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Geiseldrama Gladbeck

10.10.2017

Geiselgangster Dieter Degowski kommt frei

Der Entführer Dieter Degowski steht am 17.08.1988 in einem gekaperten Bus in Bremen.
Bild: Thomas Wattenberg,dpa (Archivbild)

Der Geiselgangster von Gladbeck, Dieter Degowski, wird nach fast 30 Jahren Haft entlassen. In Freiheit darf er seinen Namen ändern.

Einer der beiden Geiselgangster von Gladbeck, Dieter Degowski, wird nach fast 30 Jahren Haft entlassen. Der 61-jährige Degowski werde in den nächsten Monaten frei kommen, teilte ein Sprecher des Landgerichts Arnsberg am Dienstag mit. Das Gladbecker Geiseldrama ging als eines der spektakulärsten Schwerverbrechen in die deutsche Kriminalgeschichte ein.

Die Freilassung sei umfassend geprüft worden. Die Kammer habe Gutachten und Stellungnahmen eingeholt und sich den positiven Prognosen angeschlossen. Die Entscheidung sei noch nicht rechtskräftig. Zuerst hatte der Soester Anzeiger berichtet. Degowski wird einen neuen Namen erhalten um ihm die Wiedereingliederung zu erleichtern. Das Landgericht Arnsberg hatte die JVA Werl bereits 2013 aufgefordert, Degowski schrittweise auf die Entlassung vorzubereiten. Daraufhin hatte er zunächst begleitete und später unbegleitete Ausgänge ohne Beanstandungen bewältigt. 

 Im August 1988 hatten Degowski und sein ein Jahr jüngerer Komplize Hans-Jürgen Rösner die Republik in Atem gehalten. Drei Tage lang flüchteten sie nach einem missglückten Bankraub in Gladbeck mit Geiseln quer durch die Republik vor der Polizei. Drei Menschen starben.

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Hans-Jürgen Rösner beantwortet mit Pistole in der Hand Fragen von Journalisten bei einem Stop in Bremen. Rösner und Degowski werden im März 1991 zu lebenslanger Haft verurteilt, Rösner mit anschließender Sicherungsverwahrung.
Bild: Thomas Wattenberg,dpa (Archivbild)

Gladbecker Geiselgangster Degowski kommt frei

Das Essener Landgericht hatte am 22. März 1991 nach 109 Verhandlungstagen das Urteil verkündet. Degowski und Rösner wurden zu lebenslanger Haft verurteilt, Degowski mit besonderer Schwere der Schuld, Rösner mit anschließender Sicherungsverwahrung. Der sitzt nach wie vor im Gefängnis - zuletzt in der JVA Aachen. Das 54-stündige Drama hatte sich über Hunderte Kilometer vor den Augen der Öffentlichkeit abgespielt. In der Kölner Fußgängerzone gaben die Schwerverbrecher während der Tat Interviews - dafür mussten die Medien viel Kritik einstecken. Der Deutsche Presserat legte danach fest, dass während der Tat mit Straftätern keine Interviews geführt werden sollten. 

Dieter Degowski mit Geisel Silke Bischoff am 18. August 1988 in Köln.
Bild: Hartmut Reeh ,dpa

Am Ende des Gladbecker Geiseldramas waren zwei erschossene junge Geiseln und ein toter Polizist zu beklagen. Es war Degowski, der an der Raststätte Grundbergsee den 15-jährigen Emanuele De Giorgi erschoss, weil die Polizei die Freundin Rösners festgenommen und nicht rasch genug wieder freigelassen hatte. Dass er den jungen Italiener für den Mord auswählte, der sich noch schützend vor seine kleine Schwester gestellt hatte, hatte der Sonderschüler mit seiner Ausländerfeindlichkeit begründet. 

Rösner war es, der die 18-jährige Geisel Silke Bischoff erschoss - möglicherweise genau in dem Moment, als er selbst von einer Polizeikugel getroffen wurde. Nach 54 quälenden Stunden erfolgte der Zugriff einer Spezialeinheit bei Bad Honnef - die Gangster hatten Köln verlassen und wollten nach Frankfurt. Die Beamten hatten die Fernbedienung vergessen, mit der sie den Motor der schweren Flucht-Limousine ausschalten wollten. Sie mussten den Wagen in einem waghalsigen Manöver bei Tempo 100 auf der Autobahn rammen. Es kommt zu einer heftigen Schießerei, bei der Silke Bischoff stirbt.

Damals hielt die Republik den Atem an: Hans-Jürgen Rösner und ein Komplize kaperten 1988 einen Linienbus. Zwei Geiseln starben anschließend bei der Verfolgungsjagd der Polizei. Umstritten war damals, dass sich Medienvertreter bedenkenlos Interviews geben ließen.
Bild: Thomas Wattenberg,dpa

Das Urteil beinhaltete eine Reihe weiterer Straftaten, die während des Geiseldramas begangen wurden. So etwa mehrere Mordversuche an Polizisten, oder an Menschen, die die Gangster dafür hielten. Unter anderem war auch ein dpa-Reporter von ihnen beschossen worden. 

In der Folge tagten in Bremen und Düsseldorf Parlamentarische Untersuchungsausschüsse. Der Bremer Innensenator Bernd Meyer (SPD) trat wegen des Geiseldramas zurück. Die Polizei organisierte sich für solche Ereignisse neu.

AZ,dpa

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