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Kinder-Medien-Studie

08.08.2017

Für Kinder wird der Stift zum Fremdkörper

Wer Schreiben lernt, muss vor allem viel üben. Doch genau daran fehlt es, wie eine Umfrage unter Lehrern zeigt.
Bild: Ulrich Wagner

Ein Großteil der Kinder in Deutschland tippt schon im Grundschulalter auf dem Smartphone. Die Handschrift bleibt dabei oft auf der Strecke.

Dass die digitale Technik im Kinderzimmer angekommen ist, wissen wir längst. Fast 40 Prozent der Sechs- bis Neunjährigen in Deutschland besitzen ein Smartphone, wie die neue Kinder-Medien-Studie zeigt, die in Berlin vorgestellt wurde. Sechs bis neun Jahre, das bedeutet Grundschulalter.

Die Zeit also, in denen Kinder Lesen, Rechnen und die jahrhundertealte Kulturtechnik des Schreibens lernen sollten. Doch genau die beherrschen viele Schüler nicht mehr richtig. Lehrer sind sicher: Das liegt auch an der Digitalisierung.

Im Jahr 2015 hat der Deutsche Lehrerverband zusammen mit dem Schreibmotorik-Institut, einer Forschungseinrichtung in Heroldsberg bei Nürnberg, eine Umfrage unter Lehrern gemacht: Über 40 Prozent der Grundschul-Pädagogen waren mit den Schreib-Leistungen ihrer Schüler nicht zufrieden. Mehr als die Hälfte der Buben und 31 Prozent der Mädchen an Grund- und weiterführenden Schulen hätten Probleme beim Schreiben per Hand, betont Marianela Diaz-Meyer, die das Institut leitet.

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Der Studie zufolge stellen die Lehrer vor allem eine schlechte Feinmotorik fest, beklagen schon in der Grundschule, dass die Kinder zu Hause zu wenig üben. Dass Schüler zunehmend digital kommunizieren, sieht mehr als die Hälfte der Lehrkräfte als Problem. Denn wer viel auf dem Tablet und auf dem Handy tippt, dem wird der Umgang mit Bleistift und Füller fremd.

Kinder-Medien-Studie: Viele Kinder können nicht lange mit dem Stift schreiben

Viele Schüler verkrampfen, sobald sie einen Stift in der Hand halten, sie schreiben unleserlich und langsam. „Mehr als zwei Drittel der Kinder konnten nicht länger als 30 Minuten schreiben“, fügt Diaz-Meyer im Gespräch mit unserer Redaktion hinzu. „Dabei ist das Schreiben mit der Hand unersetzlich für den Lerneffekt, die Merkfähigkeit und die kognitive Entwicklung eines Kindes.“ Sogar Tests mit Studenten hätten ergeben, dass Inhalte besser im Gedächtnis bleiben, wenn jeder Buchstabe per Hand aufs Papier gesetzt wird. „Beim Tippen“, erklärt Diaz-Meyer, „ist jeder Buchstabe gleich.“

Spätestens in der 5. Klasse dann werde von Kindern erwartet, dass sie selbstständig und schnell schreiben. Versäumnisse in den Jahren zuvor rächen sich dann. Denn wer sich zu sehr darauf konzentrieren muss, Buchstaben richtig aufs Papier zu bringen, kann sich auf den Inhalt natürlich nur schwer konzentrieren. Die Folge: Rechtschreibfehler im Diktat, Grammatikschwächen im Aufsatz, schlechtere Noten.

Doch Handschrift-Expertin Marianela Diaz-Meyer hat die Hoffnung nicht aufgegeben. Ihr Institut stellt Lehrern Materialien zur Verfügung, mit denen sie Kindern den Spaß am Schreiben spielerisch vermitteln können. Eltern empfiehlt sie, den Nachwuchs etwas ausprobieren zu lassen, statt zu sehr auf eine akkurate Schrift zu achten und von Anfang an jeden Fehler zu bemängeln. „Wenn ein Kind laufen lernt, sagt man ihm ja auch nicht: ,Geh’ auf dieser Linie, lauf’ so oder so.‘ Man lässt das Kind einfach machen, auch wenn es mal hinfällt.“ Genauso müsse es beim Schreiben sein. (mit afp, kna)

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