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Drohende Klage

20.03.2009

Google hat Millionen Bücher illegal eingescannt

Google soll illegal Bücher eingescannt haben.

Google hat illegal Millionen Bücher eingescannt. Deutsche Schriftsteller fragen sich nun, ob man sich mit einem der mächtigsten Unternehmen der Welt anlegen soll. Von Volker Klüpfel

Von Volker Klüpfel

Vor wenigen Tagen haben die deutschen Schriftsteller Post von der Verwertungsgesellschaft (VG) Wort bekommen. Manch einem wird es dabei heiß und kalt zugleich geworden sein.

Denn es ging um die Frage, ob man sich mit einem der mächtigsten Unternehmen der Welt anlegen solle - mit Google. Hintergrund ist ein Projekt, das sich "Google Book Search" nennt. Mithilfe dieser Buchsuche will Google das Wissen der Welt - ja, was eigentlich? Laut Google: jedem zugänglich machen.

Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit, denn der Internetgigant (Marktwert rund 66 Milliarden Euro) will, über dieses aufklärerische Ideal hinaus, Geld verdienen. Und Geld verdient Google mit Online-Inhalten. Die im Falle der Buchsuche von anderen stammen.

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2004 hat das kalifornische Unternehmen damit begonnen, Bücher amerikanischer Bibliotheken zu scannen. Sieben Millionen sind es inzwischen, geschätzte 20 Prozent des US-Bestandes - und das alles ohne Genehmigung. Die Daten will Google zur Volltextsuche freischalten und u.a. auch verkaufen.

Irgendwann klagten die amerikanischen Verlage. Im vergangenen Herbst einigte man sich auf einen "groundbreaking", einen bahnbrechenden Vergleich, wie Google selbstbewusst vermeldet.

Was hat das nun mit deutschen Autoren und Verlagen zu tun? Mehr als eine Million der gescannten Bücher sind deutscher Sprache. Und auch für sie gilt der Vergleich, selbst wenn die Autoren von der Klage nicht einmal wussten. Eine Besonderheit des amerikanischen Rechts.

Der Vergleich umfasst - ohne Anhänge - 141 Seiten in schwer verdaulichem Juristen-Englisch. Die Eckpunkte des Vergleichs sind: Vergriffene Bücher, die urheberrechtlich geschützt sind, dürfen angezeigt und/oder digital verkauft und mit Werbung versehen werden, sofern niemand widerspricht.

Für lieferbare geschützte Bücher gilt das nur, wenn die Rechteinhaber es erlauben. Dabei ist nicht immer klar, wer der Rechteinhaber ist: der Autor? Der Verlag? Beide? Und es gibt praktisch keine Möglichkeit herauszufinden, ob ein Buch bereits gescannt wurde. Zwei Drittel der Erlöse gehen an die Rechteinhaber.

Für jedes bereits digitalisierte Buch zahlt Google 60 US-Dollar.

Die Verlage und Autoren hierzulande haben daraufhin, ganz deutsch, eine Arbeitsgruppe gegründet, die nun ein gemeinsames Vorgehen berät. Mit dabei ist neben der VG Wort der Börsenverein des deutschen Buchhandels. Österreich und die Schweiz werden sich wohl anschließen. Es geht nach den Worten von Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, ja um nicht weniger, als "eine kalte Enteignung deutscher Rechteinhaber" zu verhindern.

Irgendwann wird alles Wissen online verfügbar sein

Damit das auch klappt, soll alles über die VG Wort abgewickelt werden. Für Wolfgang Schimmel, Mediensekretär und Jurist der Gewerkschaft Verdi, hat man nur so Aussicht auf Erfolg. Einzelaktivitäten, auch von großen Verlagen, halten die Experten für zu aufwendig, zu teuer - und noch dazu hinderlich: Damit könnte man Google das Signal geben, dass die Deutschen sich selbst nicht einig sind.

Theoretisch stehen nun folgende Handlungsalternativen zur Wahl, sollte man mit dem Vergleich nicht einverstanden sein:

Ausschluss aus dem Vergleich ("opt out"),

Widerspruch ("objection"),

Entfernen der bereits digitalisierten Werke ("removal").

Letzteres wird der Weg der VG Wort sein, sagt Dr. Christian Sprang, Justitiar des Börsenvereins. Es ist schwer, ihn zurzeit ans Telefon zu bekommen, denn er ist viel unterwegs - vor allem in Sachen Google. Am Mittwoch war er in München und hat in einer Marathon-Sitzung mit der amerikanischen Autorenvereinigung dieses Vorgehen abgestimmt. Ist man erst einmal raus aus der Buchsuche, könne individuell (in der Regel über den Verlag) über einen Wiedereinstieg verhandelt werden - zu fairen Konditionen.

Parallel zum Google-Unternehmen wird in Europa an ähnlichen Projekten gearbeitet. Wird also irgendwann, ob mit oder ohne Google, das Wissen dieser Welt für jeden online verfügbar sein? "Vor drei Jahren hätte ich im Brustton der Überzeugung gesagt: nein", sagt Sprang. Jetzt würde er doch eher zu einem "vielleicht" neigen.

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