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Waffen

25.11.2012

Experten warnen vor Risiko von Deko-Waffen

Nicht selten findet die Polizei bei ihren Razzien auch sogenannte Dekorationswaffen, die wieder schussfähig gemacht wurden. Foto: Marcel Mettelsiefen dpa

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter warnt vor dem Risiko importierter Dekowaffen. Schusswaffen zu Dekorationszwecken, die reaktiviert werden könnten, würden auch von ausländischen Händlern im Internet angeboten.

"Die deutschen Standards für Dekowaffen sind schon ausreichend", sagte der Berliner BDK-Chef, Michael Böhl. "Was nützen diese aber, wenn die in den Nachbarstaaten eventuell deutlich laxer sind?" Was fehle, seien europaweit einheitliche Richtlinien für solche Waffen.

Dekorationswaffen sind Waffen, die eigentlich nicht schussfähig sein sollten. Manchmal können sie aber so verändert werden, dass sie doch wieder einsatzbereit sind.

Die Berliner Polizei beispielsweise findet bei Razzien immer wieder Dekorationswaffen. Dabei handele es sich zumeist um illegale Waffen, die nicht ordnungsgemäß unbrauchbar gemacht worden seien, teilte die Polizei auf dpa-Anfrage mit. Solche "reaktivierten Dekowaffen" seien aber nicht bei Straftaten eingesetzt worden - zumindest nach bisherigen Erkenntnissen. Genaue Zahlen über die vereinzelten Funde lägen nicht vor.

Vergleichbare Funde gibt es in anderen Bundesländern. Das niedersächsische Landeskriminalamt nennt "Einzelfälle, in denen Experten solche Waffen wieder schussfähig gemacht" hätten. Und die Hamburger Polizei bestätigte gar, dass eine reaktivierte Waffe schon bei mindestens einer Straftat eingesetzt worden sei.

Vor dem Hintergrund der Mordserie des Terrortrios NSU erscheint brisant, dass die Sicherheitsbehörden solche Waffen auch im rechtsextremen Milieu finden. "In Einzelfällen konnten derartige Funde auch Personen der rechten Szene zugeordnet werden", sagte der Sprecher der Berliner Polizei, Volker-Alexander Tönnies. Zum Einsatz seien diese Waffen nicht gekommen.

Dekowaffen sind in Fachgeschäften und im Internet erhältlich. Oft handelt es sich dabei um harmlose Nachbauten. Aber auch echte, schussunfähig gemachte Kriegswaffen können im Netz legal für dreistellige Beträge erworben werden - von jedem.

Theoretisch könnten diese auch wieder funktionstüchtig gemacht werden - entscheidend ist hier, wie gründlich entscheidende Stellen verschweißt oder abgefräst sind. "Die Behauptung, dass Dekowaffen einfach wieder scharf gemacht werden können, entspricht nicht den Tatsachen", heißt es bei der Hauptstadtpolizei. Experten widersprechen und machen dies vom Anbietern abhängig. Echte Schusswaffen müssen für Dekorationszwecke laut Gesetz an bestimmten Stellen zerstört werden, wie der Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler (VDB), Wolfgang Fuchs, der Nachrichtenagentur dpa sagte. "Unsere Mitglieder lassen das dann vor dem Verkauf bei den zuständigen Beschussämtern überprüfen."

Im privaten Sektor gebe es aber auch schwarze Schafe, die sich an die Richtlinien nur unzureichend hielten. "Wenn eine Waffe nicht ordentlich unbrauchbar gemacht ist, kann ich das mit einigen kundigen Handgriffen leicht wieder rückgängig machen", meinte Fuchs. (dpa)

Waffengesetz zu Dekorationswaffen (Absch. 1.4

VDB

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