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Eurovision Song Contest

13.05.2018

Michael Schulte sorgt beim ESC für Gänsehaut - Israel gewinnt

Michael Schulte konnte beim Eurovision Song Contest über den vierten Platz jubeln.
Bild: Jörg Carstensen, dpa

Michael Schulte landete beim Eurovision Song Contest auf Platz vier und machte die deutsche Schmach der vergangenen Jahre vergessen. Gewonnen hat Israel.

Ende der Serie von Misserfolgen: Deutschland ist mit Michael Schulte beim Eurovision Song Contest überraschend auf dem vierten Platz gelandet. Den Sieg holte Israel mit der Sängerin Netta. Es ist der vierte Triumph Israels beim ESC - nach 1978, 1979 und 1998. Für Deutschland ist es die beste Platzierung seit Lenas Sieg vor acht Jahren. Zuvor gab es kein besseres deutsches Abschneiden in diesem Jahrtausend, 1999 war die Band Sürpriz ("Reise nach Jerusalem - Kudüs'e seyahat") Dritter geworden.

"Platz vier, oh mein Gott", sagte der norddeutsche Sänger Schulte zufrieden und strahlend nach der Show zu Moderatorin Barbara Schöneberger im ARD-Fernsehen. "Das ist so verrückt." Die Fans bei der deutschen ESC-Party in Hamburg, zu der er per Video zugeschaltet war, jubelten ihm zu.

Außergewöhnlich zum Sieg: Netta aus Israel triumphiert beim ESC (529 Punkte). Mit ihrem Song "Toy" trifft die 25-Jährige den Nerv der "#MeToo"-Zeit. Mit großem Vorsprung gewinnt sie  ...
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Finale beim ESC 2018: Sieger, Störer, große Momente
Bild: Jörg Carstensen, dpa

Der 28-Jährige bekam für seinen Song "You let me walk alone", in dem es um den Tod seines Vaters geht, in der Nacht zum Sonntag von Jurys und Publikum aller Teilnehmerländer insgesamt 340 Punkte.

ESC-Gewinnern Netta aus Isreal gewann mit dem Lied "Toy"

Die Siegerin Netta (25) aus Israel erhielt 529 Punkte. Ihr Lied "Toy", das Korea-Pop, Hip-Hop und orientalische Elemente mit Stimmeffekten und Gacker-Klängen verbindet, ist durchaus politisch in Zeiten der #MeToo-Debatte. Die Botschaft an junge Frauen: Nehmt Euch an, so wie Ihr seid und seid stolz auf Euch selbst. Ihr seid nicht das Spielzeug (toy) von Männern.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu gratulierte zu ihrem Sieg. "Netta, Du bist ein echter Schatz", twitterte er. "Du hast dem Staat Israel viel Ehre eingebracht! Nächstes Jahr in Jerusalem!" Damit machte Netanjahu klar, dass der Wettbewerb 2019 voraussichtlich in der Stadt stattfinden wird, die Israel als seine Hauptstadt beansprucht. Dies ist allerdings international umstritten. 

Netanjahu rief Netta Barzilai nach ihrem Sieg in Lissabon auch an, um ihr zu gratulieren. Er sagte der Sängerin, sie sei "Israels beste Botschafterin".

Netta holte für Israel den Sieg beim ESC.
Bild: Jörg Carstensen, dpa

Michael Schulte beendete deutsche Niederlagenserie beim ESC

Für Deutschland beendete Michael Schulte äußerst klar die Niederlagenserie der vergangenen drei Jahre, als immer nur letzte Plätze oder der vorletzte Platz herauskamen. Die Bundesrepublik hat bisher zweimal beim ESC gesiegt: mit Lena 2010 und dem Song "Satellite" sowie mit Nicole 1982 und dem Lied "Ein bißchen Frieden".

Beim Finale des 63. ESC konkurrierten 26 Kompositionen. Zum vierten Mal war auch Australien als Ehrengast dabei, weil es dort so viele ESC-Fans gibt. Hinter Israel landete auf Platz zwei Zypern (Eleni Foureira mit "Fuego"), vor Österreich (Cesár Sampson mit "Nobody But You"), Deutschland und Italien (Ermal Meta & Fabrizio Moro mit "Non mi avete fatto niente").

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Finale beim ESC 2018: Sieger, Störer, große Momente
Bild: Jörg Carstensen, dpa

Beim Auftritt der britischen Kandidatin SuRie stürmte ein Störer die Bühne und entriss der Sängerin das Mikrofon, er wurde von Sicherheitsleuten weggebracht. Die souverän weitersingende SuRie lehnte eine Wiederholung ihres Auftritts ab. Sie kam am Schluss auf Rang 24.

Michael Schulte sang das Lied "You Let Me Walk Alone".
Bild: Jörg Carstensen, dpa

Mit dem ESC-Sieg ist kein Geld, sondern nur eine Trophäe für die Komponisten verbunden - außerdem die Austragung der Veranstaltung im Folgejahr. Insgesamt nahmen am Song Contest in diesem Jahr 43 Länder teil, so viele wie zuletzt beim ESC in Düsseldorf vor sieben Jahren. 

17 der 43 Teilnehmer 2018 wurden in den beiden Semifinals (Halbfinals) am Dienstag und Donnerstag aussortiert, darunter auch Russland, die Schweiz und Belgien. Deutschland ist als großer Geldgeber jeweils automatisch für das Finale gesetzt, ebenso Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien. Auch der Gastgeber, also diesmal Portugal, muss sich nicht qualifizieren.

Eurovision Song Contest 2018 bot viel Abwechslung

Musikalisch wurde auch dieses Jahr wieder ein breites Spektrum geboten. Von Rock über Hip-Hop bis typischen Schmachtballaden war vieles dabei. 

Um einen nochmaligen Sieg kämpfte zum Beispiel Alexander Rybak, der bereits 2009 den Wettbewerb für Norwegen gewann: Sein Ohrwurm "That's how you write a song" kam diesmal aber nur auf Platz 15.

Das wohl eindrucksvollste Kostüm trug Elina Nechayeva für Estland, die ihr Opernstück "La forza" in einem 53-Quadratmeter-Hightech-Kleid vortrug, auf das Lichteffekte projiziert wurden - es reichte für Platz 8. 

Die Finnin Saara Aalto ließ sich bei ihrem sogenannten Epic-Love-Pop-Song "Monsters" auf einer Drehscheibe auch kopfüber umherwirbeln (Platz 25). Im französischen Beitrag vom Duo Madame Monsieur ging es um ein Flüchtlingsschicksal (Platz 13) und im italienischen Beitrag von Eral Meta & Fabrizio Moro um Terroropfer (Rang 5).

Mit dem Lied „Disappear“ trat 2008 die Casting-Band "No Angels" mit Lucy Diakowska, Jessica Wahls, Nadja Benaissa und Sandy Mölling (von links nach rechts) an.
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Das sind die deutschen ESC-Kandidaten seit 2008
Bild: Ulrich Perrey, dpa/lno

Die Zuschauer konnten wie immer über den Sieger mit abstimmen, jedoch nicht für die eigene Nation. Ihr Voting wurde ergänzt von nationalen Jurys. In diesem Jahr war die komplizierte und vielen als kultig geltende Punkteverkündung von Jurys und Publikum bereits zum dritten Mal getrennt voneinander. Sie dauerte rund 40 Minuten.

Die Jury-Punkte aus Deutschland gab Barbara Schöneberger bekannt. Sie war live von der ESC-Party auf der Hamburger Reeperbahn zugeschaltet. Die Höchstwertung der deutschen Juroren - zwölf Punkte - ging an Schweden, das am Ende Platz 7 belegte. (dpa)

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