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Göttingen

29.09.2019

Mutmaßlicher Frauenmörder gefasst - zweites Opfer tot

Der Zugriff erfolgte in der Nacht auf Samstag: Die Polizei hat den mutmaßlichen Frauenmörder von Göttingen gefasst. Der Festnahme in einem Zug hatte er sich zuvor entzogen.
Bild: Marie Nehrenberg-Leppin, dpa

Nach der tödlichen Attacke auf eine Frau in Göttingen hat die Polizei den Verdächtigen gefasst. Auch die schwer verletzte Kollegin der Toten starb am Samstag.

Nach der Festnahme des mutmaßlichen Frauenmörders von Göttingen ist auch das zweite Opfer der Attacke gestorben. Die Frau sei an ihren Verletzungen gestorben, sagte der Göttinger Polizeichef Thomas Rath am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Die 57-Jährige hatte am Donnerstag versucht, der angegriffenen Frau zu Hilfe zu kommen. Die Frauen waren offenbar Arbeitskolleginnen.

Der 52-jährige Verdächtige war in der Nacht auf Samstag nach anderthalb Tagen auf der Flucht in Göttingen festgenommen worden. Wie die Polizei mitteilte, hatte ein Zeuge den Mann gegen 22.50 Uhr erkannt und die Beamten alarmiert. Der Zugriff erfolgte dann vor einem Schnellrestaurant. Polizei und Staatsanwaltschaft informierten am Samstag in der niedersächsischen Universitätsstadt über die Ermittlungen. Mittlerweile liegt ein Haftbefehl gegen den Festgenommenen vor.

Bluttat von Göttingen: Täter zündete Opfer an

Frank N. soll am vergangenen Donnerstag auf offener Straße eine Frau in Göttingen angegriffen und tödlich verletzt haben. Laut Polizeiangaben war der Deutsche nach der Bluttat auf einem Fahrrad mit Packtaschen geflohen. Die Ermittler hatten daraufhin Fotos von dem mutmaßlichen Angreifer veröffentlicht und davor gewarnt, ihn anzusprechen.

Bisherigen Ermittlungen zufolge waren der Verdächtige und das 44-jährige Opfer im Stadtteil Grone in Streit geraten. Das Opfer sei eine Bekannte des Mannes gewesen. Vermutlich habe er sich mehr von dieser Bekanntschaft erhofft, sagten die Beamten. Er habe ihr aufgelauert und sehr gezielt agiert.

Vor diesem China-Restaurant soll der Verdächtige die Frau getötet haben. Eine Zeugin, die schwer verletzt wurde, erlag am Samstag ihren Verwundungen.
Bild: Swen Pförtner, dpa

Berichte der Bild-Zeitung, nach denen der Mann das Opfer mit Benzin übergossen und angezündet habe, bestätigte die Polizei am Samstag. Der Verdächtige habe der Frau aufgelauert, sie mit Brandbeschleuniger überschüttet und angezündet. Als die Frau versuchte, wegzulaufen, habe er mit einem Messer auf sie eingestochen und dann auch die zweite Frau, die zur Hilfe eilte, attackiert. Ein weiterer Zeuge sei mit einem Feuerlöscher zu Hilfe geeilt - diesen habe der mutmaßliche Täter entrissen und damit auf den Kopf seines Opfers eingeschlagen. Bei der zweiten Frau handelt es sich um die am Samstag Verstorbene.

Frau in Göttingen getötet - Verdächtiger nach Großfahndung gefasst

Der Festnahme des Verdächtigen vorausgegangen war eine Großfahndung der Polizei in der Gegend zwischen Hannover und Göttingen. Bereits am Freitagvormittag hätten die Beamten Frank N. fast gefasst: Augenzeugen hatten den Mann in einem Nahverkehrszug entdeckt. Das Zugpersonal hatte das Abteil des Verdächtigen daraufhin verschlossen und die Bundespolizei alarmiert. Auf dem Bahnhof in Elze nahe Hildesheim entkam er aber durch ein eingeschlagenes Zugfenster und flüchtete.

Die Beamten standen während der Fahndung sogar zeitweise in Kontakt mit dem mutmaßlichen Täter. Wie die Polizei mitteilte, habe sich der Mann mehrfach nach dem Zustand seiner Opfer erkundigt. Er habe außerdem während seiner etwa 32-stündigen Flucht weitere Verhandlungsgespräche mit den Beamten über den Notruf 110 geführt. Der Verdächtige sei "aalglatt" aufgetreten, schilderten die Ermittler. Er habe nach bisherigen Erkenntnissen von verschiedenen Handys von Passanten angerufen.

Zudem habe sich der Mann bei einem Anwalt in Hannover gemeldet, der ihn aber abgewiesen und die Polizei verständigt habe. Der Verdächtige habe sich wohl rechtlichen Beistand erhofft.

Göttingen: Verdächtiger ist mehrfach vorbestraft

Im Zuge der Fahndung, bei der die Polizei neben einem Hubschrauber auch Hunde und Drohnen einsetzte, waren immer mehr Details über den Verdächtigen ans Licht gekommen. Laut einem Bericht der Hannoverschen Allgemeinen ist N. ein verurteilter Sexualstraftäter. Insgesamt soll er drei Mal wegen Vergewaltigung verurteilt worden sein, fast 14 Jahre seines Lebens im Gefängnis verbracht haben. Schon als Jugendlicher musste er wohl für zwei Jahre und neun Monate hinter Gitter, später erneut für fünf Jahre. Zuletzt wurde er 1994 zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Seit 2001 ist er wieder auf freiem Fuß.

Während der Großfahndung sperrte die Deutsche Bahn vorsorglich den Göttinger Bahnhof und die Strecke zwischen Hannover beziehungsweise Hildesheim und Kassel. Mehrere Züge im Fernverkehr wurden umgeleitet. Die Sperrung wurde am Freitagnachmittag nach rund zwei Stunden aufgehoben. (dpa)

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