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Tatort-Kolumne

06.12.2020

Jubiläums-"Tatort", Teil zwei: Batic und Leitmayr dürfen mal ganz anders sein

Die Tatort-Kritik zur Fortsetzung der Jubiläumsfolge "In der Familie" stammt in dieser Woche von Ronald Hinzpeter.
Bild: Montage: AZ

Die Fortsetzung von "In der Familie" ist stimmiger geraten als der Auftakt. Nun ist der Schauplatz München. Warum diese "Tatort"-Folge unbedingt sehenswert ist.

Am Anfang war die Leiche. Insofern ist der Tatort heute, der zweite Teil von „In der Familie“ ein ganz normaler Fall – Jubiläum hin oder her. Doch dann darf kein Gerichtsmediziner dialektelnd erklären, woran das Opfer dieser italienischen Waterboarding-Variante in einem Wildbach wirklich gestorben ist. Macht der Kalli. Und auch seine Chefs Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) müssen sich nicht als das beste alte Ehepaar unter den TV-Ermittlern ständig anzicken.

Das war Folge eins: Nora Dalay (Aylin Tezel) geht ein hohes persönliches Risiko ein und steht unter Druck bei den Ermittlungen mit (von links) Peter Faber (Jörg Hartmann), Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl).
Bild: Frank Dicks/WDR, dpa

Kein business as usual also – wie es sich eben für eine Jubiläumsproduktion gehört. Dieser zweite Teil des ’Ndrangheta-Dramas um eine kleine Familie in den Fängen der großen Mafiafamilie (Regie: Pia Strietmann) ist deutlich stimmiger geraten als der erste, den ausgerechnet der ansonsten zuverlässig gute Dominik Graf zu verantworten hatte.

Jubiläums-"Tatort": Die Dortmunder "Tatort"-Ermittler haben alles vermasselt

Am vergangenen Sonntag drehten sich die Ermittlungen um ein gesichtsloses Italo-Restaurant in Dortmund, das als Kokain-Umschlagplatz für das kalabrische Organisierte Verbrechen diente. Das zerfahrene Dortmunder Ermittlerteam um den seelisch instabilen Peter Faber (Jörg Hartmann) vermasselte es dann auch gründlich. Am Ende lag die Frau des Pizzabäckers tot in der Gaststube.

Die Handlung des zweiten Teils setzt rund ein halbes Jahr später in München ein. Der Koks-Gastronom und seine Tochter sind zusammen mit dem süditalienischen Halunken Pippo (Emiliano de Martino als aufgeblasener Widerling) in München untergeschlüpft – und erledigen Drecksarbeit für den örtlichen Paten. Es geht um Schiebereien im Münchner Baugewerbe und darum, wie ein örtlicher Großunternehmer für die ’Ndrangheta Geld waschen soll.

Szene aus der zweiten Folge: Sofia Modica (Emma Preisendanz) hat ihr altes Leben hinter sich gelassen. Pippo Mauro (Emiliano De Martino) hat sie nun fest im Blick.
Bild: Hagen Keller/BR/WDR/X Filme Creative Pool GmbH, dpa

Was eine Story über Korruption in hohen und höheren Kreisen hätte werden können, entpuppt sich als sehr persönliches Drama, in dem Sofia, die Tochter des kriminellen Pizzabäckers die zentrale Rolle einnimmt. Emma Preisendanz spielt so berührend wie beklemmend das verzweifelte, aber schon reichlich hart gewordene 17-jährige Mädchen, das eigentlich nur wissen will, was mit seiner Mutter geschehen ist. Diese dunklen, durchdringenden Augen lassen einen bis zum Schluss nicht mehr los.

"Tatort"-Folge "In der Familie": Leitmayr schaut so finster wie der Mafia-Pate

In dieser Folge regiert die Angst, die manchmal nur mit knappen Gesten und beiläufigen Worten geschürt wird. Doch so finster und bedrohlich gucken wie der Pate, das kann Leitmayr schon lange. Ach ja, da die Doppelfolge zwei Ermittlerteams zusammenspannt: Faber darf in Oberbayern das ungebetene Gast-Raubein aus dem Pott geben und schöne zynische Bemerkungen fallen lassen, auch über die „Seppel“. Dafür hatten ihm die Münchner bei ihrem Besuch in Dortmund die BVB-Tasse geklaut. 1:0 für München, ganz klar.

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