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Jüdische Kultur
30.08.2019

Schlamassel, Zoff, mies: Diese Worte stammen aus dem Jiddischen

Viele Wörter, die wir ganz alltäglich verwenden, stammen ursprünglich aus dem Jiddischen.
Foto: Uli Deck, dpa (Archiv)

Manchen Worten sieht man ihre Verbindung zur jüdischen Kultur gleich an. Wieder andere verwenden wir täglich, ohne ihre Herkunft zu kennen. Ein Überblick.

Es gibt Wörter, denen ist ihre Verbindung zur jüdischen Kultur und die Herkunft aus dem Jiddischen gleich auf den ersten Blick anzusehen. Wenn uns etwas "nicht ganz koscher" vorkommt, zum Beispiel, wir es also merkwürdig oder komisch finden. Wenn wir jemanden als "meschugge" bezeichnen, weil wir sein Verhalten verrückt finden. Oder wenn jemand mit "Chuzpe" vorgeht, also auf charmante Weise ziemlich dreist ist.

Viele Alltagsworte stammen aus dem Jiddischen

Bei vielen Worten und Redewendungen, die wir alltäglich benutzen, ist uns ihre jiddische Herkunft jedoch nicht bewusst. Oder hätten Sie gewusst, dass die Worte "Zoff", "Schlamassel" und "schmusen" sich aus dem Jiddischen ableiten?

Eine Auswahl bekannter Ausdrücke und deren Herkunft finden Sie hier:

ausbaldowern Jemand, der etwas ausbaldowert, der heckt etwas aus, schmiedet einen Plan. Das Wort stammt ursprünglich vom Jiddischen "baal dawar" ab, was soviel heißt wie "Herr der Sache".

Ganove Ein Taschendieb, ein Trickspieler, ein Betrüger: Sie alle bezeichnen wir als Ganoven. Auch dieses Wort stammt aus dem Jiddischen: "ganew" heißt übersetzt "Dieb".

Es zieht wie Hechtsuppe Die Tür steht sperrangelweit offen, ein kalter Windhauch zieht durch den Raum und wir Deutschen vergleichen die Situation mit Hechtsuppe. Doch weder ein Fisch noch eine angenehm wärmende Suppe haben damit etwas zu tun. Die Redewendung leitet sich vom Hebräischen Begriff "hech supha" ab, was so viel wie "starker Sturm" heißt.

dufte Wenn wir etwas dufte finden, dann sind wir der Meinung, das ist ganz wunderbar, hervorragend. Hintergrund ist der jiddische Begriff "tow", der schlichtweg "gut" bedeutet.

mies Miese Qualität, miese Masche, mies gelaufen: Was mies ist, ist schlecht, gemein, bösartig, schlimm. Seinen Ursprung hat das Wort im jiddischen "miuss". Auch dort heißt es "schlecht".

Tacheles reden Die Diskussion zieht sich schon über Tage, kein Ende in Sicht. Wem es reicht, der verlangt: "So, jetzt reden wir mal Tacheles!" Tacheles ist keine Fremdsprache, sondern heißt so viel wie offen sprechen, Klartext reden. Der Begriff geht auf das jiddische "tachlis" zurück, das "Endzweck" oder "Vollkommenheit" bedeutet.

Zoff Mit dem Chef, dem Nachbarn oder der Ehefrau: Wer sich zofft, der streitet, der hat Ärger. Ursprung hat der Begriff im hebräischen Begriff "sof", der auch im Jiddischen verwendet wird und "Ende" bedeutet. Die Bedeutungsänderung wird auf den jiddischen Ausdruck "mieser soff" zurückgeführt, was "böses Ende" heißt.

Schlamassel Wenn etwas gar nicht so läuft, wie geplant und sich die Situation als ziemlich verfahren herausstellt, kommt uns gern das Wort Schlamassel über die Lippen. Der Ausdruck hat seinen Ursprung im jiddischen "schlimmasl", was "Unglück" bedeutet. Das wiederum geht auf "masel" zurück, was "Glück" bedeutet. Das kennen Sie vielleicht vom Hebräischen Glückwunsch "Masel-tov".

Ohne Moos nix los Der Begriff Moos als Name einer Pflanze stammt aus dem Germanischen. Moos als Synonym für Geld jedoch geht auf das jiddische Wort "moos" oder "moes" zurück. Dieser Begriff wiederum entstammt dem Hebräischen, wo "ma'o" soviel bedeutet wie "kleine Münzen".

Pleite Ist ein Unternehmen insolvent, titeln Medien oft mit dem Schlagwort Pleite. Das leitet sich vom jiddischen Wort "pleto" ab, das "Flucht" bedeutet. Ausgehend davon meint Pleite eigentlich die Flucht vor dem Gläubiger.

Pleitegeier Der Pleitegeier, der sprichwörtlich über zahlungsunfähigen Firmen oder Personen kreist, leitet sich ebenfalls aus dem Jiddischen ab, vom Ausdruck "pleta gejer". Ursprünglich ist damit ein Mensch gemeint, der sich davonmacht, also auf die Flucht vor seinen Gläubigern geht.

malochen Während viele die Herkunft dieses Wortes eher im Ruhrgebiet vermuten, stammt das Synonym für hart arbeiten aus dem Jiddischen. "melocho" heißt "arbeiten".

Kaff Wer durch die bayerische Provinz fährt, mag öfter mal denken "In was für einem Kaff bin ich denn hier gelandet". Gemeint ist damit eine abgelegene Ortschaft, wo absolut gar nichts los ist. Seinen Ursprung hat der Begriff im jiddischen "kefar", das schlicht "Dorf" meint.

Schmiere stehen Unter Kindern beliebt: Einer heckt einen Streich aus, der andere steht Schmiere und passt auf, dass kein Erwachsener vorbeikommt, der den ganzen guten Plan zunichte macht. Seinen Ursprung findet der Ausdruck im jiddischen Begriff "schmiro", der "Wächter" bedeutet. 

schmusen Nicht nur Verliebte schmusen miteinander, sondern auch Eltern mit ihrem Baby, Kinder mit dem Kuscheltier oder Haustierbesitzer mit Hund oder Katze.  zärtlich sein, streicheln, liebkosen; von jiddisch schmuo (Plural schmuos) = "Gerücht, Gerede, Geschwätz" über das Rotwelsche in der Bedeutung "schwatzen", "schmeicheln", "zugeneigt sein".

Hals- und Beinbruch Vor der Führerscheinprüfung, dem Vorstellungsgespräch oder einer Theateraufführung wünscht man gern "Hals- und Beinbruch" - nicht, weil man hofft, dass der Betroffene eine Fraktur erleidet, sondern als Ausdruck für "Viel Glück". Auch diese Redewendung leitet sich aus dem Jiddischen ab und ist mutmaßlich eine Verballhornung des Wunsches "hatslokhe un brokhe", was "Erfolg und Segen" heißt.

zocken Wenn im Kasino der Ruf "Alles auf Rot!" ertönt, dann ist da möglicherweise jemand im Begriff, all sein Geld zu verlieren. Zurückzuführen ist der Ausdruck auf den jiddischen Begriff "zchoken", der "spielen" heißt.

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