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Zu Bushidos Hasssong

16.07.2013

Experte über Bushido: "War zu erwarten, dass er noch drastischer wird"

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"Stress ohne Grund" heißt das Lied, das die Medien momentan eingehend diskutieren. Auch ein Experte der Popakademie Mannheim hat sich mit dem Wirbel um Bushidos Song beschäftigt.

Bushidos umstrittenes Lied "Stress ohne Grund" ist aus Sicht eines Experten der Popakademie in Mannheim eine Reaktion des Rappers auf kritische Medienberichterstattung über ihn. Es wäre unrealistisch gewesen, dass Bushido einlenke und Fehler eingestehe, sagte Medienwissenschaftler Marcus S. Kleiner im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Der Song enthält Tötungs- und Gewaltfantasien sowie schwulenfeindliche Parolen.

Ist Bushidos Song "Stress ohne Grund" Ihrer Ansicht nach besonders hart oder für einen Raptext normal?

Kleiner: Bushido ist sehr stilsicher im Genre des Gangsterraps. Der Gangsterrap ist eine Musikart, die auf gewaltverherrlichende Texte setzt. Er ist mitunter sexistisch und rassistisch, setzt also auf eine Ästhetik der Härte. Insofern ist der Song erstmal rein musikalisch betrachtet nicht außergewöhnlich. Er wird außergewöhnlich, weil er reale politische Akteure, reale Personen des Zeitgeschehens adressiert. Daraus gewinnt er natürlich eine Dynamik, durch die versucht wird, mehr zu sein als nur Musik und direkt ins Gesellschaftsgeschehen einzugreifen.

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Sie kennen sich aus mit Bushido und seinem Werk - wie ist der Song einzuordnen?

Kleiner: Der Song ist eine von zwei möglichen Reaktionen von Bushido auf die Berichterstattung der letzten Monate. Er hätte einlenken und sagen können: "Okay, ich habe Fehler gemacht, ich möchte mich dafür entschuldigen, ich lege jetzt alles offen, was mir zur Last gelegt wird und beziehe Stellung". Das wäre der eine Weg gewesen. Der ist aber sehr unrealistisch, wenn man sich mit Bushidos Künstlerbiografie auseinandersetzt: Es war zu erwarten, dass er noch drastischer wird, dass er noch härter wird in seinen Liedern, in seinen öffentlichen Auftritten. Und das zeigt dieser Song mustergültig, dass er die Ästhetik und den Weg der Drastik und der Härte gewählt hat.

Wer ist eigentlich der typische Raphörer?

Kleiner: Es gibt keine klare Zielgruppe für Rapmusik. Jugendliche aus allen Schichten können Rapmusik hören und sich mit Rapmusik identifizieren - also sagen, dass Rapmusik ihnen etwas über ihr Leben, über ihre Zeitsituation sagt und ihnen hilft, Leben zu bewältigen und selbst eine Identität zu finden.

Und wie ernst nehmen die Rap-Hörer die Botschaften aus Songs wie Bushidos "Stress ohne Grund"?

Kleiner: Das ist sehr unterschiedlich und hängt davon ab, wie stark die Zielgruppe sich mit dem identifiziert, worum es in der Musik geht. Also ob man das wirklich für Realität nimmt oder aber genug Distanz entwickeln kann zu dieser Musik. Es hängt davon ab, wie sehr man die Musik direkt in seine Lebenswelt übersetzt. dpa

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