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Pro & Contra

31.08.2014

Ice Bucket Challenge auf Facebook: Muss ich da mitmachen?

Die "Ice Bucket Challenge" nimmt kein Ende. Auch Helene Fischer hat sich nass gemacht.
Foto: Screenshot AZ/ Facebook Helene Fischer

Über die Ice Bucket Challenge auf Facebook wird seit Wochen diskutiert. Nerviger Gruppenzwang oder sinnvoller Spendenaufruf? Zwei unserer Reporter erklären ihren Standpunkt.

Prominente, Freunde, oder gar jemand aus der eigenen Familie? Von irgendjemandem hat doch jeder schon ein Video von der Ice Bucket Challenge auf Facebook gesehen. Und irgendwann ist es dann soweit: Man wird selbst nominiert. Dann stellt sich die Frage, ob man lieber mitmacht oder die Herausforderung ablehnt. Wir haben zwei Meinungen gesammelt, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

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Ja, ich habe es getan. Ich habe mich nass gemacht. Genauso wie Facebook-Chef Mark Zuckerberg, wie Microsoft-Gründer Bill Gates, wie Bayern-Spieler Bastian Schweinsteiger, wie hunderte Prominente und viele meiner Freunde. Ja, ich habe mich der Ice-Bucket-Challenge gestellt, jener ominösen Eiswette, die gerade durch die Facebook-Welt geistert. Ich habe mir Eiswasser über den Kopf gekippt und mich dabei filmen lassen.

Und ja, ich kann sie hören, all die Warmduscher und Weltverbesserer, die sich über den idiotischen Gruppenzwang empören, über die Selbstdarstellung im Netz und die sinnlose Wasserverschwendung. Und soll ich Ihnen was sagen: Sie liegen falsch! Weil es eben nicht nur um eine Eisdusche geht. Es geht um die Sache, die dahintersteht. Und die ist so wichtig, dass sie jede Aufmerksamkeit verdient. Bis vor ein paar Wochen wusste ich kaum etwas über die tödliche Nervenkrankheit ALS. Sicher, man hat vom Physik-Genie Stephen Hawking gehört oder vom Maler Jörg Immendorf, der daran gestorben ist.

Aber was „Amyotrophe Lateralsklerose“ bedeutet, war mir nicht klar. Die Wette hat das geändert. Ich habe Artikel darüber gelesen, mit Kollegen und Freunden diskutiert, ich habe von Schicksalen erfahren und davon, wie wenig die Krankheit erforscht ist. Darum habe ich mir eben nicht nur Eiswasser über den Kopf geschüttet – sondern auch gespendet, so wie es wohl die meisten tun. Weil so eine ungewöhnliche Wette mehr Effekt hat, als ein einfacher Spendenaufruf. Das zeigen die Zahlen: Die Berliner Charité bekommt derzeit 2000 Spenden am Tag. Die ALS Association hat 95 Millionen Dollar eingenommen – in einem Monat. Geld, mit dem geforscht werden kann. Geld, das wichtig ist. Was kümmert mich da der Gruppenzwang!

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Jetzt ist es also soweit. Nach Bill Gates, Marc Zuckerberg, Helene Fischer und dem restlichen Reigen an A- bis Z-Promis hat es auch meine Freunde erwischt. Geschätzte Mitmenschen schütten sich reihenweise Kübel mit Eiswasser über die Rübe, filmen sich dabei mit ihrem Handy – und heraus kommen hunderte idiotische Facebook-Videos. Es nimmt einfach kein Ende. Am Anfang ging es bei der Ice-Bucket-Challenge noch um Spenden, vielleicht sogar um Spaß. Jetzt geht es nur noch um Dazugehören und Abhaken – und vor allem um Selbstdarstellung.

Ich möchte weder Helene Fischer sehen, wie sie sich in weißem Sport-BH mit Wasser überschüttet, noch Verona Pooths nackte Brust, die „aus Versehen“ beim Kübeln aus dem Spaghetti-Top rutscht. Das ist peinlich. Und es nervt mittlerweile einfach so sehr. Nun könnte der ein oder andere natürlich sagen: Du bist ja nicht gezwungen, die Videos zu gucken. Aber doch, ich muss. Ich kann nicht anders. Mittlerweile laufen die Videos bei Facebook ja schon in der Vorschau automatisch los. Sogar Zeitungen und Fernsehshows sind voll davon.

Und, ja, manchmal lockt mich auch die Fremdscham. Zuzuschauen, wie Leute da stehen und immer wieder dieselbe Pointe abliefern. Wie das Video dann im Nichts endet und man aufs Display glotzt und nicht weiß, was man denken soll. Dann scrollt man runter und schon wieder steht da jemand mit Eimer und findet sich witzig. Das Netz ist voll mit Filmchen, die weder kreativ noch lustig sind – geschweige denn irgend einem guten Zweck dienen. Schließlich redet kaum noch jemand in seinem Video von der Nervenkrankheit ALS, um die es ja eigentlich gehen soll. Mein Vorschlag: Video weglassen und einfach spenden. Spart Peinlichkeiten und Wasser.

Bill Gates
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Foto: Screenshot AZ/youtube
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