Newsticker
Koalitionsverhandlungen von SPD, FDP und Grünen sollen Donnerstagnachmittag starten
  1. Startseite
  2. Panorama
  3. Interview: Hardy Krüger jr. über sein Leben: "Ich habe meinen Hafen gefunden"

Interview
13.10.2021

Hardy Krüger jr. über sein Leben: "Ich habe meinen Hafen gefunden"

Hardy Krüger jr. und seine Frau bei einer Wohltätigkeits-Gala.
Foto: Jens Kalaene, dpa

Schauspieler Hardy Krüger jr. hat ein Buch über sein Leben geschrieben. Und das hatte viele Wendepunkte. Nach schwierigen Zeiten kann er heute wieder sagen: Mir geht es gut!

Herr Krüger, wo fühlen Sie sich eigentlich am wohlsten?

Hardy Krüger jr.: Eigentlich zu Hause in Berlin. Da lebe ich seit drei Jahren und fühle mich da wirklich wohl.

Sie haben jetzt ein sehr persönliches Buch geschrieben, in dem Sie wichtige Abschnitte Ihres Lebens schildern. Gab es einen speziellen Anlass dafür?

Krüger: Na ja, das kam so, dass mein Debütroman „Der leise Ruf des Schmetterlings“ auch einige biografische Züge hatte. Später kam der Verlag auf mich zu und fragte mich, ob ich nicht mal Lust hätte, etwas über mein Leben zu schreiben.

Wie lange haben Sie dann geschrieben?

Lesen Sie dazu auch

Krüger: Das hat alles in allem etwa ein Jahr gedauert.

Sie bezeichnen sich in dem Buch – „Wendepunkte“ – als Weltenbürger. Wie darf man das verstehen?

Krüger: Dass ich schon in meiner Kindheit wahnsinnig viel unterwegs gewesen bin. Immer wieder neue Orte, neue Schule, neue Freunde. Das war mein Leben. Früh war ich in den USA, habe da eine Ausbildung gemacht. Zurück in Deutschland startete ich meine Schauspielkarriere und habe mit der Serie „Gegen den Wind“ auch einen ziemlichen Hype erlebt. Daraufhin wurde ich für internationale Filme gebucht und war unterwegs. Auch als Unicef-Botschafter kam ich viel herum in der Welt, in Laos, Thailand und weiß Gott noch wo.

Was sind Ihre stärksten Erinnerungen an Ihre Kindheit?

Krüger: Lugano und Afrika, wo wir ein Anwesen hatten. Aber auch Madrid, Berlin oder der Chiemsee waren wichtig. Das waren immer Wendepunkte in meinem Leben.

Was haben Sie am Chiemsee gemacht?

Krüger: Da war ich im Internat. Ich habe sehr positive Erinnerungen daran, weil ich da viele Schlüsselerlebnisse für mein Leben erfahren habe.

Welche?

Krüger: Erst mal habe ich mich dort von daheim abgenabelt. Ja, man ist im Internat weit weg von der Familie und führt sein eigenes Leben.


Hardy Krüger senior ist heute 93 Jahre alt.
Foto: Axel Heimken, dpa

Sie hatten trotzdem eine privilegierte Kindheit als Sohn eines Weltstars.

Krüger: Privilegiert insofern, als dass ich sehr viel gesehen habe. Alles andere drumherum ist für ein Kind eher schwierig. Dieses unstete Leben der Krüger-Karawane, wie wir das genannt haben, ist für ein Kind belastend. Heute sehe ich das allerdings positiv, weil ich früh gelernt habe, mich gut zu organisieren. Und ich weiß, dass man sich nicht zu sehr an Orte und Menschen gewöhnen sollte, weil man sie irgendwann sowieso wieder verlassen muss.

Wie gelingt es einem mit so einem berühmten Vater, nicht abgehoben zu werden?

Krüger: Diese Gefahr bestand nie. Ich bin ein sehr bodenständiger Mensch, der früh sein Geld selbst verdient hat. Auch mein Studium habe ich selbst finanziert. Ich lebe ja nicht nur von der Schauspielerei. Ich habe immer mein Geld selbst angelegt, bin nach wie vor Gastronom, schreibe Bücher, spiele Theater, bin Fotograf, male Bilder, mache halt tausend Sachen. Ich würde mein Leben immer eher mit Bodenständigkeit als mit einer abgehobenen Roten-Teppich-Welt in Verbindung bringen.

Mögen Sie keine „roten Teppiche“?

Krüger: Ich liebe meinen Beruf, aber alles drumherum brauche ich überhaupt nicht. Nur leider kommt man da nicht drumherum. Aber auch das habe ich in meiner Kindheit schon gelernt. Meine eigene Familie dagegen musste es lernen, in der ersten Reihe zu stehen, und das kann bisweilen auch ganz schön anstrengend sein.

Hardy Krüger jr. in jüngeren Jahren mit seinem Vater.
Foto: Jens Kalaene, dpa

Sie schreiben, Sie hätten nie in Ihrem Leben den Wunsch gehabt, irgendwo heimisch zu werden.

Krüger: Mittlerweile bin ich in Berlin angekommen. Ich habe eine wunderbare Frau, dank der ich sesshaft geworden bin. Ich habe meinen Hafen gefunden. Das unstete Leben ist durch die Pandemie ziemlich ausgebremst worden. Und ich bin sehr glücklich darüber.

Wie sind Sie in Berlin gelandet?

Krüger: Meine Frau kommt aus Berlin-Köpenick. Und für einen Künstler ist Berlin besser als Österreich, wo ich vorher gelebt habe. Für mich als Künstler ist Berlin die Stadt, wo man einfach sein muss.

Weil?

Krüger: Weil in der Stadt, egal ob in der Kunst-, Film- oder Theaterszene, einfach mehr passiert als in München oder Hamburg oder sonst irgendwo.

Heimat ist für viele Menschen ein Ort. Was würden Sie als „Heimat“ bezeichnen?

Krüger: Ganz einfach: Heimat ist der Ort, an dem man geliebt wird.

Also im Prinzip die Familie.

Krüger: Würde ich auch sagen.

Als Ihr kleiner Sohn vor einigen Jahren am plötzlichen Kindstod starb, hat vermutlich Ihre innere Heimat einen Knacks bekommen. Sie sagten mal, Sie seien daran fast zerbrochen.

Krüger: Na ja, das spielt schon noch eine große Rolle. Das hatte viele Konsequenzen für mein Leben. Ich gehe heute viel dankbarer und achtsamer mit meinem Leben um. Ich lebe bewusster, weil man nach einem solchen Schicksalsschlag begreift, dass das alles relativ schnell vorbei sein kann. Der Tod kann aus heiterem Himmel kommen.

Sie sagen auch, Sie hätten sich damals fast totgesoffen.

Krüger: Mir geht es heute gut. Ich hatte eine sehr schwierige Zeit und bin vom Alkohol nur wieder losgekommen, weil ich Hilfe in Anspruch genommen habe und drei Entzüge hinter mir habe. Das ist jetzt sieben Jahre her. Heute lebe ich ein gesundes Leben und bin sehr stabil. Ich habe eine wunderbare Frau an meiner Seite, die solidarisch auch dem Alkohol abgeschworen hat und jetzt nicht mal mehr ein Glas Wein trinkt. Das ist ein Segen für einen, der das alles hinter sich hat.

Was waren weitere Wendepunkte in Ihrem Leben?

Krüger: Och, da gibt es so viele. Jetzt ist ein Wendepunkt die Pandemie gewesen – weil wir da begriffen haben, was wir eigentlich brauchen, um glücklich zu sein. Was wir Überflüssiges an Ballast einfach wegwerfen können. Wir haben begriffen, dass es im Leben nicht viel braucht, um glücklich zu sein. Darum leben wir heute ruhiger und besonnener.

Zur Person: Hardy Krüger jr. wurde 1968 in Lugano in der Schweiz geboren und wuchs in Tansania und Bayern auf. Sein Vater ist der weltberühmte Schauspieler und Schriftsteller Hardy Krüger. Er selbst spielte in Erfolgsserien wie „Gegen den Wind“ und „Forsthaus Falkenau“ oder im Film „Stauffenberg“ mit. Er ist in dritter Ehe verheiratet.

Hardy Krüger jr.: Wendepunkte. Wie ich Kraft aus der Veränderung geschöpft habe. Gräfe und Unzer, 216 Seiten, 19,99 Euro. Das Buch erscheint am 1. November.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.