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Fernsehen
06.06.2021

Schon wieder Sommerpause: So war das bisherige Fernseh-Jahr

Die letzte Ausgabe von Oliver Welkes „heute-show“ vor der Sommerpause lief am Freitagabend.
Foto: ZDF/Sascha Baumann, dpa

„heute-show“, „Tatort“ oder Polit-Talks machen Sommerpause. Das sorgt für reichlich Unmut. Über Aufreger und die Tiefpunkte der vergangenen Fernseh-Saison.

Nach und nach verabschieden sich jetzt Moderatoren und TV-Formate in die Sommerpause. Günther Jauchs „Wer wird Millionär?“ auf RTL ist nach dem Jubiläum zur 1500. Ausgabe erst mal weg, die „heute-show“ im ZDF seit Freitag auch. „Wir sehen uns wieder am 10. September“, sagte Oliver Welke. „Bis dahin: Kommen Sie gut und negativ durch den Sommer!“ Und bei den ARD-Sonntagskrimis heißt es: Wiederholungen statt Erstausstrahlungen. Der letzte „Tatort“ lief bereits, am 20. Juni kommt dann noch ein neuer Münchner „Polizeiruf 110“ – der aber das Einschalten lohnt. Immerhin.

Auch die öffentlich-rechtlichen Polit-Talks pausieren. Am Sonntagabend war noch einmal „Anne Will“ dran. In die Pause folgen ihr „maischberger. die woche“ am Mittwoch und später der Montagstalk „Hart aber fair“. „maybrit illner“ hat dagegen erst ab 15. Juli Verschnaufpause, „Markus Lanz“ sogar nur zwei Wochen im August. Zumindest Fußballfreunde bekommen in den nächsten Wochen Ersatz, dank der Fußball-EM.

Die Sommerpause der öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern ist seit Jahrzehnten ein Politikum

Dass sich alle Jahre wieder im beitragsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Fernsehen eine Sommerflaute einstellt, ist alle Jahre wieder ein Politikum. Seit Jahrzehnten. Ebenso lange verteidigen sich die Sender und weisen darauf hin, dass sie ja auch in der angeblichen Saure-Gurken-Zeit einiges zu bieten haben – inzwischen vor allem in ihren Mediatheken. Die Argumentation für die Sommerpause ist dabei weitgehend gleich geblieben: Man müsse sparen. Und: Wenn es draußen schön sei, wirke sich das auf die Fernsehnutzung aus. Mehr Sonne, weniger Zuschauer.

Die Gleichung will aber einfach nicht aufgehen. Zahlt nicht jeder Haushalt monatlich schon genug Geld, und das unfreiwillig?, lautet das Gegenargument. Vor ein paar Jahren kommentierte der Berliner Tagesspiegel treffend: „Zeitungen und Zeitschriften kommen doch auch nicht auf die Idee, im Sommer alte Artikel nachzudrucken, weil viele Leser verreist sind.“ Das ist von bleibender Richtigkeit.

Das Programm soll besser werden - die Anstalten aber gleichzeitig mehr sparen

Es ist gleichwohl ein Teufelskreis: Auf der einen Seite werden die Öffentlich-Rechtlichen zu Recht dazu angehalten zu sparen. Im Programm soll sich das jedoch nicht bemerkbar machen. Im Gegenteil: Das soll besser werden! Weniger Wiederholungen, mehr Hochwertiges... Von einer Lösung für dieses Problem sind ARD und ZDF weit entfernt.

Momentan eher auf Twitter als im Fernsehen präsent: Jan Böhmermann.
Foto: Matthias Balk, dpa

Aber auch die TV-Sommerpause ist nicht mehr das, was sie mal war. Beispiel Jan Böhmermann. Dessen „ZDF Magazin Royale“ ist seit Mai weg vom Bildschirm, bis September. Das würde jedem Arbeitnehmer gefallen. Weg ist der ZDF-Satiriker und Polarisierer mitnichten. Böhmermann twittert mehr denn je. Schöne neue Medienwelt! Wer nicht nur analoge Medien konsumiert, entkommt ihm kaum. Dabei wäre etwas mehr Ruhe bisweilen gar nicht verkehrt – angesichts einer zunehmenden Politisierung aller Lebensbereiche in den vergangenen Jahren. Hass und Zwietracht, Fake News und Verwunderliches auf allen Kanälen. Twitter an – und am besten gleich wieder aus.

Das waren die Aufreger des Fernsehjahres

Was das Fernsehen im weiteren Sinne angeht: Dessen Höhepunkte wurden zuletzt von Tiefpunkten überschattet. Hier nur drei. Aufreger eins: Zahlreiche Publikumslieblinge vergriffen sich – aus Sicht vieler – im Ton und lösten Debatten aus. Etwa im April über die staatlichen Corona-Maßnahmen.

Unter dem Stichwort #allesdichtmachen wollten Stars wie Ulrike Folkerts, Heike Makatsch, Meret Becker und allen voran Jan Josef Liefers mit satirischen Mitteln auf Unwuchten und Ungerechtigkeiten aufmerksam machen. Aufmerksamkeit erhielten sie – mehr als ihnen lieb war. Und Deutschland diskutierte wieder einmal über die Grenzen der Satire, das Recht auf Meinungsfreiheit und darüber, ob die #allesdichtmachen-Schauspieler nicht Verschwörungsgläubigen, „Querdenkern“ und Rechtsextremen in die Hände gespielt hätten.

Aufreger zwei: Zuvor bereits war es um das Noch-oder-nicht-mehr-Sagbare gegangen. Ende Januar hatte der WDR eine Folge des Talks „Die letzte Instanz“ wiederholt. Bei Steffen Hallaschka redeten Thomas Gottschalk, Janine Kunze, Micky Beisenherz und Jürgen Milski über die Frage: „Das Ende der Zigeunersauce: Ist das ein notwendiger Schritt?“ Da war es, das „Z-Wort“. Und das „N-Wort“ – und es setzte eine hysterische öffentliche Debatte ein. Der WDR räumte schließlich Fehler ein, Moderator und Talkgäste baten um Entschuldigung. Im März sendete er einen Themenschwerpunkt zu Rassismus. Der interessierte dann nur noch wenige.

Aufreger drei: Sat.1 musste bei seinen Reality-Formaten aufräumen. So wurde kürzlich „Plötzlich arm, plötzlich reich“ abgesetzt, nachdem Kandidat Matthias Distel – bekannt als Schlagersänger Ikke Hüftgold – die Produktion kritisiert hatte. Auch „Promis unter Palmen“ verschwand. Das Trash-TV hatte sich von seiner widerwärtigsten und menschenfeindlichsten Seite gezeigt. In „Plötzlich arm, plötzlich reich“ tauschten zwei Familien Wohnung und Alltag. Im Falle Distels hatten Kinder, die sein Promileben kennenlernen sollten, aber offensichtlich schwere psychische Probleme. Er sprach von einer „gewissenlosen Quotenjagd“. (mit dpa)

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