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Interview

09.12.2017

Geht die Strategie des DHL-Erpressers auf?

Das Tochterunternehmen der Deutschen Post, DHL, wird erpresst. 
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Mitten im Weihnachtsgeschäft fordert ein Täter Millionen von der Tochter der Deutschen Post. Seitdem geht die Angst vor Paketbomben um. Wie ein Psychologe den Fall einschätzt

Herr Simonszent, wenn wir hier über den DHL-Erpresser sprechen – nutzt ihm das, weil er so mehr Aufmerksamkeit erfährt? Oder nutzt es eher der Öffentlichkeit, die auf diese Weise vor möglichen Paketbomben gewarnt wird?

Holger Simonszent: Es nutzt beiden. Die Strategie des Erpressers ist es ja, dass die Öffentlichkeit davon weiß. Auf der anderen Seite ist es wichtig, in der Bevölkerung ein Bewusstsein für mögliche Gefahren zu schaffen und dabei klar zu kommunizieren, welche Möglichkeiten es gibt, sich vor Paketbomben zu schützen.

Die Polizei warnt vor allem davor, verdächtige Pakete zu öffnen. Aber sagen Sie: Ist eine Millionen-Erpressung wie diese nicht eine Schnapsidee? Die wenigsten konnten Täter meines Wissens nach erfolgreich zu Ende bringen.

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Simonszent: In der Tat: Die technischen Möglichkeiten der Ermittler sind hoch und damit auch die Chance, einen Erpresser zu erwischen. Ich denke, auch der DHL-Erpresser wird am Ende nicht erfolgreich sein.

Wie gefährlich ist er? Seine Paketbombe in Potsdam war zündfähig.

Simonszent: Da könnte ich nur spekulieren, zumal die Behörden aus ermittlungstaktischen Gründen nicht viele Angaben zu ihm machen. Alles deutet darauf hin, dass er mit hoher krimineller Energie vorgeht, schließlich will er sich sehr stark bereichern, nimmt in Kauf, andere massiv zu schädigen, und: Er will größtmögliche Angst und Schrecken bei der größtmöglichen Zahl von Personen auslösen.

Schnell fiel der Name des Kaufhaus-Erpressers „Dagobert“ alias Arno Funke. Der wurde in den 90ern regelrecht berühmt, weil er mit großer technischer Raffinesse unter anderem bei den Geldübergabeversuchen vorging. Der DHL-Erpresser verschlüsselte seine Forderungen mit einem sogenannten QR-Code. Ist ein Vergleich mit Funke aber nicht eine Verharmlosung?

Simonszent: Man kann beide Fälle grundsätzlich nicht miteinander vergleichen. Ich warne davor, die DHL-Erpressung auf die leichte Schulter zu nehmen oder den Erpresser gar zum Helden zu machen.

Nun gab es bereits einige Fehlalarme - auch weil die Polizei zu erhöhter Vorsicht aufgerufen hat. In Ulm wurde kürzlich wegen eines verdächtigen Pakets ein ganzer Häuserblock abgeriegelt. Reagieren die Behörden angemessen auf die Bedrohungslage?

Simonszent: Der Schutz der Bevölkerung steht immer an oberster Stelle. Lieber einmal zu viel geräumt oder abgeriegelt, als einmal zu wenig. Aber auch das spielt dem Täter in die Hände. Er will Verunsicherung erzeugen. Terrorismus funktioniert übrigens genauso.

Weihnachten steht vor der Tür, es werden Millionen Pakete verschickt: Was macht diese Erpressung mit uns?

Simonszent: Sie schafft zunächst einmal Verunsicherung. Man sollte allerdings seine Weihnachtseinkäufe ganz normal tätigen, sein Verhalten nicht ändern – außer eben ein bisschen genauer auf die Pakete schauen.

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