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Immer diese Diskussion um das Tanzverbot: Was soll die Aufregung?

Kommentar Von Christina Heller
31.10.2019

An Allerheiligen herrscht Tanzverbot. Partys müssen um zwei Uhr morgens enden. Viele regt das auf. Doch die dauernde Diskussion um das Tanzverbot nervt viel mehr.

Im Jahr gibt es - zumindest in Bayern - neun Tage, an denen der Staat seinen Bürgern verbietet, zu tanzen. Einer davon ist Allerheiligen, also der 1. November. Von 2 Uhr bis 24 Uhr müssen Discos die Musik ausschalten, Konzerte sind untersagt, die Menschen sollen sich möglichst ruhig verhalten. Im Gedenken an alle Heiligen sind keine Partys erlaubt.

Diskussion ums Tanzverbot: Die Kirche beeinflusst ja auch unsere Ferien

Und jedes Jahr wieder bricht eine Diskussion los: Wirklich wahr, muss das sein? Ausgerechnet, wenn alle sich kostümiert auf Halloween-Partys gegenseitig gruseln - Halloween wird ja bekanntlich am 31. Oktober gefeiert -, muss der Freistaat die Musik abdrehen. Kann man das nicht abschaffen, dieses lästige Tanzverbot? Das so völlig aus der Zeit gefallen scheint, wo doch fast niemand mehr weiß, was an Allerheiligen überhaupt gefeiert - oder eher beschwiegen - wird.

Es stimmt, die Kirche beeinflusst unseren Alltag nicht mehr. Zumindest nicht mehr im gleichen Ausmaß wie früher. Als es einem mittelgroßem Skandal gleichkam, am Sonntag im Gottesdienst zu fehlen. Und als auch niemand auf die Idee gekommen wäre, an Allerheiligen oder Karfreitag eine Party zu schmeißen. Und dennoch: Der Kirchenkalender bestimmt unser Jahr, die Schulferien, die Feier- und Brückentage. Also unsere Freizeit. Das gilt gerade in Bayern, dem Bundesland mit den meisten Feiertagen überhaupt. Über die beklagt sich auch niemand, der nicht in die Kirche geht.

Viel mehr als das Tanzverbot nervt die immer wiederkehrende Diskussion über das Tanzverbot

Was noch viel mehr nervt als das Tanzverbot, als die paar Stunden Party-freie Zeit, ist die Diskussion an sich. Und die Regelmäßigkeit, mit der sie wiederkehrt. Ähnlich wie bei der Zeitumstellung auch. Jedes Jahr das Gleiche. Jedes Jahr das immer wiederkehrende Gejammere. Wirklich wahr, muss das sein?

An sieben Tagen im Jahr ist es in einem bestimmten Zeitraum nicht erlaubt, laut zu feiern. An zwei Tagen im Jahr - nämlich Aschermittwoch und Karfreitag - ist jegliche Feierei untersagt. Ist das wirklich so dramatisch? Es bleiben doch noch 356 Tage, an denen ausschweifend getrunken, gegrölt und getanzt werden kann. Und selbst an Halloween muss ja erst ab 2 Uhr morgens Ruhe sein. Das reicht doch locker aus, um anderen dabei zuzugucken, wie ihre Clowns-Schminke verläuft. Wie sie sich von Grusel-Zombies in Alkoholleichen verwandeln.

Hin- und wieder entsteht der Eindruck, bei der Diskussion um das Tanzverbot, die um Allerheiligen - und damit auch um Halloween - besonders laut erklingt, geht es gar nicht darum, dass sich Partygänger in ihrer Feier-Freiheit beschnitten fühlen. Eher stößt es den Partyveranstaltern sauer auf, dass sie mit ihren Halloween-Feten nicht mehr Geld einnehmen können.

Und sollte es doch anders sein, eine Bitte: Wer sich aufregen möchte, der suche sich doch ein Thema, das Aufregung verdient. Es gibt gerade schließlich genügend Auswahl.

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Die Diskussion ist geschlossen.

01.11.2019

... daher ein Dank an Kommentatorin Heller für ihre klare Haltung!

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01.11.2019

Wer von "Humbug" spricht, übersieht, dass die Menschen sich selbst am allermeisten schaden, wenn sie Dauervollgas fahren oder tanzen. "Die" Kirche hat mit der Sonntags- und Feiertagsruhe schon früh ein Beispiel für "Entschleunigung" gegeben.

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01.11.2019

Wenn ein christlicher Feiertag "Humbug" ist , dann sollten diejenigen , die den Humbug nicht respektieren , auch nicht den Feiertag (und der ist damit möglicherweise auch für arbeitsfrei !) in Anspruch nehmen wollen . Wenn diese Personengruppe wirklich ehrlich wären .

Auf geht's , ihr Leute !! Ab sofort geht ihr gefälligst an "Humbug-Tagen" ( und das dürften dann für Euch die meisten Feiertage sein , weil christlich basierend) schön arbeiten !!!!

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01.11.2019

Was an dem Kommentar von Christina Heller vollkommen richtig ist: diese Diskussion ist nur nervig. Wen juckt es denn wirklich als vielleicht irgendwelche Veranstalter? Wer tanzt denn das ganze Jahr durch, so dass das Verbot tatsächlich stört? Und warum bestehen auf der anderen Seite Staat und Kirche auf das Tanzverbot? Wo ist das böse Körperverrenken zur Musik denn sicht- und hörbar für die Allgemeinheit? Ein bißchen mehr Gelassenheit würde uns allen gut tun. Es gibt genug Themen, über die man sich wirklich aufregen kann und sollte...

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01.11.2019

Im Grunde habe beide Vorredner irgendwie Recht. Allerdings muss man auch bedenken, dass Allerheiligen ein rein katholischer Feiertag ist. Die evangelische Kirche huldigt nicht dem Brauch irgendwelche Personen heilig zu sprechen. Zudem gibt es in der Bevölkerung eine Mehrheit die entweder gar keiner Kirche angehören als auch Andersgläubige. Jede Religion hat ihre eigenen Festtage. Somit bleibt es doch jedem unbelassen, solch ein Tag im Stillen zu gedenken. Zudem wird an Allerheiligen nicht den Verstorbenen gedacht, sondern an Allerseelen.
Zudem ist ja nicht nur das Tanzverbot, sondern auch jegliche andere Feier im öffentlichen Raum, worunter auch jede Art von Unterhaltung fällt. Und dies nicht nur an 2 Tagen. Dazu zählen unter anderem neben dem Karfreitag und Allerheiligen weitere Tage wie Gründonnerstag, Karsamstag, Totensonntag, Volkstrauertag, Buß- und Bettag und Aschermittwoch. Hier ist auch im öffentlichen Raum eine Einschränkung gegeben.
Für mich spielt es persönlich keine Rolle, ich denke aber dass hier die katholische und evangelische Kirche gleich behandelt werden müsste wie die anderen Glaubensrichtungen.

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01.11.2019

Hans Mair.

Was fur ein Humbug? Den Feiertag nehmen sie doch auch gerne mit.
Ich mag Allerheiligen. In Ruhe an die Verstorbene Mama gedenken, welche immer für einen da war. Man kann auch noch an über 355 anderen Tagen tanzen.

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31.10.2019

Es geht nicht darum, dass es nur zwei Tage im Jahr sind, sondern weil wegen einem vollkommenen Humbug etwas verboten wird...

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