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Buch

25.06.2019

"Hinter den Kulissen von Chanel": Einblicke in Lagerfelds Welt

Lagerfeld war eine Ikone. Wenige Monate vor seinem Tod gewährte er für ein Buch noch Einblicke in seine Welt und in die des Modehauses Chanel.
Bild: Repro: Delhomme, Knesebeck

Ein Jahr lang recherchierten eine Journalistin und ein Illustrator hinter den Kulissen des Modehauses Chanel. Auch mit Karl Lagerfeld sprachen sie.

Nach langem Warten auf einen Termin mit dem viel beschäftigten Meister empfing er schließlich an einem Freitagabend im November 2018 in seinem Studio. Er trug seinen obligatorischen Look mit schneeweißem Pferdeschwanz, dunklen Halbhandschuhen und hohem Hemdkragen – und erwies sich als eine Ikone, die über ihren Ikonen-Status klagte. „Ich kann nicht einmal über die Straße gehen, ohne dass jemand etwas von mir will“, sagte Karl Lagerfeld. „Aber ich bin selbst schuld! Ich müsste nur unauffälliger auftreten. Obwohl ich mich supernormal finde!“ Lagerfeld – der im Februar gestorbene deutsche Modeschöpfer, den die Pariser Modewelt vor wenigen Tagen erst mit einer großen Gala ehrte – sah sich also als „supernormal“.

Karl Lagerfeld starb im Februar

Seine Besucher damals, die Mode-Journalistin Laetitia Cénac und der Illustrator Philippe Delhomme, bereiteten ein Buch in Comic-Form vor, das sich „Hinter den Kulissen von Chanel“ abspielt. Ursprünglich sollte es am 19. Februar 2019 gedruckt werden, dem Tag, an dem Lagerfeld starb. Es ist ein Bilderbuch über die Arbeit in der Modebranche sowie eine Hommage an ihn und an das Modehaus geworden, für das er 36 Jahre lang überaus erfolgreich als Kreativdirektor arbeitete. „Ich habe eine schlafende Schönheit wachgeküsst“, sagte er selbst.

Designer Karl Lagerfeld und die Leiterin des französischen Chanel-Modestudios, Virginie Viard, bei der Chanel-Schau mit Kreationen der Frühjahr/Sommer-Kollektion 2019.
Bild: Bertrand Guay, dpa

An diesem Dienstag nun erscheint es in deutscher Sprache. Das Buch lebt nicht nur von (seinen) Worten, sondern von den auch farblich frischen Zeichnungen, die Entwürfe und Schauen zeigen. Und von den Begegnungen mit Mitarbeitern – Cénacs und Delhommes Recherchen führten sie ein Jahr lang in verschiedene Ateliers und Werkstätten. Ihre Reise geht in eine Weberei in Ostfrankreich, zu einem Hersteller von Strickwaren und Kaschmirprodukten im schottischen Hawick und in die Manufaktur Roveda in Mailand, die Chanel im Jahr 2000 übernommen hat. So wird auch die Geschichte des Mode-Imperiums erzählt, das unter dem Dach seiner Tochterfirma „Parafection“ 27 Handwerksbetriebe versammelt.

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Hinter den Kulissen eines legendären Modehauses

Wer das Buch durchblättert, bekommt eine Ahnung davon, wie viele Schritte es braucht und wie viele fleißige Hände beteiligt sind, bis ein Tweed-Kostüm oder ein „Kleines Schwarzes“ auf dem Laufsteg der Fashion Week erscheinen kann. Was alle daran Beteiligten miteinander vereint, ist die Liebe zur absoluten Präzision und Handarbeit, zu Stoffen und Design. An erster Stelle stand hier Karl Lagerfeld, den Cénac als „unermüdlich und mit Leichtigkeit arbeitenden Menschen, der vor Humor nur so sprühte“ kennenlernte. Er wolle, wie er ihr verriet, in seiner Arbeit Coco Chanel wieder aufleben lassen, die Gründerin der Marke, deren Geist stets über allem thronte: „Ich mache Dinge, die sie nie getan hat, die aber trotzdem très Chanel sind. Ich kenne das richtige Maß.“

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10 Bilder
Die ausgefallensten Kreationen von Karl Lagerfeld
Bild: Etienne Laurent, epa/dpa

Dabei waren die von ihm verantworteten Schauen gerade aufgrund ihrer Maßlosigkeit immer eine Sensation – auch jene im Buch beschriebene im Herbst 2018, bei der im Museums-Bau Grand Palais ein Traumstrand mit feinem Sand aufgeschüttet wurde, durch den die Models barfuß liefen. Beim Blick hinter die Kulissen lernen Leser die Arbeit des Soundstylisten und des Dekorationsteams kennen, die „Geheimnisse des Castings“ und die Ausstattung mit Accessoires. Auch treten die Figuren hinter „Karl, dem Großen“ auf: der Image-Designer, die Schuhdesignerin, die Markenbotschafterin und Lagerfelds langjährige rechte Hand, Virginie Viard. Von Chanel könne man lernen, dass die luxuriösesten Stoffe von innen kommen, sagt sie, die inzwischen seine Nachfolge angetreten hat. So, wie die schlichte Eleganz, die den Chanel-Stil auszeichnete, auch eine innere Haltung ist.

Laetitia Cénac, Jean-Philippe Delhomme: Hinter den Kulissen von Chanel. Künstler, Ateliers und Werkstätten. Knesebeck, 240 Seiten, 30 Euro

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