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Geothermie
19.08.2017

Eine Stadt bröckelt auseinander

Auch die Fassade des Staufener Rathauses reißt.
Foto: Patrick Seeger, dpa

Der Untergrund von Staufen hebt und verschiebt sich seit den Probebohrungen vor zehn Jahren

Die Suche nach umweltfreundlicher Energie bringt eine Kleinstadt ins Wanken. Staufen bei Freiburg bewegt sich. Und gerät so aus den Fugen – seit nunmehr einem Jahrzehnt. Der Grund sind missglückte Geothermiebohrungen im September 2007. Seither hebt sich der Boden, Gebäude bekommen Risse – und das Problem ist noch immer nicht gelöst. Über 270 Gebäude sind betroffen.

„Wir sind seit zehn Jahren im Krisenmodus. Es ist eine Katastrophe in Zeitlupe“, sagt Michael Benitz, Bürgermeister der 8100 Einwohner zählenden Stadt am Rande des Schwarzwalds. Risse durchziehen sein Rathaus – auch gut zu sehen an der Außenfassade. Ein rotes Transparent hängt daran. „Staufen darf nicht zerbrechen“, steht darauf.

Im Hof direkt hinter dem Gebäude wurde einst nach Erdwärme gebohrt. Die Geothermie galt damals als ein Hoffnungsträger unter den umweltfreundlichen Energien. Eine neue Heizung für das Rathaus sollte mit ihr betrieben werden. Die Bohrsonden trafen im Untergrund auf eine Erdschicht, die Staufen bis heute keine Ruhe lässt. „In Verbindung mit Grundwasser verwandelt sich diese Erdschicht in Gips, die Schichten quellen auf, drücken die Erde nach oben. Der Untergrund hebt und verschiebt sich“, erklärt Benitz.

Die Bilanz nach zehn Jahren: „An manchen Stellen hat sich Staufen 62 Zentimeter nach oben und seitlich bis zu 45 Zentimeter bewegt.“ Die Statik der Häuser macht das nicht mit – zwei mussten bereits abgerissen werden. Der Schaden wird auf mehr als 50 Millionen Euro geschätzt.

Auch in Böblingen beispielsweise gingen Geothermiebohrungen schief. Und in Basel kam es wegen Geothermie gar zu Erdbeben. Die betroffenen Hauseigentümer in Staufen haben auf Klagen und Gerichtsprozesse bislang verzichtet. Geld kam und kommt von der Stadt, dem Land und den Kommunen in Baden-Württemberg, die sich mit Staufen solidarisch zeigen und finanziell helfen. Zudem gab es einen außergerichtlichen Vergleich mit den Bohrfirmen. Die Stadt hat nun von den Firmen 1,175 Millionen Euro erhalten. Und verzichtet im Gegenzug auf alle weiteren Forderungen. Weil es mehr Klarheit bei den Finanzen gebe, soll nun verstärkt die Sanierung der Häuser angegangen werden. (dpa)

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