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Interview
05.04.2018

Hundegutachter erklärt, warum Kampfhunde keine Ungeheuer sind

Der Staffordshire-Terrier gehört in Deutschland zu den gelisteten Kampfhunden. Trotzdem sind sie keine Ungeheuer.
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Der Staffordshire-Terrier gehört in Deutschland zu den gelisteten Kampfhunden. Trotzdem sind sie keine Ungeheuer.
Foto: Rainer Jensen, dpa (Symbolbild)

In Hannover soll ein Hund seine Halter totgebissen haben. Wurde das Tier falsch gehalten? Ein Sachverständiger erklärt, unter welchen Umständen Hunde gefährlich werden.

Nicht jeder Hund ist so clever wie Kommissar Rex oder so mutig und hilfsbereit wie Lassie. Immer wieder sorgen Hundeattacken für Schlagzeilen. Seit ein Staffordshire-Terrier aus Hannover unter Verdacht steht, eine Mutter und ihren Sohn totgebissen zu haben, lässt die Angst vor der nächste Begegnung mit einem Kampfhund viele Menschen zusammenzucken. Warum Schweißausbrüche und Angstattacken allerdings trotzdem fehl am Platz sind, erklärt der staatlich vereidigter Gutachter für Hunde, Anton Spindler.

Seit ein Staffordshire-Terrier unter Verdacht steht, in Hannover eine Frau und ihren Sohn totgebissen zu haben, ist die Empörung groß. Herr Spindler, wie kann es zu einem solchen Vorfall kommen?

Anton Spindler: Jeder Zwischenfall mit Hunden, egal ob groß oder klein, ist schlimm und tragisch. Die entscheidende Frage bei einer Tragödie, wie sie in Hannover stattgefunden hat, ist aber in erster Linie, wie sie passieren konnte. Denn das Umfeld und die Haltungsbedingungen können das Verhalten eines Hundes sehr stark beeinflussen.

Sind Kampfhunde denn aggressiver?

Spindler: Auffälligkeiten beim Hund hängen nicht zwangsläufig mit der Rasse zusammen. Trotzdem geht von größeren Hunden natürlich ein höheres Risiko aus. Ihre Haltung kann aber eindeutig als Ursache für ein aggressives und auffälliges Verhalten verantwortlich gemacht werden: Wenn man verantwortungslos mit Hunden umgeht, können auch kleinere Tiere oder Mischlingsrassen eine Gefahr darstellen.

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Welche Handhabe bleibt den Behörden nach einem Vorfall?

Spindler: Wird beispielsweise ein Beißvorfall durch eine Anzeige bei der Polizei bekannt, haben die Behörden eine sehr große Verantwortung. Im Normalfall muss dann eine Überprüfung des Hundes durch einen unabhängigen Gutachter durchgeführt werden. Dieser kann sowohl den Hund als auch die Haltungsbedingungen einschätzen und richtig einordnen.

Und wie?

Spindler: Dabei spielt immer eine entscheidende Rolle, in welchem Rahmen die Auffälligkeiten beim Hund vorliegen. Es muss zum Beispiel unterschieden werden, ob Probleme im Umgang mit anderen Hunden oder im Kontakt zu Menschen vorliegen. Ein solches Verhalten ist oftmals auf die Erziehung des Hundes zurückzuführen. Nach einer Einschätzung des Tieres gilt es, den Auffälligkeiten möglichst gezielt entgegenzuwirken, um die Sicherheit von Halter und Allgemeinheit zu garantieren. Zum Beispiel durch einen Leinen- und Maulkorbzwang oder den Besuch einer Hundeschule.

Brauchen Hundehalter für bestimmte Rassen eine Halteerlaubnis?

Spindler: In Bayern gibt es die sogenannten Listenhunde, die in zwei Kategorien eingeteilt werden. Der Staffordshire-Terrier fällt in die Kategorie I, für die eine Halteerlaubnis erforderlich ist. Die Bedingungen dafür unterscheiden sich von Stadt zu Stadt. Im Raum Augsburg ist es nur sehr schwer möglich, eine solche Erlaubnis zu erhalten. Nur ein Halter, der das nötige Wissen hat, um artgerecht mit dem Hund umzugehen, kann überhaupt eine solche Genehmigung erhalten – etwa ein Hundetrainer.

Und in welchen Fällen wird ein Wesenstest beim Hund durchgeführt?

Spindler: Zum Beispiel bei Hunden der Kategorie II. Beim Kauf eines Rottweilers oder eines American Bulldog also ist der Halter verpflichtet, den Hund anzumelden und einen Wesenstest durchführen zu lassen. Es wird ein vorläufiger Test gemacht, der wiederholt wird, wenn der Hund 18 bis 24 Monate alt ist. Der Gutachter überprüft zusätzlich die Haltungsbedingungen.

Wie sollte man sich verhalten, wenn man einem Kampfhund begegnet?

Spindler: Bei der Begegnung mit einem Kampfhund ist keine größere Vorsicht geboten als bei anderen Hunden. Genau aus diesem Grund wird schließlich eine Überprüfung des Hundes vorgenommen. Damit wird sichergestellt, dass er verantwortungsbewusst gehalten wird und über die erforderliche soziale Ausprägung verfügt.

Wenn man aber Angst hat?

Spindler: Sollte man als Fußgänger einem Kampfhund begegnen, sollte man sich möglichst normal verhalten. Im Raum Augsburg kommt es wegen der bayerischen Kampfhundeverordnung nur äußerst selten zu Unfällen. Jeder auffällige Hund wird überprüft.

Anton Spindler ist öffentlich bestellter Sachverständiger der Regierung Schwaben und der IHK. Als Gutachter überprüft er Hunde im Hinblick auf ihre Aggressivität und Gefährlichkeit. Außerdem umfasst seine Tätigkeit die Beratung für die Haltung, Ausbildung, Erziehung und Gesundheit von Hunden. Zusätzlich ist Spindler beim Deutschen Rottweiler-Klub (ADRK) als Sport- und Zuchtrichter im Einsatz.

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