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Norwegen
11.04.2014

"John Smith": Rätsel über Mann ohne Gedächtnis scheint gelöst zu sein

Das Rätsel über denn Mann ohne Gedächtniss scheint gelöst. Die Eltern von "John Smith" haben seine Identität bestätigt.
Foto: AFP PHOTO / NORWEGIAN POLICE

Im norwegischen Winter wird ein Mann im Schnee gefunden. Monate grübelt die Polizei über seine Identität. Denn ihm fehle jede Erinnerung, sagt er. Jetzt scheint das Rätsel gelöst.

Schwach, bewusstlos und mit dem Gesicht nach unten, wurde "John Smith" im Schnee gefunden. Übel zugerichtet fand ihn ein Spaziergänger am 14. Dezember 2013 auf einem Bürgersteig in Oslo.

Nach eigenen Angaben erinnert sich "John Smith" an nichts

Als er mit Schnittwunden an Knöcheln und Handgelenken im Krankenhaus aufwacht, erinnert er sich nach eigenen Angaben an nicht. Seitdem grübeln norwegische Ermittler darüber, wer "John Smith" ist, was ihm zugestoßen ist und wo er herkommt. Denn der große blonde Mann spricht zwar fünf Sprachen, aber kein Norwegisch. Jetzt könnte die Polizei seiner Identität endlich auf die Spur gekommen sein.

"Ich glaube, ich bin Tscheche", hatte der Mann ohne Erinnerung dem norwegischen Rundfunk vor einigen Tagen erzählt. "Es ist die Sprache, die ich am besten verstehe." Er spreche auch Polnisch, Slowakisch und Russisch. "Aber ich denke und träume auf Englisch." Seine Anwältin glaubt, dass er aus Osteuropa kommt und im englischsprachigen Ausland studiert hat. "Er hat einen großen und akademischen Wortschatz", sagte Cathrine Grøndahl Medien.

Der Mann soll ein Computerspezialist sein und bis vor drei Jahren in Prag gelebt haben

Nachdem sich "John Smith", wie der Mann sich selbst taufte, vor einigen Tagen an die Öffentlichkeit wandte, stand das Telefon bei den norwegischen Ermittlern nicht mehr still. "Wir hatten zwei Tipps, die in Richtung Tschechien deuteten", sagt Anwalt Sturla Henriksbø von der Polizei in Oslo der Deutschen Presse-Agentur. Danach soll "John Smith" ein 36 Jahre alter Tscheche sein, wie die dortige Polizei erklärte.

Die Eltern des Mannes wollen ihn erkannt haben. "Die Behörden sind in der Sache aktiv, unseren Sohn haben wir mehrere Jahre nicht gesehen", sagte der in Nordmähren lebende angebliche Vater dem Fernsehsender Barrandov. Das könnte erklären, wieso die Eltern ihn nicht vermisst gemeldet hatten. Bei "John Smith"soll es sich um einen Computerspezialisten handeln, der bis vor drei Jahren in Prag gelebt und gearbeitet hat, wie tschechische Medien weiter berichten. Ein Mann mit dem angegebenen Namen sei im Melderegister der benachbarten Stadt Kolin registriert und werde dort auch im Handelsregister geführt.

Ärzte fanden Betäubungsmittel im Körper von "John Smith"

Was sonst noch durch die Medien über den Mann bekannt ist, liest sich wie ein Krimi. Zeitweise habe der Computerexperte vor Gericht als Sachverständiger gearbeitet. Dabei soll er zur Aufklärung einiger Fälle beigetragen haben. Das könnte ihn in Gefahr gebracht haben.

Noch heute hat der Mann laut dem norwegischen Fernsehen große Angst vor den Angreifern, die ihn irgendwo in einem so üblen Zustand versetzten und am Straßenrand zurückließen. "Ich bin am 15. Dezember mit Dreitagebart im Krankenhaus aufgewacht, also glaube ich, dass etwas am 12. Dezember passiert sein könnte", mutmaßt er. Er sei dehydriert und ausgehungert gewesen. Tiefe Schnittwunden an seinem Körper hätten davon gezeugt, dass er misshandelt worden sei. "Meine Hände waren ganz offensichtlich zusammengebunden worden." Der Arzt habe Betäubungsmittel in seinem Körper gefunden.

Der Fall hat Ähnlichkeit mit dem sogenannten Piano-Mann im Jahr 2005

Aus Furcht vor seinen Peinigern habe er nun sein Aussehen verändert. Die letzten Monate beschrieb er als "Hölle". Er lebte seit Ende Dezember in einer Notunterkuft der norwegischen Wohlfahrt. "Diejenigen, die mir das angetan haben, sind immer noch auf freiem Fuß. Bis Dienstag haben sie nicht gewusst, dass ich überlebt habe, aber jetzt wissen sie es. Und, dass ich in Oslo bin. Ich möchte mein Leben nicht der Gefahr aussetzen, dass sie vollenden können, was sie angefangen haben."

Der Fall hat Ähnlichkeit mit dem sogenannten Piano-Mann, der im April 2005 an einem englischen Strand gefunden worden war. Dieser wirkte verwirrt und blieb stumm, spielte aber auf der Psychatriestation angeblich leidenschaftlich Klavier. Der Mann wurde zu einem tschechischen Klavierpianisten erklärt, dabei handelte es sich um einen aus der Oberpfalz stammenden Deutschen.

Ob "John Smith" wirklich Tscheche ist und seine angeblichen Eltern die Wahrheit über seine Identität sagen, soll nun ein DNA-Test ans Licht bringen. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir seine Identität aufgeklärt haben", sagt Henriksbø schon jetzt. Bevor er seine vermeintlichen Eltern kontaktiert, will "John Smith" den DNA-Test abwarten.  dpa

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