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Geschäftsidee
15.11.2020

Eine Bäckerei in der Schweiz eröffnet das erste Sauerteighotel

Der Schweizer Martin Mayer hat das Sauerteighotel ins Leben gerufen.
Foto: Matthias Auer

Der Sauerteig hat eine wachsende Fangemeinde. Damit Hobbybäcker den empfindlichen Teig auch in ihrer Abwesenheit umsorgt wissen, hat ein Schweizer das Sauerteighotel eröffnet.

Wer in den Urlaub fährt, will sein Zuhause in seiner Abwesenheit gut versorgt wissen. Die Nachbarn gießen also die Blumen, das Haustier geht zur Oma und der Freund leert den Briefkasten. Doch was tun mit dem gehegten, gepflegten und geliebten Sauerteig? Ein Bäcker aus Uster in der Nähe von Zürich hat die Lösung: das Sauerteighotel.

Eigenes Mehl und Fütterungsanweisungen: So läuft der "Check in" im Hotel

Fein säuberlich beschriftet mit Anweisungen zu den täglichen Bedürfnissen - also zum Beispiel eine bestimmte Menge eines bestimmten Mehls zur "Fütterungszeit", in Marmeladengläser gefüllt, verbringen die teigigen Gäste ihre Ferien in eigenen kleinen Zimmern. "Das mit dem Sauerteig ist wie mit einem Haustier", erzählt Martin Mayer. Und das will man schließlich gut umsorgt wissen.

Seit dem ersten Oktober gibt es deshalb das Sauerteighotel in der Bäckerei in Uster bei Zürich. Wer seinen Teig dort "einchecken" möchte, soll genaue Anweisungen zur Versorgung mitbringen. "Dann können wir uns bestmöglich um das Sauerteig-Baby kümmern", so Mayer. Das Hotel kostet 49 Franken, also etwa 45 Euro in der Woche. Außerdem müssen die Kunden das richtige Mehl mitbringen. "Dann können wir die Pflege des Sauerteigs im gleichen Sinne wie bisher weiterführen", erklärt Mayer.

Martin Mayer hat sich dem Sauerteigbrot mit Herz und Seele verschrieben.
Foto: Matthias Auer

Denn beim Sauerteig kommt es auf Beständigkeit an. Und wird der gehegte Teig bei Abwesenheit des Hobbybäckers einfach für ein bis zwei Wochen im Kühlschrank "schlafen gelegt", dauert es im besten Fall einige Zeit, bis daraus wieder Brot gebacken werden kann. Im schlechtesten Fall aber "stirbt" der Organismus von lebenden Hefebakterien und ist ein Fall für die Mülltonne. Damit das nicht passiert, hat der Schweizer das Sauerteighotel ins Leben gerufen. Er hat sich dieser Art des Brotbackens mit Herz und Seele verschrieben.

Der Sauerteig ist ein "Ein Teig wie vor 1000 Jahren"

Unter dem Titel "Ein Teig wie vor 1000 Jahren" schreibt der Bäcker auf seiner Webseite über sein Steckenpferd, den Sauerbrotteig. Bei dem langsamen Herstellungsprozess werden Mehl, Salz und Wasser kontinuierlich in einem bestimmten Verhältnis vermengt und so der Teig "angefüttert". Durch den Abbau der Stärke entsteht Gas und somit wächst der Teig. Wenn die Kultur - also das Teiggemisch - täglich gefüttert wird, "kann es nahezu Explosionen geben", erklärt Mayer.

Und warum das Ganze? Der Sauerteig soll Backwaren leichter verdaulich machen. Durch die langsame Produktion des Brotes ist es laut Mayer außerdem länger haltbar. Die lange Haltbarkeit gilt auch für den Teig selbst: "Die Kultur kann bei richtiger Pflege mehrere Jahre alt werden", berichtet der Bäcker. Er selbst habe einen Sauerteig aus einer Reise nach Südamerika mitgebracht, der schon 20 Jahre alt ist. "Der wird dann im Alter immer besser."

Der Sauerteig soll Backwaren leichter verdaulich machen. Damit er gelingt, bedarf es viel Liebe und Geduld.
Foto: Matthias Auer

Doch damit der Teig gelingt, braucht es viel Geduld und am besten tägliche Pflege. "Ich weiß von vielen, die ihren Sauerteig sogar mit auf Reisen nehmen", berichtet der Schweizer. Und die Fangemeinde des Mehl-Wasser-Gemischs wächst. In der Corona-Pandemie beobachtet Mayer einen regelrechten Boom im Sauerteig-Business. "Teilweise gab es ja keine Hefe mehr in den Regalen" und außerdem "haben sich die Leute in der Zeit zuhause mehr mit dem Backen auseinandergesetzt", sagt der Bäcker.

Das habe ihn auch auf die Idee gebracht, das Hotel zu gründen. Doch die Corona-Pandemie macht Mayer nun zunächst einen Strich durch die Rechnung: "Momentan haben wir noch nicht extrem viele, die ihren Teig zu uns bringen", berichtet der Bäcker. Das das liege schlichtweg daran, "dass ja niemand wirklich reisen geht".

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