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London
04.03.2020

Eine Hommage an schönen, verschwenderischen Stoff

Ein Kimono aus dem Besitz des früheren Queen-Sängers F. Mercury (l) und von Sängerin Madonna, der von Jean Paul Gaultier designt wurde.
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Ein Kimono aus dem Besitz des früheren Queen-Sängers F. Mercury (l) und von Sängerin Madonna, der von Jean Paul Gaultier designt wurde.
Foto: Kyodo, dpa

Das Londoner Victoria & Albert Museum widmet dem Kimono und seiner Geschichte eine eigene Schau

So viel Stoff. Mal schimmert er in verschwenderischer Schönheit, mal leuchten seine Farben so grell, dass man nichts anderes mehr wahrnimmt. Mal handelt es sich bei den feinen Stickereien um dekorative Muster, mal sind es Szenen aus der Geschichte Japans. So viel Stoff. So viel wunderbare Verschwendung. Dabei ist der Trend, der im Londoner Victoria & Albert Museum gezeigt wird, läppische 400 Jahre alt. Eigentlich nur eine „Anziehsache“ im wahrsten Sinne des Wortes, denn nichts anderes heißt das Wort „Kimono“ übersetzt.

Das Museum zeigt nun anhand von rund 300 Exponaten die kulturgeschichtliche Bedeutung dieses Kleidungsstücks, dessen Verwandlung durch die Jahrhunderte und den Einfluss auf westliche Mode und Designer. Die Ausstellung, die bis 21. Juni läuft, nimmt die Besucher mit auf eine faszinierende Reise durch die Zeit dieses vermeintlich simplen, angeblich unveränderlichen Stück Stoffs. Macht und Mode, Sex und Verlangen, Politik und Stärke, Geheimnisvolles und Beklemmendes – alles kann, alles wird durch den Kimono erzählt.

Die Geschichte beginnt in Räumen, in denen Holzschnitte und seltene Kimonos für Frauen, Männer und Kinder zeigen, wie die Kaufmannsklasse in der Edo-Zeit im 17. und 18. Jahrhundert ihren Status, Reichtum und Stil mit ihrer Kleidung ausdrückte. Auf einem Farbholzschnitt von Utagawa Hiroshige aus den 1840er Jahren ist im Hintergrund der Mount Fuji zu sehen, im Vordergrund, natürlich, ein Kimono-Geschäft abgebildet. Hier ist Japan, nicht London.

Erst Ende des 19. Jahrhunderts öffnete sich Japan dem Rest der Welt. Die Niederländer brachten das Gewand nach Europa, wo es an die hiesigen Geschmäcker angepasst wurde, etwa als Schlafrock oder Morgenmantel. Europa war im Bann Japans. Doch auch der Import von Textilien in das asiatische Land beeinflusste die Gestaltung der bisherigen Kimonos mit den weiten Ärmeln, in der Taille durch einen Gürtel, den Obi, zusammengehalten.

Das Symbol Japans mag oft als traditionelle und zeitlose Kleidung betrachtet werden. Es sei aber vor allem „dynamisch“ und entwickle sich ständig weiter, betont Museumsdirektor Tristram Hunt. Der Kimono habe über Jahrhunderte „einen enormen Einfluss auf internationale Kleidungsstile“ gehabt.

Typisch für das Victoria & Albert Museum quillt die Schönheit der Stücke zum Ende hin fast über. Hier ein wunderbar fallendes weißes Brautkleid mit Kapuze und Brusttasche für Fächer, Kamm und kleinen Dolch. Dort fein bestickte Haute-Couture-Kleider wie jenes silberglänzende Seidengewand der Sängerin Björk, das Alexander McQueen für ihr Albumcover „Homogenic“ entworfen hat. Daneben wird Jean Paul Gaultiers umwerfendes knallrotes Kimono-Ensemble gezeigt, das er für Madonnas Musikvideo „Nothing Really Matters“ kreiert hat. Auch die Entwürfe von John Galliano für Dior, Yves Saint Laurent und Rei Kawakubo zeugen von der Inspiration des Gewands für die Modeschöpfer.

Lange sah es danach aus, als ob der Kimono in Japan aussterben würde, erklärt Co-Kuratorin Josephine Rout. „Vor 20 Jahren hatte er so etwas wie eine Wiederauferstehung, als junge Leute ihn als Reaktion auf die Allgegenwart von westlicher schnell wechselnder Mode getragen haben.“

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