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28.06.2009

Künstliches Insulin könnte Krebsrisiko erhöhen

Künstliches Insulin könnte Krebsrisiko erhöhen
Bild: DPA

Hamburg (dpa) - Das künstliche Insulin Lantus erhöht möglicherweise das Krebsrisiko für Diabetiker. Darauf weist unter anderem eine deutsche Studie mit knapp 130 000 Patienten hin.

Die mit dem Insulin Lantus (Inhaltsstoff Glargin) behandelten Diabetiker erkrankten demnach insbesondere bei hohen Dosierungen etwas häufiger an Krebs als diejenigen, die menschliches Insulin (Humaninsulin) bekamen.

Die Europäische Gesellschaft für die Erforschung von Diabetes (EASD) empfiehlt dringend, weitere entsprechende Untersuchungen zu einem möglichen Krebsrisiko von Lantus zu starten. Bis zum Ergebnis der neuen Studien sollten Patienten, die Lantus nehmen, dies auch weiterhin tun. Sie gibt das Journal "Diabetologia" heraus, in dem vier Studien aus Deutschland, Schweden, Schottland und Großbritannien veröffentlicht sind, die zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

Insbesondere in der deutschen zeigte Lantus ein leicht erhöhtes Krebsrisiko. Die schwedische und schottische Studien stellten ein leicht erhöhtes Brustkrebs-Risiko fest. Es könnte aber in Schottland daran liegen, dass die Lantus-Nutzer im allgemeinen älter waren, heißt es im Editorial des Journals. Nahmen die Diabetiker Lantus in Kombination mit anderen Insulinen, so hatten sie in keinem Fall ein gesteigertes Risiko. In der schottischen Studie verminderte es sich dann sogar im Vergleich zum Humaninsulin. Die recht kleine britische Studie fand gar keinen Effekt.

Künstliches Insulin könnte Krebsrisiko erhöhen

Nach Ansicht der Deutschen Diabetes-Gesellschaft zeigen nur zwei der vier Studien ein erhöhtes Krebsrisiko für Lantus. Wichtig sei zudem, dass sich dies bei Typ-2-Diabetes gezeigt habe und nicht beim Typ 1, an dem vorwiegend schon Kinder erkranken. "Menschen mit Typ 2 Diabetes sollten jedoch auf keinen Fall ihre Insulingaben verändern, sondern das Gespräch mit ihrem Arzt suchen", rät die Gesellschaft. Sie fordert ebenfalls weitere Studien.

"Unsere Auswertung ist zwar kein eindeutiger Beweis, dass Glargin (Handelsname Lantus) Krebs fördert", sagte Prof. Peter Sawicki, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und Mitautor der deutschen Studie, "wenn man aber keinen guten Grund hat, Glargin zu spritzen, sollte man zu Humaninsulin greifen." Das IQwiG spricht sich seit Jahren gegen künstliche Insuline aus, die auch teurer sind als Humaninsulin.

Von 100 Patienten, die über rund eineinhalb Jahre hinweg Lantus nehmen, bekommt laut Sawicki nach den deutschen Daten etwa einer eine Krebsdiagnose, die er sonst nicht erhalten hätte. An der deutschen Studie mit Daten der Jahre 2001 bis 2005 war auch die AOK beteiligt. Die IQWiG-Forscher in Köln betonen, dass sie nur einen rein statistischen Zusammenhang entdeckt haben. Es könne daher sein, dass nicht Lantus, sondern andere, noch unbekannte Faktoren die Ursache des höheren Risikos sind.

Lantus-Hersteller Sanofi-Aventis verweist auf klinische Studien mit 70 000 Patienten, die die Sicherheit des Mittels belegten. Das neben Glargin zweite langwirksame Insulin Detemir ist laut Sawicki nicht getestet worden, weil es erst später auf den Markt gekommen sei. Für die zwei kurzwirksamen künstlichen Insuline Lispro und Aspart fand die IQWiG-Studie kein erhöhtes Krebsrisiko.

Humaninsulin ist Sawicki zufolge 40 bis 50 Cent pro Patient und Tag günstiger als Lantus, das künstliche Insulin ist nach Auskunft von Diabetikern aber unkomplizierter zu nehmen. Die Aktie des Hersteller Sanofi-Aventis war bereits am Freitag gesunken, als Gerüchte über die Studien aufgekommen waren.

Das IQWiG arbeitet für den Gemeinsamen Bundesausschuss der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen und für das Bundesgesundheitsministerium. Es legt fest, was die Gesetzlichen Krankenversicherungen bezahlen müssen.

www.diabetologia-journal.org/cancer.html#press

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