insolvenzverfahren in London muss Becker wohl in jedem Fall begraben. Becker hat bislang 3,9 Millionen Euro Schulden anerkannt und nach eigenen Angaben Vermögenswerte in Höhe von rund 5,1 Millionen Euro hinterlegt. Tatsächlich gibt es Forderungen in vielfacher Höhe gegen ihn. Wie viele davon letztlich in das Verfahren einfließen werden, ist noch unklar.

Am vergangenen Donnerstag wäre das Insolvenzverfahren automatisch ausgelaufen, was Becker zum schuldenfreien Mann gemacht hätte – pünktlich zum bald beginnenden Londoner Wimbledon-Turnier, das der Deutsche dreimal gewonnen hat. Er ist als Kommentator für die renommierte BBC eingeplant.

Die Insolvenzverwalter beantragten aber eine Verlängerung, weil Becker nicht ausreichend kooperiert habe. Die Anwälte des Tennisspielers hatten dagegen unter anderem mit Beckers angeblichem Posten als „Kultur-Attaché“ bei der Botschaft der Zentralafrikanischen Republik in Brüssel argumentiert.

Am vergangenen Montag sagte der Außenminister der Zentralafrikanischen Republik, Charles-Armel Doubane, gegenüber der Welt: „Boris Becker ist kein offizieller Diplomat der Zentralafrikanischen Republik.“ Die notwendigen Dokumente seien nie ausgestellt worden, er habe sie nie unterzeichnet. Den angeblichen Diplomatenpass Beckers bezeichnete sein Ministerium als Fälschung, die wahrscheinlich auf einem gestohlenen Formular basiere. Auch der Präsident ließ mitteilen, er habe Becker, anders als von dem behauptet, nie ernannt. Ja, man habe sich im April in Brüssel getroffen, ein gemeinsames Foto gemacht. Mehr nicht.

Selbst wenn Becker wider Erwarten beweisen könnte, tatsächlich – wie von ihm unverdrossen behauptet – Diplomat des Landes zu sein, würde das Land seine diplomatische Immunität vor Gericht wohl verhindern, falls es wie erforderlich von der britischen Regierung darum gebeten würde. Generell müsse die vor Gericht verhandelte Anschuldigung „mit der diplomatischen Tätigkeit in Verbindung stehen“, teilte der Informationsminister der Zentralafrikanischen Republik mit. Er ließ dabei durchklingen, dass man Beckers über viele Jahre angesammelten Schulden nicht dazu zähle. Becker hatte sein Engagement erst vor zwei Monaten verkündet und hat die Zentralafrikanische Republik nie besucht. Man ist versucht, die Angelegenheit als eine weitere Kuriosität Beckers zu verbuchen, der manchmal auch nach seiner Karriere als Tennisspieler regelrecht davon zu zehren schien, das Volk an seinem Leben teilhaben zu lassen. Als zu belächelnde Posse. Boris Beckers Triumphe sind so tief im Bewusstsein der Nation verankert, dass seine Fiaskos am Ende doch noch immer verblassten.

Boris Becker wirkt wie der ewig 17-jährige Leimener

Doch auch der ewig 17-jährige Leimener scheint zu spüren, dass die Tragweite diesmal größer sein könnte. Bei einem Interview mit der BBC am Freitag war Becker die Nervosität deutlich anzumerken. „Ich bin gerne bereit, sehr bald nach Bangui zu reisen, um mit den Leuten persönlich darüber zu sprechen, wie wir weiter vorgehen und die Missverständnisse lösen können“, sagte er.

Doch in dem nach Angaben der Vereinten Nationen ärmsten Land der Welt sind sie sich der katastrophalen Außenwirkung der Ereignisse bewusst. Mit dem entstandenen Anschein einer Bananenrepublik, die Stars des Westens mit Diplomatenpässen aushilft, lassen sich nur schwer dringend nötige Investoren anlocken. Die Zentralafrikanische Republik erholt sich nur mühsam von einem Bürgerkrieg. Der hatte zwar in den Jahren 2012 bis 2014 seinen Höhepunkt, konnte aber nie ganz beendet werden. Die Preise für Lebensmittelpreise und Benzin steigen derzeit rasant.

Bei derartigen Rahmenbedingungen ist eine knapp 8000 Kilometer entfernte Auslandsvertretung anfällig für, um es gelinde zu formulieren, Protokollabweichungen. Die Untersuchungen laufen deshalb in Richtung der Brüsseler Botschaft, wo sich niemand mehr öffentlich zum Thema äußern darf. Aber auch Mitarbeiter des Außenministeriums in der Hauptstadt Bangui werden verdächtigt. Das bindet wichtige Ressourcen. Die aktuelle Administration muss die Angelegenheit schnell aufklären, wenn sie die Aufmerksamkeit wieder auf seine wirklichen Krisen lenken will. Es gibt immer wieder neue Kämpfe, erhebliche Teile der Bevölkerung sind von unsicherer Nahrungsmittelversorgung betroffen. Die Regierung hätte wahrlich bedeutendere Aufgaben, als sich mit einem verschuldeten Tennisstar aus dem Westen auseinanderzusetzen.

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