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Coronavirus

07.08.2020

Mediziner befürchten schwere Spätschäden durch Corona

Ein Computertomograph, mit dem unter anderem die Spuren einer Covid-19-Erkrankung in der Lunge untersucht werden können.
Bild: Christophe Gateau, dpa

Plus Studien zeigen, dass Patienten auch nach Abklingen einer Corona-Infektion mit Folgen rechnen müssen. Warum in Großbritannien so viele junge Menschen sterben.

Während Deutschland noch darüber diskutiert, ob eine "zweite Welle" von Coronainfektionen unmittelbar bevorsteht, gibt es erste, durch wissenschaftliche Studien belegte Erkenntnisse auf dauerhafte Schäden, die eine solche Infektion bei Patienten hinterlassen kann. "Es existieren zahlreiche Hinweise, die nach schweren Verläufen mit Beatmungen auf Intensivstationen Schlimmes befürchten lassen", betont Uwe Janssens, der Präsident der Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, gegenüber unserer Redaktion.

So wird in schweren Fällen das Lungengewebe manchmal in Bindegewebe umgebaut – ein Vorgang, der sich nicht rückgängig machen lassen kann. "Etwa 15 Prozent jener Patienten, die beatmet wurden, müssen mit langfristigen oder auch dauerhaften Schäden der Lunge rechnen", sagt Professor Jürgen Behr, Lungenfacharzt an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ein solcher Lungenschaden kann beispielsweise dazu führen, dass Patienten bei Belastung, aber auch bereits in Ruhe, an erheblicher Atemnot leiden, die die Lebensqualität stark einschränken kann. Das kann unter Umständen dazu führen, dass manche Betroffene etwa nicht mehr Bergwandern können.

 

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Ärzte fürchten schwere Folgen durch Corona an Niere, Lunge, Herz und Gehirn

Ein weiteres Problem sind dauerhafte Nierenschädigungen, die dazu führen können, dass Patienten in die Dialyse müssen. Experte Janssens nennt in diesem Zusammenhang einen vor kurzem publizierte Studie der Ortskrankenkassen, bei der die Daten von 10021 Corona-Patienten analysiert wurden. 1727 von ihnen mussten beatmet werden. Etwa jeder Dritte dieser beatmeten Menschen hatte ein akutes Nierenversagen und wurde darum an die Dialyse angeschlossen. Die Sterberate dieser Patienten, die Beatmung und Dialyse brauchten, sei mit 73 Prozent besonders hoch, erläutert Janssens.

Der Internist aus dem nordrhein-westfälischen Eschweiler verweist auf eine weitere Studie, bei der Patienten 71 Tage nach ihrer Infektion mit Corona untersucht wurden. Bei 60 Prozent dieser Patienten gab es danach Hinweise auf eine Herzmuskelentzündung, die möglicherweise später zu einer Herzschwäche und dann sogar zum tödlichen Herzversagen führen kann.

"Inzwischen wissen wir, dass Covid-19 überall im Körper in den kleinsten Gefäßen Mikrothrombosen auslösen kann," betont Janssens Diese führen unter anderem zu den beschriebenen Spätfolgen an Lunge, Niere oder Herz. Aber auch das Gehirn kann betroffen werden – etwa durch Schlaganfälle, also durch Thrombosen in den Hirn- oder den hirnzuführenden Gefäßen. Eine zweite große Schädigung geht vom Körper selbst aus. Das Corona-Virus provoziert eine derart überschießende Immunantwort des Körpers, dass diese den Körper selbst stark beschädigt – ebenfalls an den bereits genannten Organsystemen.

 

Warum in Großbritannien so viele junge Menschen sterben

Viel besser belegt ist inzwischen auch die tödliche Gefahr für junge Menschen. Deutsche Zahlen gaben das wegen des im internationalen Vergleich milden Verlaufes der Pandemie hierzulande nicht her, weil in der Bundesrepublik vor allem Ältere betroffen waren. Das aber ist in Großbritannien anders. Dort kommen viele ältere Corona-Patienten gar nicht erst auf eine Intensivstation oder gar an eine Beatmungsmaschine, weil diese für Jüngere reserviert bleiben. Die britische Studie zeigte, dass von 832 Patienten, die zwischen 16 und 39 Jahre alt waren und wegen eines schweren Verlaufes beatmet werden mussten, 123 starben. Das sind 14,8 Prozent.

 

"Das zeigt ganz klar, dass Covid-19 auch für junge Menschen gefährlich sein kann", sagt janssens. Der weit verbreitete Eindruck, Corona sei eigentlich nur für Ältere mit Vorerkrankungen gefährlich, sei ein Fehleindruck, der sich ergebe, wenn man seinen Blick lediglich auf Deutschland werfe. "Aber auch hier mussten in den großen Behandlungszentren junge Patienten mit zum Teil schwerwiegenden Verläufen behandelt werden."

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