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Fall Marco
29.06.2007

Strafkammer verhängt Nachrichtensperre

Marco sitzt in einem türkischen Gefängnis
Foto: DPA

Keine Entspannung im Fall Marco: DieFamilie des britischen Mädchens, das der 17-Jährige während einesTürkeiurlaubs sexuell missbraucht haben soll, will nicht mit den Elterndes jungen Mannes sprechen. EinStrafkammer im türkischen Antalya verfügte am Donnerstag eineNachrichtensperre für das Gerichtsverfahren gegen den Schüler.

Istanbul/Manchester (dpa) - Keine Entspannung im Fall Marco: DieFamilie des britischen Mädchens, das der 17-Jährige während einesTürkeiurlaubs sexuell missbraucht haben soll, will nicht mit den Elterndes jungen Mannes sprechen.

Die Eltern der 13-Jährigen sagtenam Donnerstag der Hörfunkagentur dpa/Rufa, sie vertrauten auf dietürkische Justiz und sähen keine Veranlassung, mit der Familie desJungen im niedersächsischen Uelzen Kontakt aufzunehmen. Opfer sei nichtder 17-jährige Deutsche, sondern das 13 Jahre alte Kind.

EinStrafkammer im türkischen Antalya verfügte am Donnerstag eineNachrichtensperre für das Gerichtsverfahren gegen den Schüler. DasVerbot gelte auch für die deutschen Kamerateams, die seit Tagen vor demGefängnis live berichteten, sagte Generalstaatsanwalt Osman Vuralogluder türkischen Nachrichtenagentur Anadolu. Vuraloglu hatte denVerbotsantrag bei Gericht gestellt. Er begründete den Schritt damit,dass die Rechte von Minderjährigen geschützt werden müssten.

DieFamilie Marcos meldete sich am Donnerstagabend über ihren RechtsanwaltJürgen Schmidt zu Wort: "Die Familie zählt auf eine faire Lösung derunglücklichen Situation und hat Respekt und Vertrauen in die türkischeJustiz", hieß es in einer Faxmitteilung. Die Familie danke für dieAnteilnahme am Schicksal des 17-Jährigen, wolle aber vorerst keinerleiweitere Stellungnahme abgeben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel(CDU) riet zu "Behutsamkeit und Ruhe". "Es ist ja bekannt, dass wir aufallen Ebenen, die notwendig sind, mit den türkischen Behörden inKontakt sind", sagte Merkel am Donnerstag in Berlin. Das Auswärtige Amttue dies in ganz hervorragender Weise. "Unser ganzes Ziel sollte sein,dem Jungen zu helfen, so gut das möglich ist."

Die Jugendlichenhatten sich in der Disco kennen gelernt. Danach war Marco imHotelzimmer der jungen Engländerin gelandet. Während er von gemeinsamenZärtlichkeiten spricht, wirft sie ihm sexuelle Belästigung vor. Nacheiner Anzeige der britischen Eltern sitzt Marco seit April in Antalyain Untersuchungshaft.

Die britische Familie hat inzwischen diePolizei eingeschaltet, um das Mädchen auch auf dem Schulweg vorReportern zu schützen. "Das Haus steht unter Polizeischutz", sagte eineSprecherin der Polizei in Manchester. Die Familie habe die Polizeikontaktiert, weil sie von den Medien belagert werde. "Es gabBelästigungen vor allem von der deutschen Presse." Bisher habe der Fallin Großbritannien keine große Aufmerksamkeit erregt. Zu der Haft desdeutschen Jungen in der Türkei sagte die Sprecherin lediglich: "DasMädchen hat britischen Rechtsschutz, und es soll sexuell belästigtworden sein."

Der Sprecher der britischen Familie, ShaunRobinson, sagte dem Fernsehsender RTL: "Was ich Ihnen vor der Kamerasagen kann, ist, das Erlebnis in der Türkei war grauenhaft. Die Familiewünscht, jetzt in Ruhe gelassen zu werden, um die Tortur verarbeiten zukönnen." Nach dem Urteil werde sich die Familie dann selbst äußern.

DieStaatsanwaltschaft hatte die Berichterstattung deutscher Medien und dieAnwesenheit der Kamerateams vor dem Gefängnis als "versuchteBeeinflussung" der türkischen Justiz heftig kritisiert. Als"Taktlosigkeit" bezeichnete Vuraloglu nach Angaben türkischer Medienzudem den Anruf von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD),in dem sich dieser bei seinem türkischen Kollegen Abdullah Gül um eineFreilassung des Schülers bemüht hatte.

Auch die SPD sprach sichfür eine rasche Heimkehr von Marco aus. Der innenpolitische Sprecherder SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz sagte der BerlinerTageszeitung "B.Z." (Freitag): "Es ist richtig, dass sich deutscheStaatsorgane um deutsche Staatsbürger kümmern. Es geht nicht um eineBeurteilung vorab, sondern darum, den Fall vorurteilsfrei nachDeutschland zu holen." Der außenpolitische Sprecher derUnions-Bundestagsfraktion, Eckard von Klaeden (CDU), warnte vorpolitischem Druck auf die türkische Justiz. "Öffentlicher Druck aufStaatsanwälte und auf Richter führt nur dazu, dass die den Eindruckgewinnen, ihre Unabhängigkeit wird in Frage gestellt", sagte VonKlaeden dem Fernsehsender N24.

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