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Medizin
08.06.2017

Sie hörte einfach auf zu essen

Henriette Hömke war Schönheitskönigin und Freundin des Schalke-Torwarts Ralf Fährmann. Nun starb sie an ihrer Magersucht. Schon Kinder sind von der Krankheit betroffen

Nach außen hin wirkte Henriette Hömkes Leben glücklich. Sie baute sich ihre eigene Fitness-Agentur auf, liebte jahrelang den Profifußballer Ralf Fährmann. Doch wer ihr Leben in den sozialen Medien mitverfolgte, konnte sehen, dass etwas nicht stimmte. Henriette Hömke, die alle „Jette“ nannten, wurde immer dünner. Nun ist sie mit 29 Jahren an den Folgen ihrer Magersucht gestorben. Zusammengebrochen beim Sport im Ägypten-Urlaub.

In der Öffentlichkeit wurde Henriette Hömke vor allem bekannt, nachdem sie 2006 zur Miss Sachsen gewählt worden war. Ihre Familie sagte gegenüber der Bild-Zeitung: „Ihre Magersucht hing mit der Misswahl zusammen.“ Die blonde Schönheitskönigin wollte sich 2007 auch noch den Titel der Miss Germany holen. Doch sie schaffte es nicht ins Finale. Die Magersucht übernahm die Kontrolle.

Es ist eine Krankheit, an der rund fünf Prozent der Betroffenen sterben – und von der immer mehr Kinder und Jugendliche betroffen sind. Sie sehen die Fotos der Schönheitswettbewerbe im Netz, schauen Formate wie „Germany’s Next Topmodel“ – und definieren sich oft unnatürlich stark über ihren Körper.

So jedenfalls erklärt es Rupert Müller, Leitender Psychologe und Experte für Essstörungen an der Augsburger Klinik Josefinum. Er bestätigt: „Wir behandeln im Vergleich zu früheren Jahren mehr Patientinnen zwischen zwölf und 15 Jahren. Das liegt zum einen daran, dass es Hinweise gibt, dass die Zahl der von Essstörungen betroffenen Jugendlichen weiter ansteigt, zum anderen aber auch an der steigenden Bereitschaft, sich Hilfe zu holen.“ Neben der zunehmenden Fokussierung auf den eigenen Körper sieht er vor allem zwei Ursachen: „Die Pubertätsentwicklung setzt immer früher ein, meistens zwischen elf und 13 Jahren. Magersucht ist eine typische Pubertätserkrankung.“ Außerdem vermutet Müller, dass die Entwicklung in unserer Gesellschaft begründet liegt. „Die Idee der Selbstoptimierung erfasst auch Jugendliche immer mehr.“

Vorboten dafür zeichnen sich nach Angaben des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) schon in der Grundschule ab. Präsidentin Simone Fleischmann weiß es aus der Praxis: „Viele Kinder verfolgen schon in der ersten Klasse ein Ziel. Sie wollen gefallen und möglichst attraktiv sein. Das bedeutet für viele Mädchen nur eines: möglichst dünn zu sein.“ Kinder hätten längst ihre Unbedarftheit und Sorglosigkeit verloren. Sie wollten ihr äußeres Erscheinungsbild ständig optimieren. Wer der Norm nicht entspricht, laufe Gefahr, zum Außenseiter oder gar gemobbt zu werden.

Fast die Hälfte der Mädchen und ein Fünftel der Jungen im Alter von 15 Jahren empfindet sich heute als zu dick. In Bayern ist nach Angaben des Gesundheitsministeriums die Zahl der Mädchen und Frauen zwischen 15 und 25, die wegen Magersucht im Krankenhaus behandelt wurden, von 426 im Jahr 2005 auf 686 im Jahr 2015 gestiegen. Die Zahl der Behandlungsfälle bei unter 15-Jährigen hat sich von 135 auf 265 fast verdoppelt. „Das ist nur die Spitze des Eisbergs, denn viele Fälle werden ambulant versorgt“, sagt Ministerin Melanie Huml (CSU).

Jemand, der weiß, wie die Erkrankung das Leben einer Familie auf den Kopf stellt, ist eine 50-jährige Mutter aus Mainfranken, deren Tochter an Magersucht litt. Sie sagt: „Es fängt mit einer harmlosen Diät an. Dann rutscht der Betroffene nach und nach in die Essstörung hinein. Erst wird ein bisschen weniger gegessen. Klappt das ganz gut, stellt sich eine Art Glücksgefühl ein. Dann wird immer weniger und weniger gegessen.“ Oft würden bestimmte Dinge wie Süßigkeiten weggelassen, das Essen versteckt, erbrochen oder Ausreden erfunden, weshalb man keinen Hunger hat.

Die betroffene Mutter sagt, das Problem bei den meisten Eltern sei, dass sie das Kind in seiner Essstörung noch unterstützen. „Man ist als Mutter froh, wenn die Tochter isst. Wenn sie also nur noch fettreduzierte Speisen mag, rennt man als Mutter los und kauft Produkte mit 0,1 Prozent Fettanteil. Und das alles nur, damit sie überhaupt irgendetwas zu sich nimmt.“ Der Augsburger Psychologe Rupert Müller veranschaulicht es so: „Im Inneren der Betroffenen sagt immer jemand: ‚Du musst weiter abnehmen, weiter fasten.‘ In der Therapie versuchen wir, mit diesem inneren Anteil der Patienten in Dialog zu treten, die gesunden Anteile und positiven Fähigkeiten einer Person zu stärken.“ Je früher jemand Hilfe suche, desto günstiger sei die Prognose.

Die Tochter der Frau aus Mainfranken hat es geschafft, sie führt wieder ein normales Leben. Die Mutter erinnert sich: „Das Kind muss wieder lernen, sich selbst zu akzeptieren. Es muss sich wieder bewusst werden, wie wertvoll es ist.“

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