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Glosse
01.07.2021

Na Prost: Warum uns der Ouzu beim Trinkgeld spendabel macht

Wenn der Gast zusammen mit der Rechnung ein Frei-Getränk erhält, wird er spendabler.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Eine neue Studie zeigt den Zusammenhang zwischen spendierten Getränken und Trinkgeld.

Es gibt ja diese Getränke, die würde man sich selbst nie bestellen. Ouzo ist so eines. Eine unheilvolle geschmackliche Mischung aus Hustensaft und Lakritz. Mit geschlossenen Augen und dem Wissen, dass sich das eigene Gesicht in wenigen Augenblicken zu einer entwürdigenden Grimasse verziehen wird, kippen wir den Schnaps trotzdem begeistert in uns rein – geht ja schließlich aufs Haus! Und mit der Promille-Brille auf, wirkt der grummelige Wirt auch gleich viel netter und das fette Essen verdaulicher. Viel schwerer liegt uns da eine neue Studie im Magen, die mal wieder beweist, wie leicht der Mensch doch zu manipulieren ist. Denn der hochprozentige Absacker steigert nicht nur die Kicher-Quote beim Treffen mit den Freundinnen, sondern auch die Trinkgeld-Bereitschaft. Na Yamas, äh: Prost!

Die Wissenschaft nennt das Phänomen Reziprozität

Forscher der Hochschule Fresenius haben herausgefunden, dass die Höhe des Trinkgeldes und das Gratisgetränk am Ende eines Mahls in unmittelbarem Zusammenhang stehen. Ihre Annahme: Jede Gefälligkeit löst beim Gegenüber Druck aus, die Gefälligkeit zu erwidern. Die Wissenschaftler nennen das Phänomen Reziprozität. „Dieser Effekt ist besonders stark, wenn das Getränk mit der Rechnung gebracht wird, da sich die Gäste mutmaßlich besonders stark verpflichtet fühlen, sich mit einem großzügigen Trinkgeld zu revanchieren“, erklärt ganz und gar nüchtern der an der Studie beteiligte Psychologe Frederic Hilkenmeier. „Das Servicepersonal kann folglich durch einen geschickten Einsatz eines Gratisgetränks seine Trinkgelder erheblich und mühelos erhöhen, indem es die Norm der Reziprozität ausnutzt.“ Schöner hätten wir das nach dem dritten Ouzo auch nicht formulieren können.

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