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Bodensee-Region

04.11.2019

Nach Erdbeben in Albstadt: Ist ein Beben in der Region denkbar?

Die Schwäbische Alp wurde von einem Erdbeben der Stufe 3,7 erschüttert.
Foto: Oliver Berg, dpa (Symbol)

Plus In der Nacht zum Montag gab es ein Erdbeben bei Albstadt. Schon im Sommer wurde die Region um den Bodensee erschüttert. Drohen jetzt stärkere Erdbeben?

Die Schwäbische Alb wurde in der Nacht auf Montag von einem Erdbeben erschüttert. Das Beben mit Epizentrum bei Albstadt (Schwäbische Alb) erreichte um 1.59 Uhr eine Stärke von 3,8 auf der Magnitudenskala. Die Erschütterung war vermutlich im Umkreis von 30 Kilometern spürbar.

Ein Grund zur Panik ist das nicht, erklärt Torsten Dahm, der die Sektion Erdbeben- und Vulkanphysik am Deutschen Geo-Forschungs-Zentrum (GFZ) leitet. "So schwache Beben gibt es häufiger", sagt er unserer Redaktion.

Auch Stefan Stange vom Erdbebendienst Südwest betont, dass bei einem Beben wie am 4. November nennenswerte Schäden sehr unwahrscheinlich seien. Im schlimmsten Fall könnten sich bei dieser Stärke Risse im Putz von Gebäuden bilden oder Gegenstände von Tischen oder aus Regalen fallen. Da sich das Erdbeben aber relativ nahe an der Erdoberfläche ereignet habe, sei es deutlich wahrnehmbar gewesen. Viele Menschen, die das Beben bemerkt hätten, seien von einer höheren Stärke ausgegangen, erklärt Stange. Bei der Polizei gingen bis Montagmittag rund 60 Anrufe wegen der Erschütterung ein. Aber auch dort seien keine Schäden gemeldet worden, sagte ein Sprecher.

Im Juli bebte die Erde bei Konstanz

Erst im Sommer hatten mehrere Beben die Region um Konstanz und den Bodensee erschüttert, das stärkste davon erreichte einen Wert von 3,7. Bei starken Erdbeben ist häufig von sogenannten Vorbeben die Rede. Besteht also eine Gefahr, dass diese schwachen Beben die Vorboten einer heftigeren Erschütterung sind? Stange sagt: "Die Konstanz-Beben Ende Juli und jetzt das Albstadt-Beben - das ist schon eine Häufung für diesen Zeitraum."

Das sei aber kein Grund, sich Sorgen zu machen. "Das sind normale Schwankungen. Im langjährigen Mittel hat sich nichts verändert." Zwar verzeichnen die Wissenschaftler immer mehr kleine Beben, das habe aber einen ganz anderen Grund: Die Messtechnik wird immer besser. So werden inzwischen Erschütterungen verzeichnet, die früher niemand bemerkt hat.

Dahm sagt zudem, dass Vorbeben nicht zuverlässig auftreten. Es lasse sich nicht aus einzelnen Beben ablesen, ob ein stärkeres folgt. Doch weil es bereits Erdbeben um die Stärke 6 auf der schwäbischen Alb gab, sei es durchaus denkbar, dass dort wieder so eine Stärke erreicht wird. Die Schwäbischen Alb ist eine der am stärksten von Erdbeben betroffenen Regionen in Deutschland. 1911 erreichte die Magnitude dort einen Wert von 6,1, 1943 von 5,6 und 1978 von 5,7.

Sind in Deutschland auch sehr starke Erdbeben denkbar?

Neben der schwäbischen Alb gibt es in Süddeutschland weitere Bereiche, in denen es häufiger zu Erdbeben kommt als anderswo. Der Rheingraben etwa, der sich von Baden-Württemberg über Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen erstreckt. "Und je näher man an die Alpen kommt, da gibt es mehr Beben", erklärt Dahm - so etwa im Bereich des Bodensees. Und warum sind es gerade diese Gebiete? "Das ist eine Frage, die sich nicht leicht beantworten lässt", sagt Dahm.

Beim Rheingraben sei die Tektonik verhältnismäßig leicht zu verstehen. "Das ist ein großes Grabensystem, das noch aktiv ist." Bei anderen Erdbeben-Regionen ist es komplizierter. Die stärksten Erdbeben weltweit kommen in der Regel dort vor, wo Kontinentalplatten aneinandergrenzen – das ist in Deutschland nicht der Fall. "Aber auch in der starren Erdkruste in Süddeutschland gibt es tektonische Spannungen", sagt Dahm - diese können Beben auslösen. Solche "Intraplattenbeben" sind im Normalfall nicht so stark. "Aber eine Magnitude 6 kann auch innerhalb einer Kontinentalplatte entstehen." Komplett auszuschließen seien auch stärkere Erschütterungen nicht. "Man kann gar nichts ganz ausschließen. Aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr, sehr gering." (mit dpa)

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