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Corona-Pandemie

20.03.2020

Keine einzige Neuinfektion in 24 Stunden: Ist China über den Berg?

Ihr Einsatz ist beendet: Mitarbeiter mit Mundschutzmasken aus Ostchina (in Orange) verabschieden sich in Wuhan von Mitarbeitern aus der nordwestchinesischen Provinz Qinghai. Sie arbeiteten gemeinsam im selben provisorischen Krankenhaus für Corona-Patienten. Doch dort gibt es aktuell keine Neuinfektionen mehr.
Bild: Cai Yang, dpa

Plus Erstmals seit Beginn des Corona-Ausbruchs gibt es in der Volksrepublik im Laufe von 24 Stunden angeblich keine Neuinfektionen mehr. Das bedeutet aber noch keine Entwarnung.

Es ist ein dramatischer Wendepunkt im Verlauf der Corona-Pandemie: Während die Zahl der Toten in Europa mittlerweile über den Werten Chinas liegt, vermeldete die Volksrepublik erstmals seit Beginn des Ausbruchs landesweit keine einzige Neuinfektion innerhalb eines Zeitraums von 24 Stunden. Doch das liefert der chinesischen Regierung keinen Grund zum Aufatmen. Strenge Kontrollen und Präventionsmaßnahmen seien weiter nötig, sagte der Epidemiologe Li Lanjuan. Denn eine zweite Infektionswelle könne jederzeit ausbrechen. In der vergangenen Woche vermeldete die Nationale Gesundheitskommission regelmäßig „importierte Fälle“ – also durch Rückkehrer aus dem Ausland.

Chinas Wirtschaft scheint zur Normalität zurückzukehren

Deshalb müssen sich seit Montag alle ausländischen Einreisenden für 14 Tage in „konzentrierte Quarantänezentren“ begeben. Tatsächlich handelt es sich dabei um zwei umfunktionierte Hotels, in denen die unfreiwilligen Gäste ihre Zimmer nicht verlassen dürfen – und die rund 900 Euro für ihren zweiwöchigen Aufenthalt selbst zahlen müssen.

 

Keine einzige Neuinfektion in 24 Stunden: Ist China über den Berg?

Chinas Wirtschaft scheint aber langsam wieder zur Normalität zurückzukehren: Restaurants eröffnen wieder, doch dürfen nur wenige Kunden bedient werden. U-Bahnen füllen sich ebenfalls. Temporäre Coronavirus-Krankenhäuser schließen. Vereinzelt trauen sich auch wieder Passanten ohne Gesichtsmaske auf die Straße.

In Peking zeigt sich die veränderte Situation auch im Alltag der Menschen: In den U-Bahn-Zügen ist immer wieder zu beobachten, dass etliche Passagiere ihren Sitzplatz wechseln, sobald eine europäisch aussehende Person den Waggon betritt. Auf der Straße machen einige einen großen Bogen um die „Westler“. Die Angst ist groß, dass die ausländischen Gäste das Virus in sich tragen könnten.

China scheint die Corona-Pandemie in den Griff bekommen zu haben

Wenn die Weltgemeinschaft irgendwann die Frage nach der Verantwortung stellt, dann werden Kritiker möglicherweise mit dem Finger auf die Kommunistische Partei zeigen. Das renommierte chinesische Wirtschaftsmagazin Caixin etwa berichtet, dass die staatlichen Behörden Ärzten in Wuhan befohlen hatten, Virusproben zu vernichten und die Öffentlichkeit nicht von den neuen Erregern zu unterrichten. Es hat den Anschein, als ob die Vertuschungsaktionen der Regierung insgesamt mehrere Wochen Verzögerung beim Kampf gegen das Virus gekostet haben. Ob daran die Lokalregierung von Wuhan schuld ist, wie die Zentralregierung in Peking behauptet, oder tatsächlich Präsident Xi Jinping schon viel früher von dem Virus wusste als bisher bekannt, lässt sich noch nicht abschließend sagen. Zeitversetzt hat aber auch die Leichtfertigkeit vieler Regierungen in Europa wertvolle Zeit gekostet. Vertane Zeit, die nun Menschenleben kostet.

China scheint es jedenfalls gelungen zu sein, mit großen Anstrengungen und hohen Kosten die Pandemie in den Griff zu kriegen. Dies gelang mit öffentlicher Überwachung, strengen Reise- und Quarantänebeschränkungen und vor allem einer sich solidarisch zeigenden, disziplinierten Bevölkerung. Diese war auf das Virus eher vorbereitet als europäische Bevölkerungen, denn viele Chinesen erinnern sich noch an die Sars-Epidemie von 2003.

Wie hoch die Corona-Dunkelziffer in China ist, ist unklar

Inwieweit die nun aktuell positive offizielle Statistik die wahre Lage widerspiegelt und wie hoch die Dunkelziffer ist, ist jedoch unklar. So hatte China mehrfach mit Änderungen bei der Zählweise der Infektionen für Verwirrung bei internationalen Beobachtern gesorgt.

China beklagt zudem täglich noch immer neue Todesfälle. Am gestrigen Donnerstag kamen acht Tote hinzu, womit die Gesamtzahl der Opfer auf 3245 stieg. Insgesamt wurden auf dem chinesischen Festland 80.928 Infizierte registriert, von denen sich mehr als 66.000 wieder erholt haben.

Besorgniserregend ist der Blick ins benachbarte Südkorea. Das Land kämpft wieder gegen eine steigende Zahl von Coronavirus-Infektionen. Am Mittwoch seien 152 zusätzliche Fälle erfasst worden, teilten die Gesundheitsbehörden am Donnerstag mit. Schon seit Montag kletterten die Fallzahlen wieder nach dem Abwärtstrend in der vergangenen Woche. Insgesamt wurden bisher 8565 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet. Die Zahl der Todesfälle erhöhte sich um sieben auf 91. (mit dpa)

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