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Interview

19.02.2020

Harrison Ford: „Meine Hunde dürfen sogar in meinem Bett schlafen“

Der Schauspieler Harrison Ford im Februar 2020 in Los Angeles.
Bild: Richard Shotwell, dpa

Plus Harrison Ford war Indiana Jones und Han Solo in „Star Wars“. Jetzt spielt er in einem Klassiker von Jack London. Was ihn auf die Palme bringt.

Die ersten Jahre seiner Karriere musste sich Harrison Ford als Tischler, Roadie und – wie man sich erzählt – sogar Haschisch-Dealer durchschlagen, weil sich trotz kleiner Rollen in diversen Fernsehserien der Durchbruch nicht einstellen wollte. Doch heute kann kaum ein Schauspieler auf so viele legendäre Rollen zurückblicken wie er. Als Han Solo in „Krieg der Sterne“ und den Fortsetzungen wurde er zum Star, später stand er als Indiana Jones und in „Blade Runner“ vor der Kamera. An diesem Donnerstag kehrt er nun in der Jack-London-Adaption „Ruf der Wildnis“ auf die Leinwand zurück. Wir trafen den 77-Jährigen, der in dritter Ehe mit seiner Kollegin Calista Flockhart („Ally McBeal“) verheiratet ist, in Beverly Hills zu einem – wie immer bei Harrison Ford – abwechselnd launigen und grummelig-brüsken Gespräch.

Mr. Ford, Jack Londons Roman „Ruf der Wildnis“ stammt aus dem Jahr 1903. Warum macht eine Verfilmung heutzutage Sinn?

Harrison Ford: Zum einen ist das Buch einfach ein Klassiker, war seit seinem Erscheinen nie vergriffen, sondern wurde immer wieder neu aufgelegt. Zu meinen Schulzeiten war es Pflichtlektüre, schon damals habe ich es gerne gelesen.

An Relevanz hat die Geschichte eines Hundes im Alaska des ausgehenden 19. Jahrhunderts nichts eingebüßt?

Ford: Schauen Sie sich doch das Leben an, das wir leben. Den Schlamassel, in dem wir uns befinden, den politischen und gesellschaftlichen Alltag. Was wir der Natur antun – reicht das nicht als Relevanz?

Mal ganz naiv gefragt: Wie lässt sich denn die Natur noch retten?

Ford: Wie sie sich retten lässt? Nun, zunächst einmal kommt es darauf an, dass wir der Wissenschaft vertrauen und die Antworten auf das Rätsel des Lebens nicht in irgendwelchen Ideologien suchen. Denn dann ziehen wir nicht am gleichen Strang, sondern werden durch ideologische Grabenkämpfe getrennt. Der gemeinsame Nenner ist immer die Wissenschaft – und es ist so schmerzhaft wie lächerlich mit anzusehen, wie sie heutzutage teilweise verunglimpft wird. Und zwar nur, um den Status quo zu erhalten. Da befinden wir uns aktuell in einer verdammt schwierigen Lage. Aber ich bin mir sicher, dass wir da wieder hinausfinden.

Haben Sie einen Favoriten, wer diese Aufgabe politisch übernehmen soll? Also anders formuliert: Wer soll es Ihrer Meinung nach bei der nächsten Wahl mit Trump aufnehmen?

Ford: Das geht Sie gar nichts an. Aber insgesamt wünsche ich mir natürlich, dass der Kandidat oder die Kandidatin für die Demokraten antritt, der oder die Trump schlagen kann. So einfach ist das. Im Moment ist die Situation ein wenig chaotisch, auch bei der Kandidatenfindung. Aber aus Chaos kann mitunter etwas sehr Gutes entstehen.

Sehnen Sie sich manchmal zurück in einfachere, bessere Zeiten?

Ford: Es war ja gar nicht immer unbedingt einfacher. Und nostalgisch bin ich kein bisschen. Die Vergangenheit ist mir wichtig und wertvoll, aber insgesamt bin ich ein Mann der Gegenwart. Sentimentalität bezüglich dessen, was früher war, bringt nicht viel, denn es ist nun einmal vergangen. Viel wichtiger ist es, die eigenen Energien aufs Hier und Jetzt zu verwenden.

Wieder zurück zu „Ruf der Wildnis“: Sind Sie ein Hundemensch?

Ford: Diese dreckigen kleinen Biester (lacht). Quatsch, ich liebe Hunde natürlich. Ich habe mein Leben lang immer Hunde besessen. Im Moment sind es drei! Und die dürfen sogar in meinem Bett schlafen.

Für den Film standen Sie aber gar nicht mit einem echten Hund vor der Kamera, denn Buck ist komplett computergeneriert. War das nicht seltsam?

Ford: Ach, auch nicht seltsamer als vieles andere bei einem Filmdreh. Ich hatte meinen Kollegen Terry Notary an meiner Seite, der quasi der Platzhalter für Buck war. So zu tun als sei er ein Hund, fiel mir nicht allzu schwer. Beim Film ist doch letztlich fast alles eine Illusion, man verkleidet sich und tut als ob. Diese kindliche Seite meines Berufes weiß ich durchaus zu schätzen.

Sie hatten schon einmal eine ikonische Leinwandfreundschaft mit einem nicht menschlichen Partner. Haben Sie Parallelen entdeckt zwischen Buck und Chewbacca?

Ford: Kein bisschen. Die Geschichten, die da erzählt wurden, und die Funktion der Figuren innerhalb dieser Geschichten lassen sich nicht vergleichen. Chewie ist eine ganz besondere Filmfigur, die nicht nur mir, sondern vor allem vielen Fans viel bedeutet. Peter Mayhew, der wunderbare Mann, der ihn früher gespielt hat, ist letztes Jahr leider gestorben. Ich vermisse ihn. Schon emotional gesehen gab es da bei „Ruf der Wildnis“ also nicht wirklich etwas, das mich an Chewie denken ließ.

Apropos „Star Wars“: Im jüngsten Film „Der Aufstieg Skywalkers“ hatten Sie einen letzten kleinen Gastauftritt. Womöglich doch aus Nostalgie?

Ford: Nein, nein, wirklich nicht. J.J. Abrams hat mich einfach gefragt – und ich habe nicht lange überlegt. J.J. ist ein netter, kluger Typ. Und Han Solo war gerade zuletzt ja immer ein bisschen für die Würde und den emotionalen Unterbau der Geschichte zuständig. Ich hatte insgesamt nicht den Eindruck, dass es zu dieser Figur noch wirklich etwas zu erzählen gäbe. Aber dieser kurze Moment im letzten Film erschien mir keine unpassende Idee.

Demnächst werden Sie eine weitere Rolle Ihres filmhistorischen Vermächtnisses wieder aufleben lassen: Indiana Jones kehrt zurück…

Ford: Vermächtnis! Das ist auch so ein Wort, das mich nicht interessiert. Damit kann ich nichts anfangen. Aber ja, Spielberg und ich drehen einen neuen „Indiana Jones“-Film. Und anders als Han Solo wird er nicht sterben. Aber weitere Details zum Plot gehen Sie ungefähr so viel an wie meine politische Einstellung (lacht).

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