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Meerbusch
30.08.2018

Würgeschlange im Badesee: Gelbe Anakonda im Latumer See gefangen

Die gelbe Anakonda im Baggersee bei Meerbusch wurde gefangen.
Foto: Michael Gorgs, dpa

In einem Badesee im Rheinland war eine Gelbe Anakonda gefunden worden. Experten haben die Würgeschlage jetzt in Meerbusch bei Düsseldorf eingefangen.

Der erste Versuch schlug noch fehl, beim zweiten zappelte die Würgeschlange in einem Bettbezug: Die Anakonda vom Latumer See bei Düsseldorf ist gefangen. Reptilien-Fachmann Sebastian Schreiner von der Düsseldorfer Feuerwehr habe die Würgeschlange von einem Boot aus mit einem beherzten Griff erwischt, sagte ein Sprecher der Stadt Meerbusch am Mittwoch. Die Schlange habe sich an einer unzugänglichen Stelle in einem Brombeergebüsch gesonnt, als ihr letztes Stündlein in Freiheit schlug.

 

Angler entdeckt gelbe Anakonda im Badesee

Ein Fotograf hatte sie dort durch ein starkes Teleobjektiv entdeckt. Seit Donnerstag vergangener Woche hatte das "Ungeheuer von Loch Latum" für Furore gesorgt. Angler Eugen Janischewski hatte die Schlange entdeckt. Zunächst glaubte er an Umweltfrevel und Müll im Latumer See, doch dann kam Leben in den vermeintlichen "gelben Schlauch", denn der glitt rasch davon. 

Experten hatten das Würgetier anhand von Fotos als Gelbe Anakonda identifiziert, die immerhin bis zu vier Meter lang werden kann. Am Mittwoch konnte nun nachgemessen werden: Das Tier entpuppte sich als 2,40 Meter lang, berichtete Stadtsprecher Michael Gorgs. 

Im Rathaus hatte man sich auf ein langwieriges Unterfangen eingestellt: Die Gelbe Anakonda gilt als überaus scheu und reagiert unmittelbar auf jede Bewegung im Wasser oder in Ufernähe. Zudem würde sie sich angesichts der kühleren Temperaturen ins noch warme Wasser zurückziehen, wurde befürchtet.

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Die Stadt hatte nach einer Spezialreuse gesucht, um das Tier mit Hilfe eines Köders lebend zu erwischen. Der betroffene Baggersee wurde abgesperrt. Nach einer Sichtung bat die Stadt Meerbusch die Düsseldorfer Feuerwehr dann am Mittwoch um Amtshilfe und deren Reptilien-Fachmann konnte schon wenig später Vollzug melden. 

Die gelbe Anakonda aus dem Baggersee bei Meerbusch wurde durch Experten gefangen.
Foto: Federico Gambarini, dpa

Meerbusch: Wie kam die Anakonda in den Baggersee?

Normalerweise ist die Boa in Südamerika beheimatet. Wie sie in den See kam, ist nicht bekannt: Ob sie ausgesetzt wurde, weil einem "Reptilienfreund" das Terrarium zu klein wurde, oder das Kriechtier ausbüxen konnte: Bei der Stadt rechnet man nicht damit, dass sich der Besitzer noch meldet. "Auf ihn kämen möglicherweise erhebliche Kosten zu", sagte Stadtsprecher Michael Gorgs. 

Der Fall erinnert an zwei berühmt gewordene "Ungeheuer", die ebenfalls in niederrheinischen Gewässern ihr Unwesen trieben. "Kuno, der Killerwels" sorgte 2001 an einem Weiher in Mönchengladbach für Furore, weil er angeblich einen arglos am Ufer schnüffelnden Hundewelpen verschlungen haben soll. Ob Fakt oder Fiktion, wird wohl nie geklärt werden. Monate später trieb jedenfalls ein riesiger Wels tot auf dem Wasser. Er landete ausgestopft im Museum.

"Sammy, der Kaiman" wurde 1994 zum Sommerspektakel des Jahres. Der Brillenkaiman mit den bernsteinfarbenen Augen tauchte bei einem gemeinsamen Badeausflug mit seinem Besitzer in Dormagen ab, der Baggersee wurde daraufhin tagelang gesperrt. Schließlich wurde das ausgehungerte Tier gefangen - und landete zum Verdruss seines Besitzers im Zoo.

Die Anakonda soll nun in eine Wildtier-Auffangstation nach Brüggen gebracht werden. Ihr bleibt damit immerhin ein frostiges Ende erspart. Den Winter hätte sie laut Experten nicht überlebt.

Schlange im Badesee: Meldungen nehmen zu

Exotische Schlangen, die Menschen einen Schrecken einjagen, treten nach Ansicht eines Experten in Deutschland häufiger auf als früher. Entsprechende Polizeimeldungen beträfen in der Regel Arten aus der Terrarienhaltung, sagte Tom Kirschey vom Naturschutzbund (Nabu) Deutschland in Berlin. "Dass diese Meldungen stark zunehmen, kann ich bestätigen." Das habe damit zu tun, dass immer mehr solcher Tiere privat gehalten würden. Zuletzt war eine Gelbe Anakonda an einem See in Meerbusch bei Düsseldorf gefangen worden. In Hennweiler in Rheinland-Pfalz wurde eine Würgeschlange - vermutlich eine Boa constrictor - auf einer Dorfstraße gesichtet.  

Viele vermeintliche Tierfreunde schafften solche Tiere zur "Befriedigung des eigenen Egos oder zum Beeindrucken von Freunden" an, würden ihrer aber bald überdrüssig, sagte Kirschey vom Nabu. Sie setzten die Schlangen dann verantwortungslos einfach aus. "Oder sie halten sie nicht fachgerecht, und die Tiere brechen aus ihren Terrarien aus und werden dann irgendwo gefunden."

Eine Zunahme an illegal eingeführten lebenden Schlangen stellt der Zoll an Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt dagegen nicht fest. Am Airport gehe es vor allem um Souvenirhandel, es würden eher tote Tiere entdeckt, sagte Christine Straß, Sprecherin des Hauptzollamts Frankfurt. Bei lebenden Schlangen werde vermutlich viel über den Lkw-Verkehr abgewickelt.

Einheimische Schlangen verschwinden

Ernst ist die Lage allerdings für einheimische Schlangen. "Leider nimmt ihr Bestand durch die Zerstörung ihres natürlichen Lebensraumes immer mehr ab", befindet die Deutsche Wildtierstiftung. Nabu-Fachmann Kirschey sagt: "Alle Schlangenarten Deutschlands verzeichnen rückläufige Bestandstrends." Sie würden teilweise dramatisch seltener, wie bei der Kreuzotter. 

Lotzkat vom Senckenberg-Institut zufolge gibt es seit kurzem sieben einheimische Schlangenarten in Deutschland. Da sind zunächst die Äskulapnatter, die Ringelnatter, die Schlingnatter, die Würfelnatter, die Kreuzotter und die Aspisnatter - giftig sind nur die letzten beiden, gefährlich ist für Menschen in der Regel gar keine. Als siebte Art kam Lotzkat zufolge 2017 die Barren-Ringelnatter hinzu, die vorher als Unterart der Ringelnatter galt.

Genaue Zahlen zu Schlangen hierzulande gebe es nicht, sagt Lotzkat. Anders als bei Vögeln existierten viel weniger Erhebungen, Schlangen seien auch schwerer zu beobachten. "Es sind heimliche Tiere", sagt er. Grundsätzlich bevorzugten sie "strukturreiche" Gegenden, die Nahrung, Sonne, aber auch Rückzugsgebiete böten. In "Agrarwüsten" wie etwa in weiten Teilen der Uckermark in Brandenburg oder der Magdeburger Börde in Sachsen-Anhalt fänden sie das nicht mehr. "Da hält es selbst unserer häufigste Schlange, die Ringelnatter, nicht."

(dpa)

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