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Absturz

25.01.2018

Flugunglück mit vier Toten: Ermittlungen am Absturzort abgeschlossen

Bei Philippsburg in Baden-Württemberg sind ein Kleinflugzeug und ein Hubschrauber in der Luft zusammengestoßen. Dabei sind vier Menschen ums Leben gekommen.
Bild: Rene Priebe, dpa

Beim Zusammenstoß eines Helikopters mit einem Flugzeug sind bei Karlsruhe vier Menschen gestorben, zwei kamen aus Bayern. Die Ermittlungen an der Absturzstelle sind abgeschlossen.

Unter den vier Menschen, die bei der Kollision eines Sportflugzeuges und eines Rettungshubschraubers in Baden-Württemberg ums Leben kamen, befinden sich auch zwei Bayern. Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, stammen der 46-jährige Pilot und der 27 Jahre alte Co-Pilot des Hubschraubers aus dem Freistaat. Das Kleinflugzeug war besetzt mit einem 61-jährigen Piloten und seinem 48-jährigen Flugschüler aus der Schweiz. Die Ermittlungsarbeiten vor Ort sind nun abgeschlossen. Die Unfallstelle sei wieder freigegeben worden, sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstagmorgen. "Alles, was gesucht wurde, ist auch gefunden worden."

Die Unglücksursache sei weiter unklar, sagte die Sprecherin. Bis ein Ergebnis vorliege, könne es aber unter Umständen Monate dauern, sagte sie. Die Unfallstelle wurde am Mittwochabend gegen 23.00 Uhr wieder freigegeben.

Flugzeugunglück: Gibt es doch eine Blackbox?

Während bisherigen Erkenntnissen von Polizei und Staatsanwaltschaft zufolge keine Blackboxen in den Maschinen waren, geht die Deutsche Luftrettung (DRF), zu der der verunglückte Hubschrauber gehört hatte, davon aus, dass sich in dem Rettungshubschrauber ein Flugdatenschreiber befand. Auch nach Auskunft der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) ist dies durchaus möglich. Experten des Hubschrauberherstellers sollen das vor Ort klären, sagte ein BFU-Sprecher.

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Beide Insassen des Helikopters seien sehr erfahrene, voll ausgebildete und lizenzierte Berufs-Hubschrauberpiloten gewesen, betonte die DRF-Sprecherin. Die beiden hätten sich auf einem Trainingsflug befunden. Der 27-Jährige wurde dabei von dem 46-Jährigen in den Umgang mit diesem Hubschraubertyp eingewiesen. Für jeden Typ Hubschrauber müsse eine Berechtigung erworben werden. 

Experten suchen nach der Unfallursache

Zur Unfallursache ist noch nichts bekannt. "Auffällig ist, dass der Hubschrauber völlig ausbrannte, das Flugzeug aber nicht", sagte der BFU-Sprecher. Welche Schlüsse daraus zu ziehen seien, könne man noch nicht sagen. Drei Experten der Bundesstelle seien vor Ort. "Wir sammeln jeden Hinweis." Details könnten noch nicht mitgeteilt werden.

Trümmerteile lagen im Bereich mehrerer hundert Quadratmeter verstreut, auch im nahegelegenen Erlichsee und anderen Gewässern wurde nach Wrackteilen gesucht. Die Rumpfteile der beiden Maschinen lagen etwa 100 Meter voneinander entfernt. Das Höhenruder sowie eine Tragfläche des Sportflugzeuges wurden nach Polizeiangaben bisher nicht entdeckt. 

Polizeieinsatzleiter Gerhard Heck berichtete am Dienstag von einer Zeugenaussage, nach der das Flugzeug vom Typ Piper unmittelbar vor dem Zusammenstoß aus der Wolkendecke gekommen war. Der Hubschrauber habe sich auf einem Trainingsflug befunden, das Kleinflugzeug stamme von einer Flugschule in Basel und sei auf dem Weg nach Speyer gewesen, berichtete die Polizei.

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig schickte nach Angaben eines Sprechers drei Experten zum Unglücksort, die sofort mit Untersuchungen beginnen sollten.  In der Regel blieben die Fachleute drei bis fünf Tage vor Ort, erklärte der BFU-Sprecher. Zunächst müsse die Unglücksstelle kartiert werden. Alle Wrackteile werden mit ihrem Fundort verzeichnet. Erst nach sechs bis acht Wochen gebe es einen ersten Zwischenbericht,  erst nach etwa einem Jahr einen Abschlussbericht.

Großaufgebot von Polizei und Rettungskräften im Einsatz

Insgesamt waren fast 250 Beamte und Helfer im Einsatz, darunter 120 Polizisten und 52 Feuerwehrleute. Auch 20 Notfallseelsorger eilten zur Unglücksstelle, um die Einsatzkräfte während und nach dem belastenden Einsatz zu betreuen.

Im Einsatz waren auch zwei Polizeihubschrauber und ein Boot. Im See und drumherum wurde nach Wrackteilen gesucht. Die Feuerwehr war noch Stunden nach dem Unglück damit beschäftigt, die rauchenden Wrackteile zu löschen.

Alleine elf Fahrzeuge kümmerten sich um den Nachschub mit Löschwasser, sagte der Sprecher der Kreisfeuerwehr, Edgar Geißler. "Es ist ein schreckliches Ereignis, man kann das noch gar nicht einschätzen", sagte der Bürgermeister der Gemeinde Oberhausen-Rheinhausen, Martin Büchner.

Der Helikopter befand sich auf einem Trainingsflug

Zunächst war unklar, ob die Maschinen in der Luft über bewohntem oder unbewohntem Gebiet zusammenstießen. Nach Angaben der DRF, zu der der Hubschrauber gehörte, war der Helikopter auf einem Trainingsflug und vom Baden-Airpark aus gestartet.

Dorthin hätte er nach dem Trainingsflug eigentlich auch zurückkehren sollen. "Die DRF Luftrettung ist durch den tragischen Unfall zutiefst betroffen und trauert um die Verstorbenen", hieß es von dort.

Die Gemeinde, in deren Nähe die beiden Maschinen abstürzten, liegt im Nordwesten des Landeskreises und befindet sich etwa 97 bis 107 Meter über dem Meeresspiegel. Sie steht häufig unter dem Einfluss atlantischer Luftmassen.

Zusammenstöße von Flugzeugen sind äußerst selten

Demnach wehen dort vorwiegend Westwinde. Ob Wetterbedingungen oder schlechte Sicht mit dem Unglück zu tun haben könnten, ist nach Polizeiangaben offen. Philippsburg, das im Norden des Landkreises Karlsruhe liegt, ist als Standort eines Atomkraftwerks bekannt. Die Stadt hat mehr als 13.000 Einwohner.   

Zusammenstöße von Flugzeugen sind äußerst selten. Meist ist bei Unfällen nur ein Flugzeug betroffen. Zu einem der größten Unglücke dieser Art kam es 2002 in der Nähe von Überlingen, als beim Zusammenstoß eines Fracht- und eines Passagierflugzeuges in großer Höhe Dutzende Menschen starben. (dpa/lby/lsw)

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