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Tourismus

17.07.2019

Kritik an Kreuzfahrt-Touristen: "Wie eine Heuschreckenplage"

Die Kreuzfahrtschiffe AIDAnova, Norwegian Epic und Celebrity Constellation im Hafen von Palma de Mallorca. Nach Prognosen der Hafenbehörde der Balearen werden in diesem Jahr rund 1,75 Millionen Menschen mit Kreuzfahrtschiffen auf die Insel kommen.
Bild: Clara Margais, dpa

Ob in Deutschland, Italien oder Spanien: Überall machen Umweltschützer und Anwohner mobil. Auch Politiker fordern strengere Regeln.

Weltweit weht dem Kreuzfahrttourismus immer schärferer Wind entgegen. Sei es im italienischen Venedig oder im deutschen Kiel, wo am vergangenen Samstag etwa 200 Demonstranten durch die Innenstadt zum Ostseekai gezogen sind. „Klimaschutz statt Kreuzfahrtschmutz“, skandierten sie. Auch in den spanischen Mittelmeerstädten Barcelona und Palma de Mallorca regt sich Widerstand gegen die vielen Kreuzfahrtschiffe, die in den Häfen festmachen.

Barcelona und Palma sind die beiden wichtigsten Kreuzfahrthäfen Spaniens. Umso bedeutender ist es, wenn – wie jetzt geschehen – Barcelonas linksalternative Bürgermeisterin Ada Colau forderte, die Zahl der Kreuzfahrtschiffe im Hafen zu deckeln. „Wir müssen Limits festlegen, wir haben keine unbegrenzte Aufnahmekapazität“, sagte sie und sprach sich gegen Pläne aus, den Hafen auszubauen, um mehr Passagierschiffe aufnehmen zu können. „Wir können nicht länger über unendliche Erweiterungen sprechen.“

Kreuzfahrtschiffe sorgen für Konflikte mit der einheimischen Bevölkerung

Im vergangenen Jahr machten 830 der riesigen Passagierschiffe in der Mittelmeerstadt Station. Die Kreuzfahrtschiffe brachten 2018 insgesamt drei Millionen Besucher in die Stadt. Dies sorgt, vor allem wegen der Abgasbelastung, nicht nur für Umweltprobleme. Sondern auch für Konflikte mit der einheimischen Bevölkerung, die sich darüber beklagt, dass es durch die Touristenmassen in ihrer Altstadt zu voll wird. Örtliche Bürgerinitiativen protestieren schon länger gegen die schwimmenden Urlaubsinseln, die mit tausenden Touristen an Bord vor Anker gehen.

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„Stoppt die Kreuzfahrten“, stand etwa auf Transparenten, mit denen Demonstranten im vergangenen Jahr die „Symphony of the Seas“ in Empfang nahmen. Die „Symphony“ ist mit nahezu 7000 Passagieren und mehr als 2000 Besatzungsmitgliedern das größte Passagierschiff der Welt.

Die Lokalpolitikerin Gala Pin verglich vor einigen Monaten das scharenweise Auftauchen der Kreuzfahrttouristen, die oft nur wenige Stunden in Barcelona bleiben, mit einer Heimsuchung: „Das ist wie eine Heuschreckenplage“, sagte sie. „Sie verschlingen die öffentlichen Plätze und verschwinden dann wieder.“ Barcelonas berühmte und pittoreske Markthalle „La Boqueria“, eine der Hauptattraktionen in der Altstadt, zog bereits Konsequenzen: Nachdem Touristen immer wieder den Markt verstopften und die Geschäfte der dortigen Händler erschwerten, wurde der Zugang für organisierte Gruppen mit mehr als 15 Personen reglementiert: Freitags und samstags, den wichtigsten Markttagen, müssen große Reisegruppen nun draußen bleiben.

Im Sommer ankern bis zu fünf Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig

Laut einer Studie der internationalen Umweltplattform „Transport & Environment“ ist in keinem europäischen Hafen die Luft so schlecht wie in Barcelona. Die Schuld hätten vor allem die vielen Kreuzfahrtschiffe. Diese lassen am Liegeplatz ihre mächtigen Dieselmotoren laufen, um die Elektrizitätsversorgung an Bord sicherzustellen.

Ein Problem, das die Hafenbehörde mit einer Solarstromfabrik bekämpfen will – damit die Schiffe in Zukunft wenigstens im Hafen mit Ökostrom versorgt werden können. Auch in Palma, Hauptstadt der Baleareninsel Mallorca und Spaniens zweitwichtigstes Kreuzfahrtziel, wollen Politiker die Zahl der Kreuzfahrtschiffe begrenzen. Der sozialistische Tourismusminister der Balearischen Inseln, Iago Negueruela, erklärte unmissverständlich: „Man muss Grenzen für die Kreuzfahrtschiffe einführen.“ Wie dies konkret umgesetzt werden soll, sagte er noch nicht.

Im Jahr 2018 hatten 560 Kreuzfahrtschiffe in Palmas Hafen festgemacht. Vor allem im Sommer, wenn manchmal fünf Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig ankern, wird es dort eng. 23 mallorquinische Bürgerinitiativen forderten jüngst in einem Manifest, dass pro Tag nur noch eines der gigantischen Passagierschiffe in Palma anlegen solle.

Im kroatischen Kreuzfahrthafen Dubrovnik haben die Behörden schon ernst gemacht: Seit 2019 dürfen in der Mittelmeerstadt, die mit ihrer historischen Altstadt jedes Jahr Millionen von Besuchern anzieht, nur noch zwei Kreuzfahrtschiffe pro Tag festmachen.

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