Newsticker
Rund 53.000 Impfdosen in Bayerns Impfzentren weggeworfen
  1. Startseite
  2. Panorama
  3. Leipzig: Neonazi-Ausschreitungen: Angeklagte schweigen

Leipzig
17.08.2018

Neonazi-Ausschreitungen: Angeklagte schweigen

Mehr als zweieinhalb Jahre nach den Krawallen von Neonazis im Leipziger Stadtteil Connewitz müssen sich die ersten beiden Beschuldigten vor Gericht verantworten.
Foto: Jan Woitas, dpa (Archiv)

Im Leipziger Stadtteil Connewitz randalierten im Januar 2016 hunderte Neonazis und Hooligans. Jetzt hat der Prozess begonnen, die Angeklagten schweigen aber.

In Leipzig hat der Prozess um die Ausschreitungen von Neonazis im Stadtteil Connewitz begonnen. Am 11. Januar 2016 sollen die Männer überwiegend vermummt mit Äxten, Holzlatten und Eisenstangen durch das Stadtviertel gezogen sein. Sie warfen mit Pflastersteinen die Schaufensterscheiben von Geschäften ein und zündeten Pyrotechnik. Fünf Beamte sind damals verletzt worden. Ein Großaufgebot setzte die Schläger, darunter laut Polizei bekannte Hooligans und Rechtsextremisten, fest.

Zum Auftakt haben zwei Angeklagte Aussagen zum Tatvorwurf verweigert. Die 26-Jährigen müssen sich wegen besonders schweren Landfriedensbruchs vor dem Amtsgericht Leipzig verantworten. Laut Anklage sollen die Männer Teil einer etwa 250 Personen starken Gruppe gewesen sein, die in einer Straße im Stadtteil Connewitz, einer Hochburg Linker und Autonomer, gewütet hatte.

Die Angeklagten betreten vor Prozessbeginn den Gerichtssaal im Leipziger Amtsgericht.
Foto: Jan Woitas, dpa

Nach Randale von Neonazis in Leipzig-Connewitz beginnt jetzt der Prozess

Die Straße, durch die der Mob zog, glich danach einem Trümmerfeld: Auf mehreren hundert Metern blieb kaum ein Schaufenster ganz, in Geschäften wurde randaliert, Autoscheiben wurden eingeschlagen und Seitenspiegel abgetreten. "Die Straße sah aus wie in einem Kriegsgebiet", sagte ein Zugführer einer Hundertschaft der Polizei als Zeuge vor Gericht.

Die Sprecherin für Flüchtlings- und Migrationspolitik der Links-Fraktion im sächsischen Landtag, Juliane Nagel, erhofft sich von dem Prozess eine Signalwirkung. "Es geht nicht nur um eine Tat - sondern um eine gewalttätige überregionale Neonazi-Vernetzung, die endlich ausgeleuchtet und zerschlagen werden muss." Das Stadtmagazin Kreuzer Leipzig twitterte live aus dem Gerichtssaal und zeigte sich enttäuscht von Verlauf des Prozesses und dem Schweigen der Angeklagten.

 

An dem Randale-Tag hatte in Leipzigs Innenstadt das fremdenfeindliche Bündnis Legida seinen Jahrestag zelebriert. Zugleich gab es eine große Gegenveranstaltung. Auf dem Innenstadtring bildeten am Gründungstag von Legida Gegendemonstranten bei strömendem Regen eine Lichterkette für Weltoffenheit und Toleranz. Dazu hatte unter anderem Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) aufgerufen. An dem Gegenprotest mit mehreren Veranstaltungen beteiligten sich nach Angaben der Studentengruppe "Durchgezählt" zwischen 2300 und 2800 Menschen.

Ausschreitungen in Leipzig-Connewitz: Kritik am Verfassungsschutz in Sachsen

Damals wurde auch Kritik am Vorgehen des Verfassungsschutzes laut. "Wie kann es sein, dass ein Mob von 250 gewaltbereiten Nazis Connewitz zerstört, ohne dass der Verfassungsschutz vor dieser rechten Gefahr warnt?", fragte damals die sächsische SPD-Generalsekretärin Daniela Kolbe.

Die Grünen-Fraktion forderte sogar den Rücktritt von Verfassungsschutz-Präsident Gordian Meyer-Plath. Verfassungsschutz-Sprecher Martin Döring nannte die Kritik unbegründet. Das Landesamt habe die Polizei bereits am vergangenen Freitag informiert, dass aufgrund der Mobilisierungsaufrufe "mit der Teilnahme von zahlreichen Rechtsextremisten, insbesondere aus dem subkulturellen, gewaltbereiten Milieu und der Hooligan-Szene zu rechnen" sei. Demnach hieß es in der Lageeinschätzung, dass "auch gewaltsame Ausschreitungen zu befürchten sind". (AZ/dpa)

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

16.08.2018

In Hamburg sah es schlimmer aus - aber da schweigt die ungerechte Linke.

Permalink