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Unglück

29.08.2017

Kleine Unachtsamkeit führte in den Tod

Die Leichen der Verunglückten werden per Hubschrauber zu Tal transportiert.
Bild: Zoom.Tirol, dpa

Weil ein Bergsteiger auf einem Gletscher ausgerutscht ist, reißt er seine Seilschaft in die Tiefe. Fünf Menschen sterben. Ob der einzige Überlebende sich je erinnern wird?

Es war nur ein Moment der Unachtsamkeit eines Alpinisten. Ein falscher Schritt wurde offenbar am Sonntag für fünf Bayern auf einer Bergtour zum Todesurteil. Nach dem Absturz der deutschen Seilschaft im Salzburger Land hat die Polizei ihre Befragung von Zeugen weitgehend abgeschlossen – und kann das schreckliche Ereignis inzwischen rekonstruieren. Das Unglück gilt als eines der schlimmsten seit Jahren in Österreich.

Der einzige Überlebende der Katastrophe habe bisher aber noch nicht befragt werden können, teilte die Polizei mit. Der 75-Jährige befinde sich zwar nicht mehr in Lebensgefahr, aber in kritischem Zustand. Er wird im Salzburger Landeskrankenhaus behandelt. Es sei fraglich, ob er sich angesichts der schweren Kopfverletzungen an den Unfall erinnern könne, sagten die Behörden.

Alle Verunglückten im Alter von 34 bis 70 Jahren kamen aus der Nähe von Altötting. Einer der Bergsteiger rutschte den bisherigen Erkenntnissen zufolge Sonntagfrüh in rund 3000 Metern Höhe aus, als er umzukehren versuchte. Dabei soll er seine Bergkameraden 200 Meter mit in die Tiefe gerissen haben. Die Gruppe stürzte in eine Spalte. Der Hang nahe dem Ort Krimml hat an der Unfallstelle eine Neigung von rund 40 Grad und ist komplett mit blankem Eis bedeckt. „Die letzten zwei versuchten den Sturz noch mit Pickeln zu halten, jedoch vergeblich“, sagte der zuständige Einsatzleiter der Bergrettung. Ein anderer Bergführer beobachtete den Unfall, weshalb der Hergang gut rekonstruiert werden konnte.

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Die Bergung gestaltete sich wegen des unwegsamen Geländes sehr schwierig. Ein Retter wurde bei dem Einsatz von Steinen getroffen und verletzt. Klar sei mittlerweile, dass die Gruppe von dem 70-jährigen Verunglückten geführt wurde. Ob er auch geprüfter Bergführer war, stand noch nicht fest. Die Gruppe war am Morgen von der Zittauerhütte aufgebrochen und wollte den Gabler besteigen.

Auf dem Gletscher Wildgerloskees habe die Gruppe umdrehen wollen. Drei der Todesopfer wohnten in Burgkirchen an der Alz, wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd mitteilte. Ein Toter, 65, stammte aus Garching an der Alz, ein weiterer, 56, aus Emmerting. Der einzige Überlebende des Unglücks, 75, kommt aus Kastl. Mit einer Ausnahme gehörten alle Opfer der Sektion Burgkirchen des Deutschen Alpenvereins (DAV) an.

Der DAV zeigte sich betroffen. „Unser tiefes Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen der Verstorbenen“, teilte der Alpenverein mit. Es handle sich um einen typischen sogenannten Mitreißunfall. „Bergsteiger müssen auf dem Gletscher situativ entscheiden, ob sie die Möglichkeit eines Spaltensturzes höher werten als die Wahrscheinlichkeit eines Mitreißunfalls“, erläuterte DAV-Sprecherin Andrea Händel. Aufgrund dieser Einschätzung entscheide sich, ob man sich anseilt oder nicht. Die verunglückte Gruppe hatte sich für das Anseilen entschieden. (dpa)

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