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Rundfunkbeitrag: Weniger ist mehr bei ARD und ZDF

Kommentar Von Daniel Wirsching
09.03.2018

Obwohl die Schweizer Volksinitiative zur Abschaffung der Rundfunkgebühren scheiterte, erhöht sie den Druck auch auf die deutschen Öffentlich-Rechtlichen. Gut so.

71,6 Prozent der Schweizer stimmten am letzten Sonntag gegen die Abschaffung der Rundfunkgebühren in ihrem Land. Das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem bleibt den Eidgenossen erhalten – was weit über die Schweiz hinaus mit Erleichterung zur Kenntnis genommen wurde.

Denn öffentlich-rechtliche Sender sind aller Kritik zum Trotz Stützen der Demokratie - und unabhängiger Journalismus ist ein überaus kostbares Gut. In Gestalt von ARD , ZDF und Deutschlandradio kostet er jeden deutschen Haushalt monatlich 17,50 Euro. Gut möglich, dass es von 2021 an 1,70 Euro mehr sind.

Wie die Schweizer Rundfunkanstalt sich reformiert

Das sagte kürzlich Heinz Fischer-Heidlberger, Vorsitzender der unabhängigen Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten, kurz KEF. Die KEF überprüft den Finanzbedarf der öffentlich-rechtlichen Sender. Wie in der Schweiz ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland und seine Finanzierung ein Politikum – der Rundfunkbeitrag vielen ein Ärgernis. Weil sie ihn prinzipiell ablehnen, ihn für zu hoch halten oder ihnen das, was sie für ihr Geld bekommen, nicht gefällt. Einer Umfrage zufolge sind rund 39 Prozent der Befragten für eine Abschaffung von ARD und ZDF , rund 55 Prozent dagegen.

Die Öffentlich-Rechtlichen stehen unter einem enormen Rechtfertigungsdruck – den die Schweizer Volks-Initiative noch erhöht hat. Sie scheiterte, doch der Generaldirektor der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG), Gilles Marchand, kündigte auf Radio SRF 4 News tief greifende Reformen an:

  • Einsparungen von 100 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet 86 Millionen Euro), allerdings ausdrücklich nicht im Programm
  • Fokussierung auf relevante und ausgewogene journalistische Inhalte – die Hälfte der Gebühreneinnahmen soll für die „Information“ verwendet werden
  • Abkehr vom Quotendenken und vom Marktanteil als häufig vorherrschendes Kriterium für den Erfolg eines Programmangebots
  • Verzicht auf Werbeblöcke in Spielfilmen – sowie mehr Schweizer Serien, um die Vielfalt des Landes besser abzubilden
  • Weitgehende Beschränkung auf Video- und Audioinhalte in den Internetangeboten, um sich von den Online-Angeboten privater, Abo- und werbefinanzierter Zeitungen zu unterscheiden und diesen nicht unfaire Konkurrenz zu machen.

ARD und ZDF sollten sich an den Schweizern ein Beispiel nehmen

Für die SRG ist das kein Plan B – sondern ein „Plan R“, wie es Marchand nennt. „R“ für „Reform“. Sein Plan ist ARD und ZDF wärmstens zu empfehlen. Zudem müsste für sie gelten: Weniger ist mehr. Weniger Sender, weniger „Tatort“-Folgen, weniger „Tagesthemen“-Kommentare. Und das sind nur drei kleine Beispiele.

Weniger Sender? Der ARD-Ableger One etwa ist zwar im Betrieb verhältnismäßig günstig, aber bloß Abspielkanal für Serien wie „Verbotene Liebe“ oder „Lindenstraße“. Ähnlich ZDFneo, das als Labor für „junge Formate“ gilt – seinen Machern allerdings vor allem mit den Uralt-Krimis „Columbo“ oder „Inspector Barnaby“ Quotenerfolge (da ist es wieder, das Quotendenken!) und damit letztlich eine Daseinsberechtigung verschafft.

Weniger „Tatort“-Folgen? Die Reihe mag eines der letzten „Lagerfeuer“ der Fernseh-Nation sein. Aber sie ist an ihre Grenzen gekommen. Jetzt, wo jede Kleinstadt ein Ermittlerteam zu haben scheint, ist mancher Fall nur noch absurd.

Weniger „Tagesthemen“-Kommentare? Meinungsbeiträge sind wichtiger Bestandteil von Medien. Nutzer sollen sich auch dadurch eine eigene Meinung bilden können. Der „Tagesthemen“-Kommentar, den es seit Jahrzehnten gibt, vermittelt jedoch oft den Eindruck, hier drückt ein „Bescheidwisser“, wie es ein TV-Kritiker formulierte, der „Restwelt“ seine Meinung auf. Wichtiger wäre es, Nachrichten und Hintergründe besser zu erklären.

Weniger ist mehr, das muss man sich auch für die überaus emotional geführte Debatte um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wünschen: weniger Polemik und etwas weniger Diskussionen darüber, ob der Rundfunkbeitrag sinken, stabil bleiben oder um 1,70 Euro steigen muss; dafür mehr Diskussionen darüber, was ARD und ZDF leisten sollten und was nicht.

Diese haben ja einen gesetzlichen Auftrag: „Im Auftrag der Gesellschaft produziert die ARD für alle Menschen in Deutschland ein frei zugängliches und vielfältiges Programmangebot mit Inhalten in Information, Bildung, Beratung und Unterhaltung“, heißt es etwa auf ard.de.

Was aber bedeutet dieser Auftrag ganz konkret und in diesen Zeiten? Umfasst er teure Sportrechte? Daily Soaps und Quizsendungen, die genau so auch im Privatfernsehen laufen? Diese Fragen müssen nun dringend geklärt werden, damit eine notwendige Reform von ARD, ZDF und Deutschlandradio gelingen kann und die Sender wieder stärker akzeptiert werden.

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