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Berlin

21.11.2019

Fritz von Weizsäcker erstochen: Täter in Psychiatrie gebracht

Polizisten nehmen nach einer Auseinandersetzung, in deren Folge ein Mensch durch Messerstiche getötet wurde, in der privaten Schlosspark-Klinik eine Person fest.
Bild: Paul Zinken, dpa

Fritz von Weizsäcker, Chefarzt in einer Berliner Klinik und der Sohn des ehemaligen Bundespräsidenten, wurde erstochen. Das Motiv soll Rache an der Familie sein.

In einer Berliner Privatklinik ist während eines Vortrags der Referent erstochen worden. Laut einer Polizeisprecherin soll der Dozent des Vortrags, Chefarzt Fritz von Weizsäcker, am Dienstagabend plötzlich von einem Mann angegriffen worden sein. Weizsäcker starb noch vor Ort.

Nach ersten Ermittlungen der Polizei löste sich während des Vortrags plötzlich ein Mann aus der Reihe der Zuhörer. Der bewaffnete Unbekannte stürmte mit einem Messer auf den Dozenten zu. Ein Polizist, der zufällig unter den Zuschauern saß, versuchte noch, den Mann aufzuhalten. Der Beamte in seiner Freizeit wurde dabei selbst schwer verletzt. Er wurde später in ein anderes Krankenhaus gebracht.

57-Jähriger soll Fritz von Weizsäcker erstochen haben

Eine Mordkommission nahm Ermittlungen auf. Experten untersuchten den Tatort. Am Mittwochmorgen gab die Polizei bekannt, dass es sich bei dem Angreifer um einen 57-jährigen Mann handelt, der bisher nicht polizeibekannt gewesen sei. Ein Sprecher der Polizei sagte dem Sender n.tv, der Mann sei kein Patient der Klinik gewesen, in der die Tat geschah.

Die Berliner Polizei bestätigte Medienberichte, wonach der Tatverdächtige aus Rheinland-Pfalz kommt. Der 57-Jährige habe dort seinen festen Wohnsitz und keinen in Berlin, sagte ein Sprecher der Berliner Behörde am Mittwoch auf Anfrage. Der Tatverdächtige sollte noch am Mittwoch in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden. Dies wolle man in Hinblick auf eine "akute psychische Erkrankung" beantragen, teilte die Staatsanwaltschaft Berlin zuvor mit.

Messerattacke auf Fritz von Weizsäcker: Rache an der Familie?

Laut Berichten des Spiegel soll der Angreifer bei der Polizei ausgesagt haben, dass er sich mit der Tat an der Familie Weizsäcker habe rächen wollen. Das Tatmotiv liege in einer "wohl wahnbedingten allgemeinen Abneigung des Beschuldigten" gegen die Familie von Weizsäcker, wie die Ermittler dem Medium bestätigten. Hintergrund soll laut Spiegel die Rolle des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker in den Sechziger Jahren beim Chemiekonzern Boehringer Ingelheim sein.

Der Vorfall ereignete sich am Dienstag gegen 18.50 Uhr in der privaten Schlosspark-Klinik in der Nähe des Charlottenburger Schlosses. Bei dem Opfer handelt es sich um den 59-jährigen Sohn des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, Fritz von Weizsäcker.

Dieses Bild zeigt Fritz von Weizsäcker (2.v.l.) auf der Beerdigung seines Vaters.
Bild: Maurizio Gambarini, dpa (Archiv)

Von Weizsäcker hatte eine lange Karriere als Mediziner hinter sich. Nach Stationen in Freiburg, Boston und Zürich war er seit 2005 Chefarzt der Abteilung Innere Medizin I an der Schlosspark-Klinik. Der Arzt stammt aus einer sehr bekannten Familie. Vater Richard von Weizsäcker (1920-2015) war von 1984 bis 1994 Bundespräsident, zuvor 1981 bis 1984 für die CDU Regierender Bürgermeister von Berlin (West). Seine Mutter ist die frühere deutsche First Lady Marianne von Weizsäcker (87). Fritz von Weizsäcker war das jüngste der vier Kinder. Sein Bruder Andreas starb 2008, es leben noch die Schwester Beatrice (61) und der älteste Bruder Robert Klaus (64).

Am Tag nach der tödlichen Messerattacke sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) der Familie ihr Beileid aus. "Es ist ein entsetzlicher Schlag für die Familie von Weizsäcker, und die Anteilnahme der Bundeskanzlerin, sicher auch der Mitglieder der Bundesregierung insgesamt, gehen an die Witwe, an die ganze Familie", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin.

Fritz von Weizsäcker erstochen: Klinik liegt am Schlosspark Charlottenburg

In der Klinik, in der Weizsäcker als Chefarzt tätig war, gibt es laut Website regelmäßig Veranstaltungen, die sich in der Regel an interessierte medizinische Laien wenden, die etwas über Erkrankungen, deren Diagnose und Therapiemöglichkeiten erfahren möchten. Für Dienstagabend war ein Vortrag zum Thema Fettleber angesetzt ("Fettleber – (K)ein Grund zur Sorge?").

Die Klinik liegt am Schlosspark Charlottenburg. Sie hat nach Angaben auf ihrer Internetseite rund 340 Betten und nimmt an der psychiatrischen Notfallversorgung für Charlottenburg-Nord teil. Es gibt Fachabteilungen unter anderem für Ästhetisch-Plastische Chirurgie, Neurologie, Orthopädie, Psychiatrie und Innere Medizin (Gastroenterologie und Kardiologie). (dpa/AZ)

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