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Interview

26.07.2010

Massenpanik: Was nun?

Walter Kohlenz ist zweiter Vorsitzender des Vereins "Katastrophenschutz" in Bayern. Er erklärt, was nach dem Ausbruch einer Massenpanik zu tun ist. Von Stephanie Kundinger

Wie werden Rettungskräfte auf Massenpaniken vorbereitet?

Kohlenz: "Es gibt im Bereich Massenpanik keine eigenen, landes- oder bundesweit einheitlichen Schulungen. Lediglich einzelne Organisationen setzen sich in Lehrgängen mit Massenpaniken und vergleichbaren Szenarien auseinander. Dieses Thema ist auch schwer einzeln schulbar, da Massenpaniken nicht im Detail vorhersehbar, häufig unterschiedlich ablaufend und im Endeffekt meist kaum zu kontrollieren sind. Allerdings wissen die Helfer, wie sie bei Großschadensereignissen insgesamt reagieren müssen. Und entsprechend der erlernten Abläufe gehen sie in der Regel auch nach dem Ausbruch einer Massenpanik vor."

Wie entsteht eine Massenpanik überhaupt?

Massenpanik: Was nun?

Kohlenz: "Eine Massenpanik entsteht häufig wellenartig. Die Panik entwickelt sich aus dem subjektiven Gefühl, in Gefahr zu sein oder auch aus einer objektiv bestehenden Gefährdung wie beispielsweise einem Sprengstoffanschlag in der Nähe einer größeren Menschenmenge. Menschen wollen flüchten, sich der Gefahr entziehen, aber kommen nicht weg. Deshalb erhöhen sie den Druck auf Personen um sie herum, die dann ebenfalls Panik bekommen. Wichtig ist, dass der entstehende Druck umgehend abgelassen wird und möglichst viele Fluchtflächen zur Verfügung stehen."

Wie verhalten sich die Helfer nach dem Ausbruch einer Massenpanik korrekt?

Kohlenz: "Das ist situativ unterschiedlich, aber grundsätzlich gilt: Die Einsatzleitung muss sich über das Schadensausmaß schnellstmöglich ein Bild machen, um gezielt handeln zu können. Es macht keinen Sinn, Helfer unkoordiniert in die Menschenmenge und damit in die aktuelle Massenpanik zu entsenden. Dadurch würde einerseits nur der Druck weiter erhöht und außerdem würden die eingesetzten Helfer zusätzlich gefährdet. Der Druck muss allerdings entlastet werden. Es ist wichtig, zum Beispiel an vordefinierten Punkten Absperrgitter zu öffnen und Fluchtwege freizumachen. Sogenannte Sichtungs- oder Triageteams sind für die Einsatzleitung wichtig, um sich einen ersten Überblick über die Anzahl der Betroffenen und die Schwere der Verletzungen verschaffen können. Dementsprechend kann die Einsatzleitung dann abschätzen, wie viele Einsatzkräfte wo benötigt werden und an welchen Stellen die Patientenversorgung und deren Abtransport optimal durchgeführt werden kann."

Welche Grundregeln müssen Veranstalter von Konzerten beachten, um gefährliche Massenpaniken zu vermeiden?

Kohlenz: "Das A und O ist eine fundierte Sicherheitsplanung unter Einbeziehung aller beteiligter Sicherheitsorganisationen. Dabei liegt in Bezug auf die Verhinderung einer Massanpanik ein besonderes Augenmerk auf eine gute Beplanung der Flucht- und Rettungswege. Diesbezüglich gibt es im Einzelfall bauliche Vorschriften und behördliche Auflagen. Diese werden von den Ämtern für öffentliche Sicherheit und Ordnung vorgeschrieben."

Wer hat Schuld an dem traurigen Ende der Loveparade in Duisburg?

Kohlenz: "Das kann man aus der Ferne nicht beurteilten. Ich denke, dass dies ohnehin zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschließend beantwortet werden kann. Es gibt noch nicht genügend Erkenntnisse über den Vorfall. Mit Schuldzuweisungen gegenüber den Organisatoren sollte man sich ohnehin zurückhalten. Ich bin davon überzeugt, dass jeder, der an der Planung beteiligt war, nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet hat. Ob und falls ja, welche Fehler gemacht wurden, das wird sich vermutlich durch die staatsanwaltschaftliche Ermittlung und die weitere Aufarbeitung der verantwortlichen Stellen zeigen." Dieses Interview führte Stephanie Kundinger

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