1. Startseite
  2. Panorama
  3. Höchstes Gericht bestätigt Urteile zu "Erika"-Katastrophe

Schifffahrt

25.09.2012

Höchstes Gericht bestätigt Urteile zu "Erika"-Katastrophe

12. Dezember 1999: Das Heck der untergehenden «Erika» vor der bretonischen Küste. Foto: Marine Nationale dpa

Am Untergang des Schrotttankers "Erika" und der anschließenden Ölpest an der Bretagneküste trägt der französische Energieriese Total strafrechtlich eine Mitschuld.

Das höchste französische Gericht bestätigte am Dienstag Urteile zu der Umweltkatastrophe Ende 1999. Die Richter widersprachen dem Generalanwalt. Dieser war wie das Unternehmen Total der Ansicht, dass die französische Justiz für den Fall gar nicht zuständig war.

Der mit knapp 31 000 Tonnen Schweröl beladene Tanker fuhr unter der Flagge Maltas. Er war nach seinem Ablegen in Dünkirchen am Ärmelkanal außerhalb der französischen Territorialgewässer gesunken.

Infolge des Schiffsunglücks liefen zur Jahrtausendwende rund 20 000 Tonnen der Ladung vor der Bretagne ins Meer und verschmutzen rund 400 Kilometer Küste. Zehntausende Seevögel verendeten qualvoll. Tierschützer schätzten ihre Zahl sogar auf mehrere Hunderttausend.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Ein Berufungsgericht hatte Total, die italienische Schiffsklassifikationsgesellschaft Rina sowie den Schiffseigner und den Schiffsmanager 2010 zu Schadenersatz und Strafzahlungen in Höhe von mehr als 200 Millionen Euro verurteilt.

Die Richter warfen den Beteiligten Fahrlässigkeit im Umgang mit dem Tanker vor. Nach Expertengutachten war die innere Struktur des mehr als 20 Jahre alten Schiffes von Rost zerfressen. Dem schweren Sturm am 12. Dezember 1999 hielt es deswegen nicht Stand.

Für die Geschädigten hat das Urteil vor allem eine symbolische Bedeutung. Der Ölkonzern Total, der die "Erika" gechartert hatte, sicherte schon vor Monaten zu, die gezahlte Schadensersatzsumme von 171 Millionen Euro nicht zurückzufordern. Auch die 200 Millionen Euro für die Küstenreinigung sollen Bestand haben. Dem Unternehmen ging es nach eigenen Angaben nur darum, die Rechtslage zu klären.

Die "Erika" war in der sogenannten ausschließlichen Wirtschaftszone Frankreichs gesunken. Sie schließt an die Zwölf-Seemeilen-Zone - das sogenannte Küstenmeer - an und reicht seewärts bis maximal 200 Seemeilen Entfernung zur Küste.

Umweltschützer und die betroffenen Gemeinden zeigten sich erleichtert über das Urteil des Kassationshofes. "Eine andere Entscheidung wäre katastrophal gewesen", sagte der deutsche Greenpeace-Experte Jörg Feddern der dpa.

Die Verantwortlichen müssten auch nach Unglücken außerhalb der Territorialgewässer zur Verantwortung gezogen werden können. Ölkonzerne seien dafür verantwortlich, ein ordentliches Schiff zu chartern, meinte Feddern. "Das ist ein Sieg auf der ganzen Linie", kommentierte die Anwältin mehrerer Küstengemeinden, Corinne Lepage. (dpa)

Total zum Unglück, engl.

Dossier des Generalanwalts zum Unglück, frz.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren