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Porträt
20.10.2021

Der Neue bei "Bild": Das ist Johannes Boie, der auf Julian Reichelt folgt

Johannes Boie ist der Nachfolger von Julian Reichelt bei Bild.
Foto: Screenshot Phoenix auf YouTube

Johannes Boie ersetzt Julian Reichelt als Bild-Chefredakteur. Der 37-Jährige tritt leiser auf als sein Vorgänger, die Richtung der Zeitung dürfte sich unter ihm aber kaum ändern.

Julian Reichelt hat die Bild mit einem Knall verlassen – sein Nachfolger als Chefredakteur, Johannes Boie, trat sein Amt dagegen so an, als wolle er sich sogleich als Anti-Reichelt positionieren: leise und zurückhaltend, auf Effizienz bedacht, nicht auf den großen Auftritt. Fünf Minuten dauerte seine Antrittsrede in der Redaktion der größten Boulevardzeitung des Landes, berichtet der Branchendienst Medieninsider. „Mir ist wichtig, dass wir wieder mehr Schlagzeilen machen, als Schlagzeile zu sein“, betonte der 37-Jährige demnach – und spielte damit auf die Entlassung von Reichelt an. Der Berliner Axel-Springer-Verlag hatte den Journalisten am Montag „mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden“. Reichelt habe Berufliches und Privates nicht ausreichend getrennt, heißt es zur Begründung. Ein Artikel in der New York Times und Recherchen von Redakteuren des Ippen-Verlages zeichnen das Bild einer problematischen Führungskultur. Es soll um Affären am Arbeitsplatz gehen, um Machtmissbrauch und das Ausnutzen von Abhängigkeitsverhältnissen.

Johannes Boie soll nun wieder Ruhe in die Bild-Redaktion bringen, außerdem eine andere, modernere Führungskultur. „Ich muss naturgemäß von Ihnen und von euch allen lernen“, zitiert Medieninsider den Journalisten, der bis Anfang der Woche noch Chefredakteur der Welt am Sonntag war.

Johannes Boie ist als Bild-Chefredakteur der Nachfolger von Julian Reichelt

Boie gilt als ruhig, zurückhaltend und überlegt. Lange Jahre arbeitete er abseits des Boulevard-Journalismus, schrieb neun Jahre für die Süddeutsche Zeitung, zunächst als Volontär, dann als Reporter und Redakteur. Ab 2011 leitete er die digitale Ausgabe der SZ. Zwei Jahre lang arbeitete er danach als Referent von Mathias Döpfner, dem Vorstandsvorsitzenden des Springer-Verlages. Mit Boie habe Döpfner nun wieder einen treuen, kontrollierbaren Mitarbeiter an der Bild-Spitze etabliert, heißt es deshalb auch in Medienkreisen.

Dass Boie leiser ist als Reichelt, heißt nicht, dass er meinungsschwach wäre. Und wie es sich für die Springer-Gruppe gehört, sind seine Meinungen oft kontrovers. In Kommentaren bezeichnete Boie in der Welt den YouTuber Rezo als „Journalistendarsteller“, stellte die Rolle der öffentlich-rechtlichen Rundfunksender ARD und ZDF infrage oder forderte von Heiko Maas nach dem Afghanistan-Abzug den Rücktritt.

Bild steht mit Johannes Boie vor einem Kulturwandel

Boie gilt als konservativ, in seinen letzten Kommentaren für die Welt am Sonntag richtete er sich gegen die geplante Koalition von SPD und Linken in Mecklenburg-Vorpommern oder gegen überbordende politische Korrektheit. Zur Position seiner neuen Redaktion sagte er in der Antrittsrede: „Ich glaube, dass Bild mit großer Härte auch die Politik attackieren und angreifen muss, wie das auch in letzter Zeit immer wieder passiert ist.“

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Die Bild dürfte also nach außen nicht gerade zurückhaltender werden – der Redaktion selbst steht aber ein Kulturwandel bevor, zumindest wenn man Verlagschef Döpfner Glauben schenken will. In einem auf YouTube veröffentlichten Video an die Belegschaft kündigte er große Veränderungen an. Bild habe ein Kulturproblem, betonte er. „Deswegen müssen wir hier auch sehr schnell noch viel grundlegender an der Modernisierung und Veränderung unserer Kultur im Sinne von Respekt arbeiten.“ Der Springer-Chef bat die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, sich im Zusammenhang mit Machtmissbrauch und bei nicht respektvollem Umgang im beruflichen Miteinander zu melden, offen zu sprechen und „keine Angst zu haben“.

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20.10.2021

Dass BILD zur Steigerung der verkauften Auflage über jedes vermeintliche Sex-Skandälchen im Rotlicht-Milieu berichtet, sich über die "Verhältnisse" des offenbar omni-"potenten" Julian Reichelt und die Zustände in dessen Chefetage aber beharrlich ausschweigt, ist schon seltsam.

Noch zwielichtiger und widerlicher ist nur das Verhalten der Medienzampanos Mathias Döpfner (Springer) und Dirk Ippen (Ippen Media).

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20.10.2021

Witzige Idee, ausgerechnet Gabor Steingart zu zitieren, der selbst Teil des Springer-Imperiums ist. Der muss es ja wissen, in "seinem" Medium tritt im Wechsel das Personal von Bild und Welt auf. Um überdrehte Bilder und Worthülsen nie verlegen schafft er es so kostenlos auch noch in die AZ.

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