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04.12.2015

"Islamischer Adventskalender" löst Shitstorm gegen Lindt aus

Dieser Aventskalender der Firma Lindt & Sprüngli wird derzeit auf Facebook kontrovers diskutiert.
Bild: Lindt

Weil ein Lindt-Adventskalender vermeintlich eine Moschee zeigt, empören sich zahlreiche Nutzer auf der Facebook-Seite der Firma. Dabei gibt es den Kalender bereits seit Jahren.

Normalerweise sollte ein Produkt, das seit über zehn Jahren auf dem Markt ist, nicht mehr für großen Wirbel sorgen. Im Fall eines Lindt-Adventskalenders ist das Gegenteil der Fall. Mehr noch, das Unternehmen musste nicht einmal einen eigenen Beitrag verfassen, um in einen Shitstorm samt Boykottaufrufen zu geraten.

Die Empörten sammelten sich stattdessen in den Kommentarspalten anderer Beiträge. Ausgangspunkt war ein Beitrag auf dem rechtspopulistischen Blog PI-News, der verkündete: "Lindt islamisiert den Advent".

Lindt-Adventskalender: Viel Lärm um nichts

Zugegeben, mit seinen orientalischen Gebäuden und Verzierungen kommt der Adventskalender durchaus etwas ungewöhnlich daher. Statt häufig verwendeten Motiven wie einer Krippe oder dem Weihnachtsmann zeigt er die Heiligen Drei Könige, die sich durch den Stern von Betlehem zum Geburtsort Jesu führen lassen.

Dass die drei Weisen, die in der Bibel Gold, Weihrauch und Myrrhe an die Wiege Jesu bringen, aus dem Morgenland kamen, scheinen viele der wütenden Kommentatoren vergessen zu haben. Stattdessen vermuten sie hinter dem Kalender "1001 Weihnachts-Traum" eine Islamisierung des Weihnachtsfestes. So schreibt der Facebook-Nutzer Alexander Gluschke: "Islam und Weihnachten zusammen in den Handel bringe... ihr habt doch ein an der Waffel.."

Michael Nitsche schlägt noch härtere Töne an:"Werbung für eine archaische Gesellschaftsordnung "ISLAM", in der Frauen gesteinigt werden, wenn sie angeblich fremd gegangen sind - Finde ich GESCHMACKLOS. Ich kaufe keine LINDT Schokolade mehr! Das sollten sich andere Kunden auch überlegen."  Viele weitere Nutzer stimmen in den Chor der Empörten mit ein, nicht wenige riefen gar zum Boykott aller Lindt-Produkte auf.

Die Facebook-Userin Sandra Fischer kommentierte: "Aus meiner Kindheit kenne ich Adventskalender mit Häusern und Kirchen - und zu Heiligabend schaute man durch die Kirchentür auf eine Krippe. Das finde ich angemessen. Eine Moschee nicht."

Lindt-Sprecherin äußert sich zu Shitstorm

Dass das abgebildete Gebäude bei genauerer Betrachtung keine Moschee, sondern einen Sultanspalast darstellt und christliche Kirchen vor Jesu Geburt eher selten gewesen sein dürften, scheint den wütenden Mob dabei nicht zu interessieren. Eine Sprecherin von Lindt & Sprüngli äußerte sich gegenüber AZ Online schockiert über den antiislamischen Hassbotschaften auf der Facebook-Seite. Diese Reaktionen zeigten die "angespannte Stimmung, die derzeit in Europa herrscht", und hätten mit dem Adventskalender selber wenig zu tun.

Auf die Facebook-Kommentare antwortet Lindt: "Die Verpackung stellt eine Visualisierung der damaligen lokalen Lebensumstände dar." Dazu gehöre auch die Architektur und Kultur, wie diese in der orientalischen Welt zu Christi Geburt gewesen sein könnte.

Neben den negativen Kommentaren gab es jedoch auch viele Facebook-Nutzer, die sich mit dem Schokoladenhersteller solidarisierten. Sie machten die Verfasser der Hass-Kommentare auf die Unsinnigkeit ihrer Aussagen und deren eigenes Unwissen über die christlichen Traditionen aufmerksam. Die meisten nahmen die Boykott-Aufrufe mit Humor: "Wie gut, dass nun viele der "besorgten Bürger" auf Schokolade von Lindt verzichten. Dann bleibt ja jetzt mehr für mich übrig ..." , schrieb beispielsweise eine Facebook-Nutzerin.

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