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Kriminalität

03.11.2019

Geht Deutschland zu lasch mit der Mafia um?

2007 wurden in Duisburg sechs Menschen wurden vor einer Pizzeria erschossen.
Foto: Oliver Berg/dpa

Mindestens 30 Morde in Deutschland lassen sich mit der Mafia in Verbindung bringen. Vermutlich liegt die Zahl viel höher. Müsste die Polizei besser geschult sein?

Mitglieder italienischer Mafiaclans haben nach Erkenntnissen der Polizei seit 1990 in Deutschland 30 Menschen getötet. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Frage der Grünen-Abgeordneten Irene Mihalic hervo. Darin heißt es: "Dem Bundeskriminalamt liegen seit dem Jahr 1990 Erkenntnisse zu 23 Tötungsdelikten mit insgesamt 30 Todesopfern in Deutschland vor, die der italienischen Mafia zugerechnet werden." Angaben zu Tötungsdelikten anderen Gruppierungen der Organisierten Kriminalität (OK) würden statistisch nicht gesondert erfasst.

"Die hohen Opferzahlen sind alarmierend und verdeutlichen die große Gefahr, die von der italienischen Mafia ausgeht", sagt Mihalic. Dabei sei zu befürchten, dass die Dunkelziffer in diesem Bereich deutlich höher ausfällt. 

In Deutschland gibt es 600 Mafia-Mitglieder - mindestens

Davon geht auch die Bundesregierung aus. Sie hatte im vergangenen Mai auf eine Anfrage der Grünen erklärt, nach derzeitigen Erkenntnissen würden 585 Menschen Gruppierungen der italienischen Organisierten Kriminalität zugerechnet. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 hatte die Polizei 545 mutmaßliche Mafia-Mitglieder auf dem Schirm. Allerdings gehen die Sicherheitsbehörden davon aus, dass alleine die 'Ndrangheta mindestens 18 bis 20 Stützpunkte in Deutschland hat. Da jedem einzelnen Stützpunkt bis zu 50 Mitglieder zugerechnet werden könnten, sei "von einem erheblichen Dunkelfeld bei den Mitgliederzahlen auszugehen". Alleine bei der 'Ndrangheta sei daher von 800 bis 1000 Mitgliedern in Deutschland auszugehen, stellt die Regierung fest.

Die 'Ndrangheta aus Kalabrien gilt als mächtigste italienische Mafiaorganisation. Eine Fehde zwischen zwei Clans der 'Ndrangheta war Hintergrund der Mafiamorde von Duisburg, wo 2007 nachts vor einer Pizzeria sechs Menschen erschossen wurden.

In Bayern und Baden-Württemberg ist die Maifa besonders aktiv

Besonders aktiv ist die Mafia in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Zu ihren Haupteinnahmequellen zählen der Rauschgifthandel, Fälschungen und die Erpressung von Gastwirten italienischer Herkunft. Diese werden von den Mafia-Clans häufig gezwungen, überteuerte oder minderwertige Lebensmittel aus Italien zu beziehen - zum Beispiel Wein, Olivenöl oder Salami. 

Das ist für die Täter einfacher als die traditionelle Schutzgelderpressung, wo Gastwirte mit vorgehaltener Waffe gezwungen werden, einen Teil ihrer Einnahmen abzugeben. Denn wenn es zu einer Verurteilung kommt, wird der Lebensmittelhandel unter Zwang meist als Nötigung eingestuft. Die Strafe fällt dann niedriger aus als bei der klassischen Schutzgelderpressung - auch weil die Ware ja nicht ganz ohne Wert ist.

Außerdem muss sich der Mafia-Clan in diesem Fall gar nicht erst die Mühe machen, das Geld zu waschen. Denn es ist ja schon Teil des "legalen" Wirtschaftskreislaufs. "Zum Teil handelt es sich auch um Lebensmittel, die von Clan-nahen oder Clan-eigenen Unternehmen in Italien produziert werden", sagt Sandro Mattioli, der Vorsitzender des Vereins "Mafia? Nein Danke!".

Grünen-Politikerin fordert: Deutschland muss Polizei besser im Umgang mit der Mafia schulen

Innenpolitikerin Mihalic findet, die Bundesregierung müsse bei der Bekämpfung der Mafia ein noch größeres Problembewusstsein an den Tag legen und die Sicherheitsbehörden "personell und strukturell befähigen, gegen diese Gruppierungen vorzugehen". Im vergangenen Jahr richteten sich 13 Ermittlungsverfahren gegen die 'Ndrangheta, die Camorra und die sizilianische Cosa Nostra.

Tatsächlich hängt die Zahl der Verfahren immer auch mit den Ressourcen der Polizeibehörden zusammen. Konkret heißt das zum Beispiel: Wenn mehr Kräfte für die Observation islamistischer Gefährder eingesetzt werden müssen, geht das auch zulasten der Verfahren gegen die Organisierte Kriminalität. (dpa)

Lesen Sie dazu auch: Clans sind schlimmer als die Mafia

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