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Italien

08.11.2017

Haben Schiffsriesen in Venedig bald Einfahrverbot?

Umwelt- und Kulturschützer protestieren seit Jahren gegen die Kolosse. Sie fürchten um ihre Heimat. Ein Kreuzfahrtschiff bläst so viel Abgase wie 14.000 Autos in die Luft.
Bild: Andrea Merola/ANSA/dpa

Schon von 2019 an sollen Kreuzfahrtkolosse nicht mehr wie bisher an Venedigs berühmten Markusplatz vorbeifahren dürfen. Ein guter Plan? Nur auf den ersten Blick.

Man muss in Venedig gewesen sein, um die Dimensionen zu verstehen. Wenn die riesigen Kreuzfahrtschiffe in Zeitlupentempo am Markusplatz vorbeiziehen, verkommt der Zuschauer zur Maus, die Stadt zur Miniatur. Für die Passagiere aus aller Welt ist es ein unvergessliches Erlebnis. Für Venedig aber könnte es den Anfang vom Untergang bedeuten.

Am Dienstagabend am Sitz des Ministerpräsidenten in Rom entschieden Verantwortliche aus Venedig, der Region Venetien und der italienischen Regierung nun, dass besonders große Kreuzfahrtschiffe mit mehr als 96.000 Tonnen Gewicht ab 2019 an einem neuen Hafen am Festland anlegen sollen.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Lagune. Die riesigen Passagierschiffe würden dann nicht mehr über den Lido und den Giudecca-Kanal in die Stadt einfahren, sondern müssten einen anderen Weg durch die Lagune nehmen, um schließlich in Marghera anzukommen, einem Vorort von Mestre. Von dort ginge es für tausende Passagiere per Schiff oder Bus in Venedigs Altstadt.

Venedig drohte seinen Weltkulturerbe-Status zu verlieren

Doch bisher handelt es sich dabei um nicht viel mehr als um eine Absichtserklärung. Auf 70 Millionen Euro werden die Kosten für die nötigen Umbaumaßnahmen geschätzt. Kanäle müssten angepasst, der Hafen ausgebaut werden. Venedigs Bürgermeister Luigi Brugnaro zeigte sich zufrieden. Jetzt werde auch der Unesco klar sein, "dass wir eine Lösung haben". Die UN-Organisation hatte Venedig vergangenes Jahr mit dem Entzug des "Weltkulturerbe"-Titels gedroht, sollte die Stadt den Massentourismus und die Zahl der Kreuzfahrtschiffe nicht eindämmen.

In Folge der Havarie der Costa Concordia vor der Insel Giglio im Jahr 2012 wurden die Einfahrten von Kreuzfahrtschiffen in die Lagune bereits reduziert. 500.000 Schiffspassagiere weniger kamen seither in die Stadt.

Eine dauerhafte Lösung ließ jedoch auf sich warten. Nach jahrelanger Diskussion, teils mit rabiaten Protesten der Bevölkerung, scheint sie inzwischen immerhin in Reichweite zu sein. Weil Kreuzfahrtschiffe aber prinzipiell weiterhin Einfahrt in die Lagune bekommen sollen, sprechen Kultur- und Umweltschützer von der "schlechtesten Lösung von allen".

Veränderungen griffen in Venedig erst in etwa drei Jahren

Skepsis ruft insbesondere hervor, dass echte Veränderungen in etwa drei Jahren spürbar wären, heißt es beim Protest-Komitee "No Grandi Navi". Die Umweltschützer bemängeln die Luftverschmutzung durch die Riesenschiffe. Jedes Kreuzfahrtschiff stoße Abgase wie 14.000 Autos aus. Noch gefährlicher sei die Unterwasserverdrängung durch die Schiffe in der Lagune, die die Erosion des Untergrunds der Stadt mit unkalkulierbaren Folgen vorantreibe. Schließlich sei das Ökosystem der Lagune bedroht.

Nach den aktuellen Planungen dürfen künftig alle Kreuzfahrtschiffe in die Lagune einfahren, die größeren allerdings auf einer neuen Route. Umweltschützer forderten dagegen ein striktes Einfahrverbot und den Bau eines Passagierterminals am Eingang der Lagune.

Der Tourismus ist Segen und Fluch für Venedig. Rund 25 Millionen Touristen überfluten die Stadt mit ihren knapp 55.000 Einwohnern jedes Jahr, bescheren ihr hohe Einnahmen – und massive Probleme.

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