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Forschung

08.09.2009

Frauen lügen klüger als Männer

Wir Menschen lügen im Durchschnitt 200 Mal am Tag. Aber keine Angst: "Man muss lügen, ohne Lügen können wir nicht leben", sagt Peter Stiegnitz. Von Cordula Sailer

Peter Stiegnitz beschäftigt sich schon seit über 30 Jahren mit der Mentiologie, mit der "Lehre von der Lüge".

Hier und dort mal ein bisschen die Unwahrheit zu sagen, sei durchaus gut und nützlich, allerdings sollte man darauf achten, eine bestimmte moralische Grenze nicht zu überschreiten: "Dort, wo ich mir oder anderen bewusst Schaden zufüge, muss eine große Stopptafel hängen", sagt Peter Stiegnitz.

Aber keine Sorge, gut 98 Prozent der täglichen Flunkereien seien völlig harmlos. Am häufigsten erzählen wir unserem Gegenüber Märchen, weil wir Angst haben, für etwas bestraft zu werden. In etwa 41 Prozent der Fälle versuchen wir uns also mit einer kleinen Lüge Ärger zu ersparen. Außerdem lebt es sich mit einer Notlüge von Zeit zu Zeit auch wesentlich leichter. Wenn uns abends ein Freund anruft und auf ein Bier einladen will, dann sagen wir nicht: "Nein danke, ich habe keine Lust."

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Sondern wir sagen: "Du, tut mir wirklich leid, aber ich muss noch etwas dringendes erledigen." "Mit einer Lüge kann man auch Rücksicht nehmen und andere schützen", erklärt Peter Stiegnitz, "schließlich wollen wir den Freund nicht kränken." Es kann aber noch andere Motive geben: Menschen lügen auch, um weiterhin von anderen geliebt zu werden. Vor allem bei Frauen sei zu beobachten, dass sie aus Angst vor Liebesentzug flunkern.

Das ist aber nicht der einzige Unterschied im "Schwindel-Verhalten" von Männern und Frauen: "Es gibt beim Lügen geschlechtsspezifische Unterschieden, die man beobachten kann", erklärt Peter Stiegnitz. So würden Männer Schweißausbrüche bekommen, den Augenkontakt meiden und häufig ihre Beine übereinander schlagen, wenn sie lügen. "In der Regel zeigen sie auch eine Fluchtreaktion, indem sie nervös auf dem Stuhl hin- und herrutschen und pseudowissenschaftliche Kurzvorträge halten", weiß der Sozialpsychologe.

Frauen verhalten sich ganz anders, wenn sie flunkern: Sie würden erröten und, im Gegensatz zu den Männern, den Blickkontakt bewusst halten. "Das tun sie, weil Frauen im Durchschnitt intelligenter sind, als Männer", sagt Peter Stiegnitz. Außerdem seien sie beim Lügen besonders redselig: von neuen Modetrends könne genauso die Rede sein wie von den Kindern oder der Urlaubsplanung. "Bei Frauen ist ebenfalls eine Fluchtreaktion zu erkennen: sie versuchen vom Thema abzuschweifen."

Zu den spezifischen Verhaltensweisen bei Männlein und Weiblein kommt auch noch ein Unterschied bei der Themenwahl hinzu: "Frauen über 40 lügen am häufigsten, wenn es um ihr Alter oder ihr Gewicht geht. Hier hat die Emanzipationsbewegung nichts genützt. Die Frauen wollen immer schlanker und schöner sein", sagt Sozialpsychologe Stiegnitz.

Außerdem würden sich Frauen in punkto Seitensprünge häufig selbst belügen: Auch wenn das ganze Dorf von der Affäre des Ehemannes wüsste, würden viele Frauen immer noch denken: "So einen herrlichen Menschen wie mich kann man gar nicht betrügen." Am viertliebsten würde die Damenwelt schwindeln, wenn es ums Einkaufen gehe: "Karrierefrauen geben nie zu, wie viel sie für ein Kleidungsstück ausgegeben haben", erklärt Peter Stiegnitz. "Wenn eine Frau ihr eigenes Geld verdient, waren die neuen Schuhe immer ein Sonderangebot."

Bei diesen Themen lügen Männer

Bei Männern würden sich die Lügengeschichten in erster Linie um ihr Auto drehen. Kein Mann würde eingestehen, in Wirklichkeit nichts über die Technik seines Autos zu wissen. Auf Platz zwei landen bei den Herren der Schöpfung Flunkereien über ihren Arbeitsplatz. Kaum ein Mann würde zugeben, nur ein unbedeutendes kleines Zahnrad in seinem Betrieb zu sein. "Männer sind dann immer die Seele und der Motor des Unternehmens", versichert Peter Stiegnitz.

Bei den Themen Sport und Freizeit verdreht "er" auch gerne die Tatsachen. Peter Stiegnitz hat die Männer in seiner Studie über ihre Wochenendaktivitäten befragt. Die meisten gaben an, beim Joggen, beim Fußball- oder Tennisspielen gewesen zu sein. "Wenn ich eine halbe Stunde später ein interessantes Fernsehprogramm vom Wochenende erwähne, dann antworten fast alle: ja, das hab ich auch gesehen." Dann war wohl doch nicht so viel los mit dem Halbmarathon!

Durchschnittlich lügen wir Menschen etwa 200 Mal am Tag; Männer an die 20 Prozent mehr als Frauen. Peter Stiegnitz weiß auch, woran das liegt: "Frauen sind tapferer, sie können die Wirklichkeit besser akzeptieren als Männer." Dass Peter Stiegnitz sich nun schon seit über drei Jahrzehnten mit Flunkereien auseinandersetzt, liegt vielleicht auch an einem persönlichen Erlebnis:

Der gebürtige Ungar wurde 1944 von Deutschen Besatzern festgenommen und in das Konzentrationslager in Budapest gebracht. "Dort haben mich die Nationalsozialisten gefragt, ob ich Jude bin und ich habe "nein" gesagt. Diese Lüge hat mir mein Leben gerettet." Wer noch mehr über die Schwindeleien des Alltags erfahren möchte, kann in Peter Stiegnitz' Buch "Lügen - aber richtig" weiterlesen. Erschienen ist das Buch im Verlag Edition VA bENE.

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