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Rock’n’Roll

26.10.2017

Fats Domino ist tot - Über den Rocker am Klavier

Fats Domino 1993 beim Jazz Festival in Montreux (Schweiz) auf. Jetzt ist einer der letzten großen Rock‘n‘Roller in den Musikhimmel aufgefahren.
Bild: Patrick Kovarik, afp

Sein „Blueberry Hill“ kennt fast jeder. Der legendäre Fats Domino machte den Rhythm & Blues aus New Orleans hitparadentauglich. Jetzt ist er mit 89 Jahren gestorben.

Natürlich war er bei weitem nicht so sexy wie Elvis Presley oder Eddie Cochran. Was nicht nur daran lag, dass Rock‘n‘Roller mit Gitarre in der Hand besser rüberkamen, sondern auch an der Fähigkeit, die Hüften kreisen zu lassen. Für solche körperlichen Effekte war Antoine Domino, „Fats“ genannt, einfach zu übergewichtig.

Er behalf sich damit, dass er mit seinem Bauch das Klavier in Bewegung setzen konnte. Seiner Beliebtheit taten die Pfunde keinen Abbruch. Rund 65 Millionen verkaufter Platten sprechen eine klare Sprache. Mit Fug und Recht lässt sich behaupten, dass mit Fats Domino der vielleicht letzte der großen Rock‘n‘Roller in den Musikhimmel aufgefahren ist. Wobei der Dicke aus New Orleans mit der typischen Brikettfrisur stilistisch mit vielen Genres flirtete.

Fats Domino, der Rock’n’Roller

Es sind Klassiker, die er zum Teil mit seinem Co-Autor und Produzent Dave Bartholomew verfasst hat: etwa das lässige „Blueberry Hill“, das noch in den 70er Jahren in die Musikbox jeder Pilskneipe gehörte. Zu seinen beliebtesten Songs zählen „I‘m Walking“, „Ain‘t That a Shame“ und „Jambalaya“. Witzigerweise hieß sein erster großer Hit „The Fat Man“. Bis es soweit war, erforschte der Pianist und Sänger die musikalische Tradition, die seine Heimat auszeichnet. In den Rhythm & Blues des Südens mischten sich die Klänge der schwarzen und kreolischen Straßenmusiker, der Jazz der 40er Jahre, Delta-Blues und die Cajun-Musik mit dem Bayou-Sound aus der Nachbarschaft. Das hörte sich großartig an, verfing aber nicht zwangsläufig bei den Hörern von Hitparaden.

Das änderte sich, als der Dicke am Klavier seine Nummern gefälliger strickte und ein Saxophon einsetzte, das dem Publikum ein wohliges Schaudern über den Rücken jagte. Seine Fans blieben ihm treu, selbst als Bands wie die Beatles oder die Rolling Stones die Rockmusik aufmischten. Vor allem in Deutschland blieb Domino ein kleiner König. Wie viele Garten-Partys beschallten zur Bowle die um 1940 herum Geborenen mit dem Fats-Repertoire. „Ain‘t That a Shame“ witzelte die Hippie-Jugend. Nein, es war keine Schande, Fats Domino irgendwie gut zu finden.

2007 präsentierte er sein Doppelalbum „Going Home: A Tribute to Fats Domino“. 
Bild: Paul J. Richards, afp

Selbst der Rapper LL Cool J erwies ihm via Twitter seine Reverenz: „Er hat den Weg für so viele geebnet.“ Er könne sich noch erinnern, wie er als kleiner Junge seine Musik gehört habe. 1986 wurde Fats Domino in die Rock‘n‘Roll Hall of Fame aufgenommen. Acht Kinder zogen er und seine langjährige Ehefrau Rosemary, die 2008 starb, auf.

Finanziell lief es nicht immer gut für Fats Domino

Finanziell agierte der Musiker, dessen Songs von zahlreichen Bands gecovert wurden, nicht immer glücklich. So musste er seine Glücksspiel-Verluste von über einer Million Dollar im Flamingo-Hotel in Las Vegas abarbeiten. Für immer bleibt sein Name mit seiner Heimatstadt verbunden. Als Hurrikan „Katrina“ 2005 über New Orleans wütete, verlor Domino seine Klaviere und zahlreiche Erinnerungsstücke. Der Musiker musste mit einem Boot aus seinem überfluteten Haus gerettet werden. „Katrina“ war für ihn der Anstoß, Benefizkonzerte für sein geliebtes New Orleans zu geben. Nun trauert die Stadt um ihren wohl berühmtesten Sohn.

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Die Diskussion ist geschlossen.

26.10.2017

Tja - es wird wieder mal eine Lücke hinterlassen die z.Zt. niemand füllen kann. Ähnlich wie bei Chuck Berry.

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26.10.2017

Da gebe ich Ihnen gerne einmal uneingeschränkt recht. Habe vor vielen Jahren Fats Domino mit meiner Familie live erlebt und wir erinnern uns immer wieder daran.

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27.10.2017

Ja - er war, wenn ich mich recht erinnere mal in Augsburg. Tja, wenn Legenden schon mal in unsere Gegend kommen, ist es fast ein Muß dort hin zu gehen. Etliche habe ich versäumt. Ich bin froh z.B. Joe Cocker noch erlebt zu haben

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