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Gewalt
25.07.2017

U-Bahn-Treter, Gaffer, Krawallmacher: Verroht unsere Gesellschaft?

In Berliner U-Bahnhöfen wurden bereits mehrfach Menschen Treppen hinuntergestoßen und verletzten sich dabei.
Foto: Polizei Berlin, dpa

U-Bahntreter oder G20-Krawalle: In den vergangenen Wochen sorgten immer wieder Fälle von Gewalt für Entsetzen. Auch das Verhalten von Gaffern ist ein großes Problem.

Ein Mann schlägt einem anderen auf einer Berliner U-Bahn-Treppe von hinten auf den Kopf. Der Geschlagene stürzt die Treppe hinunter, bleibt verletzt liegen. Der Angreifer geht weiter, sein gleichgültiges Gesicht ist auf dem Video einer Überwachungskamera zu sehen. Oder die Gewaltexzesse in Hamburg während des G20-Gipfels: Vermummte schmeißen Steine und Flaschen auf Polizeibeamte, einer schleudert ein Fahrrad in Richtung der Wasserwerfer. Oder: Fast täglich gibt es neue Meldungen über Gaffer, die Rettungskräfte behindert haben.

Was ist nur los mit der deutschen Gesellschaft?

Was ist los mit der deutschen Gesellschaft? Verroht sie zusehends? Der bekannte Kriminologe Christian Pfeiffer aus Niedersachsen befasst sich seit Jahrzehnten mit der Entwicklung der Kriminalität in Deutschland. Er widerspricht der Annahme, dass es schlimmer werde. Vieles sei sogar besser geworden, sagt er. Etwa bei Sexualmorden oder bei Tötungen durch Schusswaffen. Auch bei Einbrüchen sei die Zahl der Fälle zurückgegangen. Einen Höchststand habe es hier in den 90er Jahren gegeben, nicht etwa heute.

Dennoch bereitet ihm manche Entwicklung Sorgen. Pfeiffer nennt als Beispiel die Gewaltkriminalität bei Flüchtlingen. Es seien überproportional viele junge Männer nach Deutschland gekommen – ohne Familie oder Freundin, was er als „zivilisierendes Element“ bezeichnet. Junge Männer seien überall auf der Welt für die meisten Straftaten verantwortlich. Die Zuwanderung dieser Problemgruppe sei der Grund für den aktuellen Anstieg der Gewalttaten.

Bei Unfällen sind Gaffer oft nicht weit. Zum großen Problem werden sie, wenn sie Rettungskräfte behindern.
Foto: Lino Mirgeler, dpa

Entscheidend für die Entwicklung von Straftaten in einer Gesellschaft sei die Frage, ob Eltern ihre Kinder schlagen oder nicht, hat Pfeiffer festgestellt. Wer geschlagen wurde, werde selber später häufiger gewalttätig – dieser Zusammenhang sei eindeutig. Hierbei sieht der Kriminologe allerdings eine positive Entwicklung. „Die elterliche Erziehungskultur hat sich gewandelt“, sagt er. Liebevolle Erziehung sei heute viel häufiger. Weil weniger geschlagen werde, gehe auch die Jugendgewalt zurück, und das in verschiedenen Bereichen. Pfeiffer spricht sogar von einer „Gesundung der Gesellschaft in Richtung weniger Gewalt“.

Stimmt der Eindruck, dass die Gewalt zunimmt?

Der Eindruck, dass die Gewalt zunehme, entstehe auch durch das Privatfernsehen, hat er beobachtet. Während Zeitungen eher einen sachlichen Berichtsstil pflegten, werde im Privatfernsehen oft mit emotionalisierenden Gewaltdarstellungen über Straftaten berichtet. Das gehe gewissermaßen ungefiltert am Verstand vorbei und verzerre das Weltbild.

Ein Randalierer wirft am 9. Juli während des G20-Gipfels in Hamburg ein Fahrrad in Richtung von Wasserwerfern.
Foto: Daniel Bockwoldt, dpa

Gewalttaten gibt es freilich trotzdem. Pfeiffer rät, entschieden dagegen vorzugehen. Er fordert: „Wir brauchen mehr Polizei.“ Auch drastische Strafen, etwa bei Gaffern, die keine Rettungsgasse freimachen, hält er für eine gute Lösung: Es müssten Prozesse stattfinden und Täter ins Gefängnis kommen, so wie vor Kurzem bei den harten Urteilen nach illegalen Autorennen. „Da muss der Staat reagieren, dann dauert es eine Zeit, und dann bekommt man das wieder in den Griff.“

Thomas Elbert, Neuropsychologe an der Uni Konstanz, bestätigt Pfeiffers Aussagen: Insgesamt habe die Gewalt in menschlichen Gesellschaften über die Jahrtausende eher abgenommen. „Es besteht aber durchaus Grund zur Sorge, denn in allen Gesellschaften müssen drei Dinge geregelt werden: Sex, Drogen und Aggression.“ Bei Übergriffen müsse der Staat klare Sanktionen verhängen. Auch Elbert betont, dass Menschen, die Gewalt erlebt hätten, später oft selbst gewalttätig würden.

Der Kriminologe Christian Pfeiffer hat festgestellt: Wer geschlagen wurde, wird selber häufiger gewalttätig.
Foto: Patrick Pleul, dpa

Insbesondere junge Männer könnten aus Gewalthandlungen positive Gefühle herausziehen. Mittel- und langfristig müsse man die Milieus, die gewaltbereite Gruppen hervorbringen, reduzieren, sagt er.

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Die Diskussion ist geschlossen.

25.07.2017

Die Täter haben wirklich fast nichts mehr zubefürchten; Im ZDF gesehen, Einbrecherparadies Deutschland: Nur bei 15 % der Fälle werden die Täter ermittelt und nun kommts! Nur 2-3 % der Täter werden auch verurteilt. Bei den ganzen Straftaten um Belästigungsbereich siehts ähnlich aus.

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25.07.2017

An was liegt es denn?

Wen wundert es noch, wenn schon unsere Politiker mitsamt der Autoindustrie den Bürger betrügen.

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25.07.2017

Natürlich verroht die Gesellschaft. Die Täter haben ja auch keine wirklichen Strafen zu befürchten.

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