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Norwegen
11.08.2019

Polizei wertet Moscheeangriff als versuchten Terroranschlag

Rettungssanitäter treffen am Einsatzort ein, einer Moschee in der Nähe von Oslo.
Foto: Terje Pedersen, dpa

Ein Bewaffneter dringt in eine Moschee in Baerum bei Oslo ein, wird aber überwältigt, ehe er Schlimmes anrichten kann. In seiner Wohnung liegt eine Leiche.

Die Polizei in Norwegen wertet den Angriff auf eine Moschee am Samstagabend als "versuchte terroristische Tat". "Die Ermittlungen haben ergeben, dass der Täter rechtsextremistische Ansichten hatte", sagte Polizeisprecher Rune Skjold am Sonntag. Der Mann habe Sympathie für den norwegischen Nazi-Kollaborateur Vidkun Quisling (1887-1945) zum Ausdruck gebracht und sich feindselig gegen Einwanderer geäußert.  

Der gebürtige Norweger war am Samstagabend mit zwei Schrotflinten und einer Pistole bewaffnet in die Moschee in Baerum eingedrungen. Dort hielten sich zu dem Zeitpunkt nur drei Gläubige auf. Einer von ihnen konnte den Angreifer überwältigen, der dann festgenommen wurde.  

In einer ersten Vernehmung hat der Tatverdächtige die Aussage verweigert. Dies teilte die norwegische Polizei am Sonntag mit.

Täter plante möglicherweise ein größeres Blutbad in Moschee

Die Umstände des Angriffs legen nahe, dass der Täter in der Moschee möglicherweise ein größeres Blutvergießen anrichten wollte. Drei Gläubige hätten sich nach dem Gebet noch in der Moschee aufgehalten, als er mit zwei Schrotflinten und einer Pistole bewaffnet in das Gebäude eingedrungen sei, sagte der Vorstand der Al-Noor-Moschee, Ifran Mushtaq, dem Sender TV2.

Zwei der Männer seien sofort in Deckung gesprungen, doch ein etwa 70 Jahre alter Mann habe den Angreifer überwältigt. Im Gerangel seien Schüsse gefallen. Schließlich sei der Angreifer durch einen Schlag auf den Hinterkopf außer Gefecht gesetzt worden, so dass ihn die Polizei festnehmen konnte.

Polizei in Norwegen findet die Leiche einer jungen Frau

Sowohl der mutmaßliche Täter als auch einer der Moschee-Besucher seien leicht verletzt worden, sagte Polizeisprecher Rune Skjold auf einer Pressekonferenz in der Nacht zum Sonntag. Über Art und Ursache der Verletzungen schwieg er sich aus. Auch zu den am Tatort gefundenen Waffen sagte Skjold nichts. Der Angreifer hatte den Angaben zufolge eine Schutzweste, schwarze Kleidung und Knieschützer getragen.

Bislang sei der Festgenommene nicht vernommen worden, da er noch medizinisch behandelt werde und noch keinen Anwalt habe, sagte Skjold. Der Zwischenfall werde derzeit nicht als terroristischer Angriff behandelt, die Ermittlungen liefen in alle Richtungen.

Neben dem glimpflich verlaufenen Überfall könnte auch ein Tötungsdelikt auf das Konto des Tatverdächtigen gehen. Im Zuge der Durchsuchung mehrerer Gebäude sei in seiner Wohnung die Leiche einer jungen Frau gefunden worden, sagte Skjold. In welcher Beziehung genau das Opfer und der mutmaßliche Täter zueinander standen, blieb zunächst unklar.

Norwegische Polizei will vor Moscheen erhöhte Präsenz zeigen

Die Internet-Aktivitäten des Festgenommenen samt seiner jüngsten Nachrichten in sozialen Netzwerken und Online-Foren würden noch überprüft, fügte der Polizeisprecher hinzu. In einer der Nachrichten, die laut dem Sender TV2 nur Stunden vor der Tat verfasst wurde, soll sich der Verdächtige lobend über den Terroranschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch geäußert haben, bei dem ein Rechtsextremist im März 51 Menschen erschossen und weitere 50 verletzt hatte.

Regierungschefin Erna Solberg verurteilte den Zwischenfall nahe Oslo. "Der Besuch von Moscheen, Kirchen und anderen Gotteshäusern sollte sicher sein", schrieb sie in einer am Abend veröffentlichten Erklärung. Auch Solberg wollte sich nicht zum Tatmotiv äußern.

Die Polizei in Oslo kündigte an, am Sonntag vor Moscheen erhöhte Präsenz mit bewaffneten Kräften zu zeigen. An diesem Tag beginnt für mehr als eine Milliarde Muslime weltweit das Opferfest Eid al-Adha - das wichtigste Fest überhaupt im Islam. (dpa)

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